Olis Klimablog: COP23 in Bonn produzierte nur noch mehr heiße Luft

Oliver Scheel schreibt den Klimablog bei wetter.de

Klimapolitik ist auch immer Flüchtlingspolitik - das sollte der CSU klar sein

Der Weltklimagipfel in Bonn, der COP23, ist Geschichte. Was ist das Ergebnis? Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte, dass es bei der Klimaveränderung um eine Schicksalsfrage der Menschheit gehe. Klingt toll. Leider kann sie sich da gerade so gar nicht drum kümmern, denn zuhause gibt es Sondierungsgespräche um eine mögliche Regierungsbildung. Und das ist jetzt wirklich eine ganz schlechte Zeit, um die Menschheit zu retten. Denn bis auf die Grünen wollen eigentlich alle Sondierer von CDU, CSU und FDP, dass wir der Wirtschaft freien Lauf lassen und die Kohle weiter verfeuern, weil wir ja alle davon leben. Alles andere wäre ja industrieller Selbstmord, wie es FDP-Mann Alexander Graf Lambsdorff formulierte. 

Die Frage ist nur: Wie lange leben wir da wirklich noch gut mit? Die Extremwetter nehmen zu, die Versicherungsschäden steigen. Und die Zahl der Klimaflüchtlinge ist jetzt noch sehr gering. Doch das wird sich ändern. Möglicherweise schon bald. Wenn die CSU jetzt schon für eine Obergrenze ist und den Familiennachzug begrenzen will, dann sollte sie ein großes Interesse daran haben, die Erwärmung unseres Klimas zu begrenzen. Denn wenn die Menschen ihr Land und damit ihre Lebensgrundlage verlieren, werden sie nicht zögern, sich auf den beschwerlichen Weg nach Europa zu machen. So ist Klimapolitik auch immer Flüchtlingspolitik. Das sollte den Dobrindts und Seehofers klar sein.  

Immerhin haben sich in Bonn 19 Staaten gefunden, die der Kohle abschwören wollen. Dazu zählen aber auch Frankreich und Kanada. Die einen setzen voll auf Atomstrom und die anderen zerstören ihr Land durch den Abbau von Öl-Sanden. Es ist auch dies eine ziemlich unheilige Allianz. Im nächsten Jahr findet COP24 dann in der nächsten Höhle der Löwen statt. Im oberschlesischen Industriegebiet in Kattowitz im Kohleland Polen. Polen ist eines der wenigen Länder, das noch abhängiger von der Kohle ist als Deutschland. Wenn die Verhandlungspartner da wirklich etwas zur Klimarettung auf den Weg bringen, dann ist das ein echt starkes Zeichen. Aber wer glaubt daran? Momentan ist zu konstatieren, dass in Bonn nur heiße Luft produziert wurde. Und es drängt sich die Frage auf: Wie hoch war eigentlich die CO2-Belastung durch die 30.000 Beobachter, die sich auf den Weg nach Deutschland gemacht haben?    

Oliver Scheel ist Freier Journalist und arbeitet für Wetter.de. Er setzt sich deshalb für den Klimaschutz ein, weil er keine Lust darauf hat, dass alles vor die Hunde geht.

Ältere Blogs: Nur noch 20.000 Menschen arbeiten im Kohlesektor

Es ist einer der größten Zankäpfel bei den Verhandlungen um eine mögliche zukünftige Jamaika-Koalition: Der Kohleausstieg. Die Grünen wollen ihn so schnell wie möglich, die CDU hält ihn für "jetzt nicht sinnvoll" (Kanzlerin Angela Merkel) und will ihn "nicht gleich" (NRW-Ministerpräsident Armin Laschet) und die FDP sorgt sich lediglich darum, dass man damit in den freien Markt eingreife. Für Ökonomen wie Ökologen ist das nicht zu verstehen. Denn die Braunkohle verursacht 80 Prozent der Treibhausgas-Emissionen im Stromsektor, liefert aber nur 40 Prozent des Stroms und bietet nur noch 20.000 Menschen in Deutschland einen Arbeitsplatz. 1990 waren es noch achtmal mehr.

Worum geht es also? Es geht tatsächlich um die Kohle. Für die Energieversorger ist die Kohleverstromung immer noch gutes Geld. Das hat vor allem mit dem nicht funktionierenden Emissionshandel zu tun, der die Braunkohle unschlagbar billig macht. 

So aber geht es einfach nicht weiter. Denn Kohleverbrennung ist wirklich eine Technik aus dem letzten Jahrtausend. Weil rauf und runterfahren der Kraftwerke viel zu lange dauert, produzieren sie auch Strom, wenn es ausreichend Wind und Sonne gibt. Sie schaden dem Klima, auch wenn sie gar nicht benötigt werden. Außerdem stehen weitere Dörfer und jahrhundertealte Wälder auf der Abrissliste der Stromversorger.  

