Maßnahmen-Katalog veröffentlicht

Corona-Appell von Forschern: Das muss die Politik jetzt umsetzen

 An einer Notbremse in einer Bahnhaltestelle hängt eine FFP2-Maske. Der Bundestag soll am kommenden Mittwoch über die sogenannte Bundes-Notbremse entscheiden. Die von der Bundesregierung geplanten Änderungen am Infektionsschutzgesetz sehen unter ande
Wie lässt sich die vierte Welle stoppen? © imago images/Future Image, Christoph Hardt via www.imago-images.de, www.imago-images.de

"Scheitelpunkt noch nicht erreicht"

Die Corona-Lage ist dramatisch. Führende Wissenschaftler haben nun einen Forderungskatalog an die Politik aufgestellt. Was muss passieren, um den Anstieg der Infektionen zu stoppen?

Der Scheitelpunkt der aktuellen Welle sei noch nicht erreicht, der Höchstwert der zu behandelnden Intensivpatienten werde vermutlich noch höher liegen als in den bisherigen Wellen, warnen die Wissenschaftler rund um Viola Priesemann vom Max Planck Institut für Dynamik und Selbstorganisation. Das Schreiben liegt RTL vor.

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Brauchen jetzt "rechtliche Grundlage für Not-Schutzschalter"

 Viola Priesemann 2020-11-29, Berlin, Deutschland - Viola Priesemann, Forschungsgruppenleiterin am Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation, MPIDS, zu Gast bei Anne Will im Ersten. Thema der Politiktalkrunde im Ersten Deutschen Fernsehe
Viola Priesemann © imago images/Jürgen Heinrich, Jürgen Heinrich via www.imago-images.de, www.imago-images.de

„Um im Notfall effektiv und adäquat handeln zu können, ist es wichtig, dass der gesamte Instrumentenkasten der Pandemie sofort zur Verfügung steht“, schreiben die Forscher. Man solle jetzt die rechtliche Grundlage für einen Not-Schutzschalter schaffen. Gerade auch im Hinblick auf die neue Omikron-Variante sei das „dringend erforderlich“. appellieren die Wissenschaftler.

Die Forscher haben einen Maßnahmenplan für hochkritische Bundesländer (Länder mit einem Hosptialisierungsindex von >9) und für kritische Bundesländer (Hospitalisierungsindex > 6) erstellt.

Das fordern und empfehlen die Wissenschaftler

Für kritische Bundesländer, zu denen die Forscher wegen der Omikron-Variante derzeit alle zählen, empfehlen die Wissenschaftler unter anderem:

  1. Rasches Boostern: Rund 1,5 Millionen Booster-Impfungen sollten täglich verabreicht werden, das sind 2 Prozent und mehr der Bevölkerung pro Tag.
  2. 3G am Arbeitsplatz und Homeoffice konsequent umsetzen, zusätzlich medizinische Maskenpflicht in Büros mit mehr als 2 Personen im Raum.
  3. Veranstaltungen absagen: Veranstaltungen mit mehr als 50 Leuten in Innenräumen und Großveranstaltungen über 1.000 Menschen im Freien abhängig von der Hospitalisierungsrate absagen oder von der Teilnehmerzahl begrenzen.
  4. Freizeit (Restaurants bis Sporthallen): 2G+ in Innenräumen, im Freien mindestens 2G. Medizinische Masken außer in der Gastro am Platz oder beim Sport.
  5. Einzelhandel nur mit Maske und Personen-Begrenzung je nach Hospitalisierungsinzidenz
  6. Schulen: möglichst Pool-PCR-Testung, konsequentes Lüften, inzidenzabhängig Maske auch im Unterricht. Spätestens bei 500 oder 1.000 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner auch Aufhebung der Präsenzpflicht.

Für hochkritische Länder empfehlen die Forscher zusätzlich:

  1. Private Kontakte in Innenräumen reduzieren: Vor allem die Anzahl unterschiedlicher Kontakte sollte vermieden werden. Jeder Haushalt sollte ein bis zwei enge Kontakthaushalte haben, alle anderen Begegnungen sollten nur im Freien stattfinden.
  2. Auch Vereine oder Kirchengemeinden in Kontaktbeschränkungen einbeziehen.
  3. Universitäts- und Erwachsenenbildung sollte nur noch digital oder in festen, sehr kleinen Gruppen stattfinden.
  4. Schulen: Als letzte Möglichkeit, wenn die Maßnahmen nicht reichen: Online-Unterricht, vorgezogene Weihnachtsferien. Die Forscher empfehlen begleitend finanzielle Entlastung der Familien und Unterstützungsmaßnahmen für die Kinder, so dass die negativen Folgen abgemildert werden.

Erarbeitet wurde der Forderungskatalog von insgesamt 15 Forschern aus unterschiedlichen Fachgebieten, darunter auch Christian Karagiannidis (Lungenklinik Köln-Merheim) und Ulrike Protzer (Institut für Virologie, TU München). (eku)

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