Dramatische Änderungen für die ganze Welt

Ozeanwirbel wandern Richtung Pole ab – Extreme Winter in Deutschland drohen

27.02.2020, Bayern, München: Ein Zug der Deutschen Bahn (DB) fährt bei dichtem Schneefall über die Gleise am Hauptbahnhof. Foto: Sven Hoppe/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Noch extremere Wetterphänomene könnten auf uns zukommen, sollten sich die Ozeanwirbel weiter zu den Polen bewegen. © dpa, Sven Hoppe, shp kde

Größere Tropen durch wandernde Ozeanwirbel

Kalte Winter, verschobene und weniger ertragreiche Fischfanggebiete, Stürme, die in neuen Bahnen verlaufen und ein sich ausbreitendes Tropengebiet: All das sind die Folgen, die uns in nicht allzu ferner Zukunft erwarten. Der Grund ist, dass alle acht Ozeanwirbel Richtung Pol wandern – und zwar gleichzeitig. Wissenschaftler am Alfred-Wegener-Institut haben diesen Vorgang nun untersucht und nennen es eine „dramatische Veränderung“, an der der Mensch die Hauptschuld trage. 

Verschiebung um 800 Meter pro Jahr

Professor Gerrit Lohmann vom Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven
Professor Gerrit Lohmann vom Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven © RTLi

Ozeanwirbel sind horizontale Zirkulationsmuster, die warmes Wasser nach Norden bringen und kaltes Wasser nach Süden. Diese gibt es im Atlantik, Pazifik, Indischen Ozean und Südlichen Ozean. Im Atlantik sorgen sie beispielsweise dafür, dass mit dem Golfstrom warmes Wasser in den Norden und kaltes in den Süden transportiert wird. 

„Das sind ganz wesentliche Motoren der ozeanischen Dynamik“, sagt Professor Gerrit Lohmann, Klimaforscher am Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven. Diese Ozeanwirbel verschöben sich gleichzeitig etwa 800 Meter pro Jahr Richtung Pole. Das bedeutet, dass die Tropen größer werden und eher warmes Wasser an den westlichen Rändern zum Pol transportiert werde.

Andere Wetterphänomene, anderer Temperaturverlauf

Das bedeutet: Wir bekommen andere Wetterphänomene und einen anderen Temperaturverlauf. „Das ist nur ein Vorgeschmack dessen, was wir in Zukunft noch erwarten“, erklärt Lohmann weiter. Damit würden sich Fischfang-Gebiete verlagern und in den angestammten Regionen seien kaum noch Fische zu bekommen.

Stürme würden in neuen Bahnen ziehen. Auch der Jetstream werde sich verändern. In welche Richtung es allerdings gehe, sei laut Professor Lohmann aber noch nicht so klar. Nicht auszuschließen sei auch, dass es zu extremeren Wetterbedingungen kommen könne. Es brächte Europa mehr Kaltluft und damit häufiger einen Extrem-Winter, allerdings sei der Einfluss auf unsere Breitengrade noch Gegenstand aktueller Forschungen.

Durch Kohlendioxid-Gehalt der Atmosphäre verursacht

Die acht Ozeanwirbel und ihre Richtung auf der aufgeklappten Weltkarte
Die acht Ozeanwirbel und ihre Richtung auf der aufgeklappten Weltkarte © yanghu, Alfred-Wegener-Institut, (Foto: yanghu, Alfred-Wegener-Institut)

Mehrere Antriebsfaktoren seien dafür verantwortlich. Lohmann sagt: „Ein wesentlicher ist die globale Erwärmung, aber es gibt auch interne Variabilität. Es tut auch von sich aus etwas im Klimasystem. Erstaunlich ist jedoch, dass alle Wirbel gleichzeitig Richtung Pol wandern. Die Wahrscheinlichkeit ist sehr groß, dass diese Ozeanwirbel durch den Anstieg im Kohlendioxid-Gehalt der Atmosphäre verursacht wurden.“ 

"Klimawandelleugner sind keine Fachleute"

Dass der Mensch einen erheblichen Einfluss auf den Klimawandel habe, sei laut Professor Lohmann also unbestritten. Er frage sich eher, wie hoch der Beitrag des Menschen dabei sei. Zu Menschen, die den Klimawandel leugnen, hat der Professor auch eine Meinung: „In der Regel sind das keine Fachleute, haben oft andere Interessen oder wollen sich nur wichtig machen. Wer das (den Klimawandel, Anm. d. Redaktion) bestreitet, der muss sich eigentlich mit der Materie beschäftigen, aber das tun die Leute in Regel nicht.“

Dramatisch für die Norddeutsche Tiefebene

Trotz aller Sachlichkeit im Umgang mit den gewonnenen Erkenntnissen zum Klimawandel, bereite dem Forscher das langfristige Klimageschehen im Bezug auf die folgenden Generationen große Sorgen. Die würden ein anderes Klima erleben. Der Meeresspiegel werde steigen. Ein Anstieg um zwei oder drei Meter sei dramatisch zum Beispiel für die Norddeutsche Tiefebene, da diese hauptsächlich auf Meeresspiegelebene liege. 

​Es sei wichtig, das Klimasystem zu verstehen und dementsprechend zu handeln, damit wir nicht in eine wärmere Welt gerieten, wo alles außer Kontrolle gerate.