Deutschland ist der größte CO2-Emittent in Europa und die beiden Kohleregionen Rheinland und Niederlausitz sind die Hotspots der CO2-Emission. Wir müssen endlich umdenken: Denn die Kohle sichert keine Arbeitsplätze, sie verhindert die Entstehung neuer Arbeitsplätze. "Der Klimaschutz sichert den Wohlstand und verbessert die Wettbewerbsfähigkeit", sagte Hans Joachim Schellnhuber vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Wann verstehen das eigentlich unsere lobbygesteuerten Politiker?   

Jamaika wird die deutsche Klimabilanz verheerend zurückwerfen

Die Grünen knicken ein - mal wieder. Um die Jamaika-Koalition doch noch zu ermöglichen, weichen sie von ihrer harten Linie ab. Von einer Linie, die nicht nur die grüne Stammwählerschaft fordert, sondern die die ganze Welt dringend benötigt. Raus aus der Kohle, Schluss mit den Verbrennungsmotoren. Ein Enddatum für Benziner und Diesel hätte der Industrie sogar geholfen, denn sie hätte dann endlich den Druck gehabt, sich verändern zu müssen. So wird schön weitergewurschtelt und wahrscheinlich auch weiter betrogen mit den CO2-Werten unserer lieben SUVs, die wir benutzen, um im Ökomarkt Bio-Fleisch zu kaufen. Die Grünen verbiegen sich also wieder einmal, nur um eine Regierungskoalition zu ermöglichen, die die deutsche Klimabilanz um Jahre zurückwerfen wird.

Damit verprellt die selbst ernannte Ökopartei einmal mehr ihren Kern und macht ihrem Namen als Öko-FDP alle Ehre. Unser sich dramatisch wandelndes Klima hat aber keine Zeit mehr für halbschale Kompromisse. Deutschland wird seine Klimaziele 2020 krachend verfehlen, das ist ein verheerendes Signal an alle Länder dieser Welt. Das reiche, hochtechnologische Deutschland schafft es nicht - oder will es nicht schaffen? - den CO2-Ausstoß zu reduzieren, wie es versprochen war. Wie soll es denn dann Uganda schaffen? Und vor allem: Wieso sollte es Uganda überhaupt schaffen wollen? Schließlich stößt dieses Land nur einen Bruchteil des CO2 aus, dass wir Deutschen in die Luft blasen.

Dass die Grünen ihre Klimaziele genau in den Tagen aufgeben, in denen Bonn Gastgeber der 23. Weltklimakonferenz ist, ist eigentlich fast schon eine sarkastische Randnotiz. Lächerlich ist das alles. Lächerlich. Es ist nicht die Natur oder die Erde, die keine Zeit mehr für Klima-Kompromisse hat. Es sind wir Menschen. Wir machen den Planeten nicht kaputt, aber für uns selbst unbewohnbar. Das ist der eigentliche Gipfel, der derzeit stattfindet. Der Gipfel der Dummheit.   

Diese Häufung von Extremwetter kann einfach kein Zufall sein

Das Hurrikan-Center in Miami hat herausgefunden, dass es in 150 Jahren Wetterbeobachtung noch kein Hurrikan so nah an das europäische Festland geschafft hat wie 'Ophelia' vor wenigen Tagen. Zufall? Vielleicht. Die Waldbrände in Kalifornien, die 40 Menschen das Leben kosteten, ereignen sich ungefähr zeitgleich. Zufall? Vielleicht. Und die heftigsten Regenfälle, die es in Texas seit Beginn der Wetteraufzeichnung gegeben hat, sind auch erst ein paar Wochen her. Zufall? Vielleicht.   

Machen wir uns nichts vor: Der Klimawandel ist JETZT. Wir leben im Klimawandel, wir befeuern ihn, vielleicht produzieren wir ihn sogar komplett. Es ist an der Zeit, das wir das ewige Gerätsel aufhören, ob das nun der Klimawandel ist oder ein singuläres Extremwetter. Wie viele Belege und Indizien wollen wir denn noch sammeln? Das Great Barrier Reef stirbt, weil das Wasser zu warm ist, der Permafrostboden in Sibirien taut auf, die Gletscher verschwinden weltweit, Orte in den Alpen sind akut von Bergstürzen bedroht. Das alles ist Klimawandel.

