Nach Taifun 'Haiyan' auf den Philippinen: Mehr als drei Millionen Menschen sind obdachlos

"Wir kommen zurück, wenn sich die Lage normalisiert"

Die Hilfswelle rollt und die ersten Aufräumarbeiten laufen an: Im Katastrophengebiet auf den Philippinen gehen die Blicke nach Super-Taifun 'Haiyan' in die Zukunft. Dabei bereitet vor allem die immense Zahl der Obdachlosen und Vertriebenen den Behörden Kopfzerbrechen. Die Behörde für Katastrophenschutz schätzte die Zahl der Vertriebenen, deren Häuser zerstört oder schwer beschädigt wurden, auf knapp über drei Millionen. 367.000 davon lebten in Notunterkünften, hieß es.

Taifun, Tacloban, Philippinen
Anstehen für Hilfe: Die Ausgabe von Trinkwasser und Lebensmitteln ist mittlerweile deutlich besser organisiert.

Außerhalb der heftig getroffenen Stadt Tacloban soll schnellstmöglich mit dem Bau einer Siedlung für Zehntausende Überlebende begonnen werden, sagte Eduardo Del Rosario, Chef der Behörde für Katastrophenschutz. Das Areal ist acht Hektar groß - das entspricht etwa der Größe von zehn Fußballfeldern. Schon an diesem Sonntag sollte mit dem Planieren begonnen werden, hieß es.

Für viele Philippiner wird die Warterei auf Hilfe und das Hausen in fast unmenschlichen Umständen immer unerträglicher. Tausende wollen das Katastrophengebiet verlassen. Am Flughafen von Tacloban standen viele, um einen Platz in einem der Flieger raus aus der zerstörten Stadt zu ergattern. Auch am Hafen ist der Andrang groß.

"Es ist einfach zu schwierig, hier zu bleiben", sagte Ludonila Martinez (51), die mit ihrer 75 Jahre alten Mutter ein Ticket auf die Nachbarinsel Cebu hatte. "Keine Ahnung, wo wir dort bleiben und wie lange. Wir kommen zurück, wenn sich die Lage normalisiert", sagte sie.

3.637 Tote und noch 1.186 Vermisste

Nach wie vor müssen die Menschen teils Stunden an den Ausgabestellen für Essen und Trinkwasser warten. Sieben Krankenhäuser sind wieder einsatzfähig, aber ohne Strom und ausreichende Wasserzufuhr ist an regulären Betrieb nicht zu denken.

Bei der großen Zahl von Bedürftigen bleibt die Verteilung der Hilfsgüter eine schwierige Herausforderung. Das Militär versprach, 52 weitere Lastwagen zum Transport von Hilfsgütern in das Katastrophengebiet zu schicken. 12.000 Soldaten sind dort bereits im Einsatz. Sie helfen bei der Verteilung der Essensrationen und beim Räumen der Straßen, auf denen tonnenweise Sperrholz, umgekippte Autos, abgeknickte Strommasten und Bäume liegen.

Die Katastrophenschutzbehörde gab die offizielle Zahl der Toten mit 3.637 an. 1.186 wurden vermisst gemeldet.

Angesichts der Tragödie auf den Philippinen erhöhte die EU ihre Hilfsleistung um weitere sieben Millionen auf insgesamt 20 Millionen Euro. Die staatlichen Spenden aus dem Ausland beliefen sich nach Angaben der Regierung auf gut 110 Millionen Euro. Deutschland stocke seine Hilfen um zwei Millionen auf insgesamt 6,5 Millionen Euro auf, teilte das Auswärtige Amt mit.

Noch wesentlich mehr stellt Großbritannien bereit: Wie Premierminister David Cameron ankündigte, werde seine Regierung die Zahlungen an UN-Organisationen und das Rote Kreuz auf umgerechnet fast 60 Millionen Euro erhöhen.