Neue Ideen für den Kampf gegen den Klimawandel

Von Oliver Scheel

Immer mehr Treibhausgase in der Atmosphäre, immer mehr Plastik im Meer, immer mehr Tier- und Pflanzenarten, die vor dem Aussterben stehen. Können wir den Klimawandel noch aufhalten oder wenigstens so gestalten, dass der Planet lebenswert bleibt für Mensch und Tier? Es gibt in all den negativen Auswüchsen auch viele kleine zarte Pflänzchen der Hoffnung. Oder ist Hoffnung doch nur der Feind des Handelns? Wagen wir doch einfach mal einen optimistischen Blick auf vielversprechende Projekte.

Saubere Luft durch Fernwärme

Klar ist, dass die Politik das Handeln vorgeben muss. Aber sie tut sich schwer damit, zu eng verwoben ist sie mit der Wirtschaft, die jahrzehntelang erbarmungslos auf Kosten der Natur ihre Gewinne machte. Doch es gibt Ansätze - und zwar sowohl von zivilgesellschaftlichen Organisationen als auch aus der Politik und von vielen, vielen Einzelpersonen. Das Beispiel im Video mit der in Lappland liegenden schwedischen Stadt Arvidsjaur zeigt, wie mit einem relativ überschaubaren Investment eine ganze Stadt plötzlich saubere Luft atmet, Touristen anzieht und sich nebenbei von einer weltbekannten Drecksschleuder zu einem nachhaltig handelnden Ort wandelt.

Kleidungsindustrie unterzeichnet Aktionsplan: "null Emissionen" bis 2050

ARCHIV - Frauen und Männer arbeiten am 03.01.2014 in der Textilfabrik
Die Textilindustrie will bis 2050 ihre Kleidung möglichst CO2-neutral herstellen. © dpa, Doreen Fiedler

Positive Beispiele, dem Klimawandel entgegenzutreten, gibt es überall: Bei der UN-Klimakonferenz, die momentan in Kattowitz in Polen über die Bühne geht, haben große Kleidungshersteller einen Aktionsplan vereinbart. Dieser beinhaltet eine Vision, bis zum Jahr 2050 die Kleidung CO2-neutral zu produzieren. Die Modeindustrie beabsichtigt, schon 30 Prozent der Emissionen bis zum Jahr 2030 einzusparen. Der Weg dahin soll transparent und für Kunden und Käufer nachvollziehbar öffentlich gemacht werden. Zu den Herstellern gehören Handelsriesen wie H&M, Puma, Hugo Boss, Burberry und Sympatex. Unterstützt werden sie unter anderem vom WWF und einem Koordinationsprogramm der Vereinten Nationen. 

Norwegische Bank stellt Klimaforderungen an Kunden

In Norwegen geht eine Bank neue Wege: Die DNB vergibt Kredite nicht mehr einfach so an Unternehmen, die nicht nachhaltig arbeiten oder umweltbelastende Produkte herstellen. "Unternehmen, die in ihrer Geschäftsstrategie keine Nachhaltigkeit haben, werden auf lange Sicht nicht lebensfähig sein", sagte eine DNB-Sprecherin. So sei einem Hersteller von Einmalplastik ein Kredit verweigert worden. Auch immer weniger Unternehmen in der Fossilbranche würden Finanzierungshilfe bekommen. Ein interessanter Weg, Firmen zu einem nachhaltigen Investment zu zwingen. 

Grüne Städte: Weniger heiß, höhere Luftfeuchtigkeit

26.11.2018, Italien, Mailand: Der «Bosco Verticale» (vertikaler Wald) des Mailänder Architekten Stefano Boeri. Pflanzen spenden Schatten und bilden Sauerstoff. Zwei bis drei Grad Unterschied werde zwischen Grün und bebauter Fläche werden gemessen. (z
Wenn Bäume auf Häusern wachsen: Der vertikale Wald in Mailand - ein Vorzeigeprojekt für Fassadenbegrünung. © dpa, Annette Reuther, sab kno

Weil es in den Metropolen unserer Welt immer heißer wird, sollen grüne Fassaden an den Häusern die Luft reinigen. Beispiele dazu gibt es mittlerweile in Singapur, Mailand und Berlin. Grüne Fassaden sehen nicht nur schön aus, sie verbessern auch das Mikroklima. Es wird Sauerstoff gebildet, CO2 gebunden und die Luftfeuchtigkeit erhöht. Im Sommer dienen die Fassaden dem Wärmeschutz, im Winter der Dämmung. Außerdem wird die Bausubstanz geschützt und Lärm geschluckt. Nicht zuletzt dienen die Pflanzen an den Hauswänden vielen Kleintieren als Unterschlupf und Lebensraum.   

Treibhausgase ausgleichen

ARCHIV - 06.10.2018, Nordrhein-Westfalen, Kerpen: Teilnehmer der Demonstration zum Thema «Wald retten! Kohle stoppen!» gegen die Rodungspläne von RWE für den Hambacher Wald stehen auf einem Acker neben dem Wald.  (zu dpa Jahreswechsel Nordrhein-Westf
Breiter gesellschaftlicher Protest gegen die Rodung des Hambacher Waldes. Immer mehr Bürger gehen für Umweltschutz auf die Straße. © dpa, Christophe Gateau, cgt bsc

Auch in der Politik ist das Bewusstsein angekommen, dass wir Treibhausgase einsparen müssen. Für die Reisen der Bundesregierung im vergangenen Jahr hat das Umweltbundesamt (UBA) mit 1,7 Millionen Euro 300.000 Tonnen Kohlenstoffdioxid über sogenannte Emissionsgutschriften ausgeglichen. Mit den Gutschriften wird zum Beispiel der Bau von Biogasanlagen in Nepal gefördert oder der Einbau effizienter Kochöfen in Sambia. Unnötige Flugreisen will die Regierung vermeiden: Viele Flüge ließen sich zum Beispiel durch den Einsatz von Videokonferenzen vermeiden, sagte Umweltministerin Svenja Schulze (SPD). 

Bewusst lebende Bürger: Vegetarier und Umweltschützer

Nicht zuletzt ist auch für immer mehr Einzelpersonen der Umweltschutz enorm wichtig. Mehr als jeder zehnte Deutsche ist mittlerweile Vegetarier. Das Verzichten auf Fleisch bedeutet nicht nur einen Schlag gegen Massentierhaltung, sondern auch eine riesige Ersparnis von Treibhausgasen. Denn die Produktion von Fleisch ist einer der größten Teibhausgas-Produzenten dieser Welt. Würden alle Menschen Vegetarier sein, würden die CO2-Emissionen der Nahrungsproduktion gleich um zwei Drittel sinken. Schließlich bringt die Tierhaltung bringt mehr CO2 in die Atmosphäre als der weltweite Verkehr! 

Außerdem ist vor allem in der entwickelten Welt, aber auch in den Schwellenländern der Umweltschutz in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Wer die Proteste um den Hambacher Forst beobachtet hat, konnte sehen, dass aus allen gesellschaftlichen Schichten Menschen auf die Straße gingen, um die Rodung des Waldes zu verhindern. Die Zeiten, in denen für Profit rücksichtslos Natur zerstört wird, sollen für viele Bürger endlich der Vergangenheit angehören. Ein "Weiter so" darf es nicht geben. Das haben mittlerweile viele Menschen erkannt.