Wir müssen den Kampf gegen den Klimawandel endlich ernst nehmen. Die Bedrohung ist real. Und wenn Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) sagt, dass die weltweite politische und wirtschaftliche Dynamik für den Klimaschutz so stark sei, dass auch die Trump-Regierung diesen Trend nicht aufhalten könne, dann sage ich: Tut jetzt etwas. Denn sonst ist bald der Klimawandel so stark, dass wir ihn nicht mehr aufhalten können. 

Mit dem Klub der deutschen Diesel-Freunde wollen die Vorreiter der E-Szene nichts zu tun haben

Bei der Eröffnung der Internationalen Automobil-Ausstellung IAA in Frankfurt saß die Kanzlerin neben Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), neben Dieter Zetsche (Vorstandsvorsitzender der Daimler AG) und neben Verkehrsminister Alexander Dobrindt. Böse gesagt: Sie saß neben den Ewiggestrigen, die allesamt einfach immer weiter machen, als habe es weder den Diesel-Skandal gegeben, noch sei jemals jemand darauf gekommen, man könne ein Auto auch mit etwas anderem als Benzin oder Diesel antreiben.

Die IAA ist schon lange nur noch ein Magnet für die Hersteller von unnötigen Spritfressern, die mehr CO2 in die Luft blasen, als wir uns leisten können. Und die Kanzlerin, man nannte sie mal "Klimakanzlerin", hält ihre schützende Raute über die Automobilindustrie, weil da ja so viele Jobs dran hängen.

Nur: Wenn sich die deutsche Automobilindustrie nicht schleunigst wandelt, wird es mit all den schönen Jobs eh bald nichts mehr sein. Dann produzieren eben andere die Technologie der Zukunft. Und auch die Chinesen - ein enorm wichtiger Absatzmarkt für deutsche Autos - werden die Benzinfresser 'Made in Germany' nicht mehr kaufen.

Es ist ein starkes Signal von Tesla, nicht nach Frankfurt zu kommen. Mit dem Klub der deutschen Diesel-Freunde will das Unternehmen aus Kalifornien nichts zu tun haben. Auch Nissan und neun weitere Hersteller sucht man vergeblich in Frankfurt. Das wertet die IAA enorm ab. Oder, wie es Jürgen Resch, der Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, formulierte: "Die deutsche Autoindustrie schaufelt gerade ihr eigenes Grab."  

Wie lange kann Trump den Klimawandel noch leugnen?

US-Präsident Ronald Reagan hasste die Klimaschützer. In seinen Augen waren sie versprengte Hippies, Spinner. Während seiner Amtszeit von 1981 bis 1989 blockierte er alle Klimaschutzmaßnahmen, die Wirtschaft sollte freie Hand haben. Im November 1980 wurde Reagan ins Amt gewählt. Genau in dem Jahr, in dem sich Hurrikan 'Allen' zu einem der stärksten Hurrikane in der Geschichte der USA entwickelte. Als wollte 'Allen' den Präsidenten darauf hinweisen, dass nur konsequenter Klimaschutz die Menschheit retten kann. Und nun? Nun erleben wir die Präsidentschaft des letzten Dinosauriers unserer Zeit, des Klimawandelleugners Donald Trump. Und was passiert? Trump erlebt im ersten Jahr seiner Präsidentschaft die vielleicht schlimmste, mit Sicherheit aber teuerste Hurrikan-Saison der Neuzeit.    

Wäre es nicht so schlimm, dass Menschen ihr Leben verlieren oder zumindest ihr Hab und Gut, dann könnte man vielleicht darüber lachen, dass ausgerechnet das letzte Land der Klimawandelleugner auf diesem Planeten so hart von den Stürmen in dieser Saison getroffen wird. Es ist, als wollte das Wetter den Präsidenten mit der Nase auf seine dummen Aussagen stoßen und endlich davon überzeugen, dass der Klimawandel real ist. "Wo zum Teufel ist die Erderwärmung", plärrte Trump an einem kühlen Juli-Tag. "Wir brauchen dringend was davon".

Jetzt hat er sie, die Erderwärmung. Und den Schaden gleich dazu. Der Gouverneur von Texas schätzte die Kosten für den Aufbau nach Hurrikan 'Harvey' auf 180 Milliarden Dollar. Da sind die Kosten für Hurrikan 'Irma' und den jetzt schon auf dem Atlantik sichtbaren Sturm 'Jose' noch gar nicht enthalten. Was könnte man mit 180 Milliarden Dollar machen? Zum Beispiel große Teile der amerikanischen Industrie auf Grüne Technologie umstellen. Aber nein, die Wirtschaft soll lieber absahnen statt in die Zukunft zu investieren. Zukunft - das ist Trump egal, er ist ja auch schon 71 Jahre alt. Schade nur für alle Erdenbürger, die ihr Leben noch vor sich haben.