Auch die Plagegeister lieben das gute Wetter

Sind die Mücken in diesem Sommer besonders aktiv?

Sind die Stechmücken dieses Jahr wieder besonders aktiv?
Die Stechmücken lieben unser Blut und treiben uns in Gärten oder im Schlafzimmer mit Ihren Attacken in den Wahnsinn. © dpa, Patrick Pleul, ppl vco sab

Die Blutsauger schwärmen aus

Nicht nur der Sommer läuft zur Hochform auf, sondern auch ein besonders fieser Plagegeist – die Mücke! Und die will uns vor allem die lauen Sommerabende beim Grillen oder im Biergarten so richtig vermiesen. Und das juckende Andenken kann ganz schön gefährlich groß werden. Aber sind die Mücken in diesem Frühsommer tatsächlich besonders aktiv und aggressiv?

Haben wir dieses Jahr eine Mückenplage?

„Wir haben keine Mückenplage“, versichert Doreen Werner, Biologin am Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) im brandenburgischen Müncheberg. Das Gefühl, im Freien von besonders vielen Plagegeistern umschwärmt zu werden, liegt eher an der Erinnerung an die beiden trockenen und warmen Vorjahre. Die waren für die Vermehrung der Blutsauger ungünstiger. Die Regenwochen in diesem April und Mai haben die Insekten dagegen beflügelt. „Im Grunde haben wir jetzt wieder ein ganz normales Mückenjahr“, so Werner weiter.

Im Video: Wann stechen Mücken besonders gerne?

Wie gefährlich sind die Mücken in Deutschland?

Derzeit ist das Risiko, hierzulande von einer Mücke mit einem gefährlichen Virus infiziert zu werden, noch sehr gering. Im Jahr 2019 erfasste das Robert Koch-Institut (RKI) erstmals fünf Infektionen mit dem ursprünglich aus Afrika stammenden West-Nil-Virus bei Menschen in Deutschland, die auf eine Übertragung durch hier heimische Mücken zurückgingen.

Im Jahr 2020 registrierte das RKI 20 solche Erkrankungen, darunter einen Todesfall. Da nur etwa ein Prozent der Infektionen zu solchen schweren neuroinvasiven Erkrankungen führen, ist allerdings von Hunderten weiteren, wegen ihres leichten Verlaufs nicht erkannten und damit auch nicht erfassten Infektionen auszugehen.

Wie bedrohlich sind Stechmücken weltweit?

Schon lange sind Stechmücken als Überträger potenziell tödlicher Krankheiten bekannt. Experten zufolge kosten sie im Zuge der übertragenen Infektionen jährlich rund 750.000 Menschen auf der Erde das Leben. Sie sind nicht per se mit gefährlichen Erregern infiziert, sondern nehmen diese während des Blutsaugens bei infizierten Tieren oder Menschen auf und geben sie weiter.

Niederschlagsreiche Monate waren gut für die Brut - bisher keine Plage

Dieses Jahr ist es durch die niederschlagsreichen Monate sowohl der Hausmücke als auch der Wald- und Wiesenmücke gut ergangen. Die Brut gedieh sowohl in künstlichen Reservoiren wie Regentonnen als auch in Pfützen und stehenden natürlichen Gewässern.

Für die Hausmücke ist die plötzliche und anhaltende Wärme nun besonders günstig bei der Vermehrung: Von der Eiablage der blutsaugenden Weibchen bis zum Schlupf vergeht oft nur eine Woche. Im Moment surrt die zweite Generation, weitere würden folgen. Wald- und Wiesenmücken lebten dagegen oft nur bis maximal Anfang August.

„Dazu kommen durch das Hochwasser mancherorts aber noch die Überflutungsmücken“, sagte Werner. „Einige Regionen haben durch alle drei Faktoren zusammen jetzt ein erhöhtes Mückenaufkommen.“ Plage wäre bisher jedoch auch dort zu viel gesagt.

Mit dem Klimawandel werden gefährliche tropische Arten eingeführt

Die asiatische Tigermücke gilt als besonders gefährlich.
Sie gilt als eine der gefährlichsten Mückenarten- die asiatische Tigermücke © picture alliance / Photoshot, sv Dok5

Das Robert Koch-Institut (RKI) geht davon aus, dass es auch in diesem Sommer zur Zirkulation des West-Nil-Virus zwischen Stechmücken und Vögeln kommen wird. In geringerem Maße ist auch mit durch Mücken übertragenen Infektionen bei Menschen und Pferden zu rechnen, vor allem im Juli und August, heißt es im jüngsten Epidemiologischen Bulletin.

Die Asiatische Tigermücke, für die es bereits auch Nachweise in Deutschland gibt, hat sich bisher wohl nicht weiter ausgebreitet. Bisher sind unter anderem Fundorte in München, Fürth, Frankfurt (Main), Heidelberg, Freiburg, dem Oberrheingraben und in Jena bekannt.

Tigermücken sind weiß gestreift. Sie umkreisen ihre Opfer in Schwärmen, verfolgen sie penetrant und greifen auch beim Verscheuchen schon nach wenigen Sekunden wieder an. Sie können tropische Erreger wie Zika-, Chikungunya- und Dengue-Virus übertragen.

Auftreten des West-Nil-Virus bei Menschen, Vögeln und Pferden in Deutschland
Auftreten des West-Nil-Virus bei Menschen, Vögeln und Pferden in Deutschland 2018-2020 laut Epidemiologisches Bulletin 23/2021 vom 10.06.2021 © Epidemiologisches Bulletin 23/2021

Wie kann man sich am besten vor Mücken schützen?

Da die Plagegeister die große Hitze nicht mögen, treten Sie in den Sommermonaten häufig erst gegen Abend auf. Der beste Schutz ist dann so wenig Haut wie möglich zeigen. Das ist natürlich an den warmen Sommerabenden nicht unbedingt schön, aber am effektivsten. Also, lange Hose, Söckchen und ein langärmliges T-Shirt an, schon findet die Mücke kaum noch Stechplätze am Körper. Und ins Gesicht oder auf den Händen können Sie sich meistens nicht unbemerkt niederlassen.

Den besten Schutz für das Schlafzimmer sind Fliegengitter vor dem Fenster* oder aber ein Moskitonetz* über dem Bett.

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(oha mit dpa)

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