Existenzängste und schlaflose Nächte: Corona trifft Insulaner und Touristen

Die Insel Borkum von oben
Ab sofort werden alle deutschen Inseln in Nord- und Ostsee für Touristen abgeriegelt - auch Borkum. © RTL

Coronavirus: Deutsche Inseln in Nord- und Ostsee für Touristen abgeriegelt

Die Corona-Krise sorgt immer häufiger für Extremsituationen. Was vor Kurzem noch undenkbar war, ist nun Realität: Ab sofort werden alle deutschen Inseln in Nord- und Ostsee für Touristen abgeriegelt. Nur noch Insulaner und allenfalls Handwerker dürfen sich dort aufhalten. All das passiert kurz vor dem immens wichtigen Ostergeschäft - Hoteliers und Gastronomen sehen schwarz für die Zukunft.

Schutz für Insulaner und Gäste vor dem Coronavirus

Ob Sylt, Föhr, Langeoog und Norderney, Rügen, Usedom oder Fehmarn: Urlaub auf den norddeutschen Inseln ist seit Montag für unbestimmte Zeit nicht mehr möglich. Darauf haben sich die Ministerpräsidenten von Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Niedersachsen verständigt. Grund für die Abriegelung ist, dass die Gesundheitssysteme der Inseln nicht auf eine größere Zahl von mit dem Coronavirus infizierten Menschen vorbereitet sind. Die Maßnahme dient damit sowohl dem Schutz der Inselbevölkerung als auch dem Schutz der Gäste. Urlauber, die bereits auf einer der Inseln eingetroffen sind, werden gebeten, den Heimweg anzutreten.

Reserven aufgebraucht

"Die Abschottung der Insel trifft uns völlig unerwartet, das hat hier keiner kommen sehen", erzählt ein Borkumer Gastronom im Telefoninterview mit RTL Nord. Weil auf der ostfriesischen Insel jeder jeden kenne, will der Mann seinen Namen nicht veröffentlichen: "Nachher heißt es noch, ich würde Panik machen." Doch die Lage sei tatsächlich sehr ernst, zumindest finanziell: "Das ist ein wirtschaftlicher Totalschaden! Der Winter war lang, die Rücklagen von der letzten Saison sind aufgebraucht. Bis gestern hatten wir keine einzige Stornierung. In den nächsten zwei Wochen wäre die Saison so langsam losgegangen." Nun aber bleibt der Mann, der drei Ferienwohnungen und ein Lokal betreibt, auf den Stornokosten sitzen. Die würde er zwar gerne berechnen. Doch die meisten Gäste seien Stammkunden, die er nicht vergraulen wolle.

Konten leer, Regale voll

Ein anderer Borkumer, der einen Imbiss betreibt, erzählt von extremen Existenzängsten: "Ich habe die ganze Nacht nicht geschlafen. Das Finanzamt hat die Umsatz-Vorsteuer fürs nächste Jahr eingezogen. Aber wir haben keine Umsätze, das geht so nicht!" Er sorge sich auch um seine Mitarbeiter, die er ohne Einnahmen nicht bezahlen könne: "Aber wenn ich die entlasse, kommen die nicht wieder." Dann sähe es auch für das Sommergeschäft schlecht aus. 

Bei all den schlechten Nachrichten berichten die Insulaner aber auch von einem Lichtblick: Die Versorgung mit Lebensmitteln sei kein Problem und werde wohl auch demnächst keines werden. Die Regale der Inselmärkte seien gut gefüllt.

Touristen werden abgewiesen

Volle Supermärkte nutzen Urlaubern gerade wenig. Sie kommen nun nicht mehr auf die Inseln - wer schon dort ist, soll sie möglichst sofort verlassen. Die Wyker Dampfschiffs-Reederei (WDR), die die Fähren zwischen Dagebüll in Schleswig-Holstein und den Inseln Amrum und Föhr betreibt, mahnt zur Besonnenheit. Die Versorgung der Inseln sei gewährleistet, der Fährbetrieb werde auch nicht eingestellt. Der Betrieb laufe am Montagvormittag ruhig und geordnet. Am Nachmittag solle ein zusätzliches Schiff zum Einsatz kommen, um Urlauber an Land zu bringen.

Bei Großenbrode wird der Verkehr abgefangen, der sonst nach Fehmarn und vor dort per Schiff weiter nach Dänemark gehen würde. Das nördliche Nachbarland hatte seine Grenzen schon zuvor geschlossen. Nun werden auch Deutsche bereits vor der Brücke kontrolliert, die Fehmarn mit dem Festland verbindet.

Corona-Abriegelung könnte auch Küstenorte treffen

Die Sperrung der Inseln für Urlauber könnte nur der erste Schritt von vielen sein. Es gibt bereits Überlegungen, auch Touristenorte an der Küste zur Sperrzone für Besucher zu erklären. Denn obwohl die Bundesregierung zuvor darum bat, Reisen zum Freizeitvergnügen möglichst zu vermeiden, lockte das gute Wetter am Wochenende tausende Menschen ans Meer. So schrieb ein Busfahrer aus Travemünde (Schleswig-Holstein) per Facebook an RTL: "Die Stadt war voller Menschen. Die Leute stehen Schlage an den Imbissbuden."