Mission geglückt

Komplizierte Landung auf Asteroid Bennu

In 150 Jahren könnte der Asteroid Bennu der Erde gefährlich nahe kommen. Das Risiko ist zwar gering, aber trotzdem will die Nasa den Asteroiden im Auge behalten und erforschen. Die Raumsonde „Osiris-Rex“ umkreist Bennu deswegen seit knapp zwei Jahren. Jetzt hat sie dem 
Asteroiden auf spektakuläre Weise Bodenproben entnommen. Aufnahmen zeigten, dass die Mindestanforderung von 60 Gramm Staub und Geröll erfüllt worden sei, teilte die US-Raumfahrtbehörde Nasa mit.

Kompliziertes Manöver

HANDOUT - 16.10.2020, ---, Weltraum: Eine undatierte grafische Darstellung zeigt die Nasa-Sonde Osiris-Rex, die über dem Asteroiden Bennu mit ihrem Touch-And-Go Sample Arm Mechanism (TAGSAM), einer Art Roboter-Arm, eine Probe von dem Asteroiden nimmt
Die Raumsonde Osiris-Rex vollführt eine komplizierte Landung auf dem Asteroiden Bennu. © dpa, wst

Das geplante Asteroiden-Manöver war alles andere als einfach: „Ich werde in einen Raum navigieren, der ungefähr drei Parkplätze breit und von hausgroßen Felsbrocken umgeben ist“, hieß es von der Sonde „Osiris-Rex“ per Kurznachrichtendienst Twitter. Dort lässt sie die US-Raumfahrtbehörde Nasa wie viele andere ihrer Raumfahrzeuge in Ich-Form kommunizieren. „Ganz schön knifflig.“ Aber die komplizierte Mission gelang. 

Direkt nach dem Manöver war jedoch noch nicht klar gewesen, ob die entnommene Probe verwertbar und ausreichend ist. Dafür musste die Sonde erst weitere Daten zur Erde schicken.

Erst eine Sonde kehrte erfolgreich mit einer Probe zurück

Die Hayabusa-Raumsonde nach ihrer Landung in Australien 2010. Sie brachte erstmalig Gesteinsproben von einem Asteroiden zurück zur Erde.
Die Hayabusa-Raumsonde nach ihrer Landung in Australien 2010. Sie brachte erstmalig Gesteinsproben von einem Asteroiden zurück zur Erde. © DPA

Die etwa sechs Meter lange und 2100 Kilogramm schwere Sonde „Osiris-Rex“ (die Abkürzung steht für: Origins, Spectral Interpretation, Resource Identification, Security-Regolith Explorer) ist der erste US-Flugkörper, der sich auf den Weg zu einem Asteroiden gemacht hat, eine Probe entnehmen und zur Erde zurückbringen soll. Bereits 2005 war die japanische Raumsonde „Hayabusa“ auf einem Asteroiden gelandet und hatte 2010 die ersten je gesammelten Bodenproben eines solchen Himmelskörpers zur Erde gebracht. Wegen technischer Probleme landete die Raumsonde mit drei Jahren Verzögerung in Australien.

„Osiris-Rex“ war im September 2016 vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral gestartet und rund zwei Jahre und rund 650 Millionen Kilometer später bei dem Asteroiden angekommen. Zuvor hatte die Sonde den Asteroiden bereits aus einiger Entfernung fotografiert.

Bennu spuckt Steinteilchen aus

This undated image made available by NASA shows the OSIRIS-REx spacecraft's primary sample collection site, named
Dieses undatierte Foto der Nasa zeigt die Landestelle von Osiris-Rex © AP

Seit der Ankunft untersucht die vom US-Unternehmen Lockheed Martin gebaute und mit fünf wissenschaftlichen Instrumenten und Kameras ausgestattete Sonde den Asteroiden ausgiebig. Dabei wurde auch die beste Stelle für die Entnahme der Probe ausgespäht - ein Ort in einem Krater in der nördlichen Hemisphäre von Bennu, der auf den Namen „Nightingale“ (Nachtigall) getauft wurde. Weil sich die Raumsonde mittlerweile etwa 290 Millionen Kilometer von der Erde entfernt hat, brauchen die Steuerungsbefehle der Nasa etwa 16 Minuten zur Sonde.

Die Untersuchungen hätten den Nasa-Wissenschaftlern bemerkenswerte Möglichkeiten gegeben, „unser Wissen über das Verhalten aktiver Asteroiden zu erweitern“, sagte Nasa-Wissenschaftler Dante Lauretta – und es gab auch die ein oder andere Überraschung: So spuckt Bennu täglich einige wenige um die sieben Millimeter kleine Steinteilchen in die Atmosphäre. Die meisten bewegen sich langsam und werden von seiner schwachen Schwerkraft wieder angezogen. Sie stellten wohl keine Gefahr für die  Sonde dar, würden aber auf jeden Fall weiter untersucht, hieß es von der Nasa.

Sonde liefert Asteroiden-Probe in drei Jahren ab

Nasa-Sonde soll eine Probe von 60 bis 2000 Gramm aufnehmen.
Nasa-Sonde soll eine Probe von 60 bis 2000 Gramm aufnehmen. © dpa, wst

Das Highlight der Mission, die Entnahme der Probe von der Oberfläche von Bennu, hatte die Nasa laut eigenen Aussagen in den vergangenen Monaten schon zweimal erfolgreich geprobt, wie es heißt. Auch beim dritten Mal näherte sich „Osiris-Rex“ Bennu bis auf wenige Meter und fuhr dann eine Art Roboter-Arm aus, den „Tagsam“ (Touch-And-Go Sample Acquisition Mechanism). Dieser Roboter-Arm sollte die Oberfläche des Asteroiden etwa fünf Sekunden lang berühren, unter Druck gesetzten Stickstoff ausstoßen, um die Oberfläche aufzuwirbeln, und dann eine Probe von etwa 60 bis 2000 Gramm aufsaugen, bevor die gesamte Sonde sich wieder von Bennu Richtung Erde entfernt. In etwa drei Jahren wird die Kapsel mit der Probe auf der Erde zurück erwartet.

Der tiefschwarze Bennu mit einem Durchmesser von rund 550 Metern könnte der Erde in mehr als 150 Jahren recht nahe kommen. Auch wenn das Einschlagrisiko sehr gering ist, zählt die Nasa Bennu zu den gefährlichsten derzeit bekannten Asteroiden und will ihn deshalb ganz genau erforschen. Zudem erhoffen sich die Wissenschaftler von der rund eine Milliarde Dollar teuren Mission Erkenntnisse über die Entstehung des Sonnensystems vor mehr als 4,5 Milliarden Jahren, denn Asteroiden sind Überbleibsel davon.

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