Team um Christian Drosten untersucht die neue Variante

Neue Corona-Mutation: 35 Menschen im Klinikum Garmisch-Partenkirchen infiziert

Neue Virus-Mutation in Deutschland entdeckt

Am Klinikum Garmisch-Partenkirchen ist eine unbekannte Variante des Coronavirus entdeckt worden. Laut dem stellvertretenden ärztlichen Direktor wurde die Mutation bei 35 Mitarbeitern und Patienten festgestellt. Grund zur Unruhe besteht aber wohl erst mal nicht: Die Forscher konnten ausschließen, dass es sich um die in Großbritannien, Südafrika oder Brasilien entdeckten hochansteckendnen Varianten handelt, wie die Verantwortlichen auf einer Pressekonferenz mitteilten.

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Unbekannte Corona-Variante muss noch genauer untersucht werden

Den Ärzten des Klinikums Garmisch-Partenkirchen war bei Corona-Tests im Haus eine Veränderung zu den bisherigen positiven Testergebnissen aufgefallen, berichteten Klinikvertreter. Ein spezielles Gerät mache diese Erkenntnisse möglich. Daraufhin schickten die Ärzte Proben des Virus in die Berliner Charité, wo das Team von Virologe Christian Drosten bestätigte, dass es sich tatsächlich um eine bislang unbekannte Virus-Mutation handele.

Frank Niederbühl, Geschäftsführer des Klinikums, zieht daraus noch keine gravierenden Schlüsse: „Eine Panikmache wäre absolut unseriös und unangebracht“, stellt der Geschäftsführer laut „Münchner Merkur“ klar. „Allein die Tatsache, dass es eine neue Variante ist, besagt ja nicht, dass sie infektiöser ist.“

Auch der stellvertretende ärztliche Direktor der Klinik erklärte, dass bei der Variante bisher nur an einer Stelle eine Mutation gefunden worden sei. Die britische Variante habe beispielsweise 17 Veränderungen. „Wir haben überhaupt keine Erkenntnisse, wie diese Variante sich klinisch auswirkt“, erklärte er. Dafür müsse sie erst noch genauer untersucht werden. Auch woher die Mutation stammt und wo sie zuerst aufgetreten ist, wissen die Ärzte noch nicht.

Die Klinik hat zur Sicherheit alle planbaren Eingriffe und Behandlungen abgesagt und behandelt vorerst nur noch Notfälle, um das Infektionsgeschehen innerhalb des Krankenhauses wieder unter Kontrolle zu bekommen. Die Notfallversorgung sei aber gesichert. Es gebe noch freie Betten – auch auf der Intensivstation, versicherte die Klinikleitung.

Wie gefährlich ist die neue Corona-Mutation, die in Bayern entdeckt wurde? Was Dr. Zinn dazu sagt – in unserem Video.

Weltweit immer mehr Corona-Mutationen entdeckt

Anfang kommender Woche will das Gesundheitsministerium deutsche Labore per Verordnung auffordern, die Daten bei festgestellten Corona-Virus-Mutationen auch an das Robert-Koch-Institut zu senden. Damit soll der Blindflug, in dem sich die deutsche Politik bei dem Thema Gen-Mutationen bewegt, beendet werden. Denn anders als in Großbritannien und Dänemark wurde hierzulande bisher nicht systematisch danach gesucht, wie weit sich Corona-Mutationen bereits ausgebreitet haben.

Auch der Chef des Robert-Koch-Instituts, Lothar Wieler, sagte am Donnerstag, dass man derzeit keinen Überblick habe. Deshalb bleibt es bei Bundesregierung und Landesregierungen bei düsteren, unbestimmten Warnungen, dass man die Corona-Maßnahmen verschärfen müsse, wenn sich etwa die hochansteckende Virus-Variante B117 ausbreiten sollte. Es drohe, so Kanzlerin Angela Merkel diese Woche, eine explosionsartige Zunahme von Corona-Fällen wie in Irland, die dann das deutsche Gesundheitssystem überfordern könnte.

Andere Länder, andere wissenschaftliche Methoden

Sowohl RKI-Präsident Wieler als auch der Berliner Virologe Christian Drosten weisen Vorwürfe großer Versäumnisse der Wissenschaft dabei zurück. Es gebe in Großbritannien und Dänemark seit Jahrzehnten andere wissenschaftliche Traditionen, in denen die Analyse eines Virus mehr im Mittelpunkt der Arbeit gestanden habe, hatte Drosten schon vergangene Woche betont. In Deutschland habe man stärker epidemiologisch geforscht. Das führte dazu, dass für Dezember nur 200 bis 250 sogenannte Gensequenzierungen des Corona-Virus registriert wurden.

Das soll sich nun aber ändern. Das Gesundheitsministerium will laut dem Reuters vorliegenden Verordnungsentwurf 200 Millionen Euro bereitstellen, damit rund fünf Prozent der Positivtests gensequenziert werden, um Mutationen festzustellen. Das ist nach Ansicht des Spitzenverbands deutscher Medizinlabore (ALM) auch umsetzbar. "Diese Mengenschlüssel von fünf Prozent ist gut machbar. Das sind einige tausend Proben, die pro Woche sequenziert werden müssten. Dafür reicht die Kapazität", sagte Jan Kramer, ALM-Vorstandsmitglied, zu Reuters.

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