Monster-Eisberg in Grönland: Dorf Innaarsuit fürchtet Flutwelle

Eisberg könnte Dorf auffressen
Eisberg könnte Dorf auffressen Monster-Eisberg bedroht das Dorf Innaarsuit 00:20

Flutwelle droht, wenn der Eisberg auseinanderbricht

Elf Millionen Tonnen schwer, 200 Meter breit, fast 100 Meter über die Wasseroberfläche ragend: Ein Monster-Eisberg bedroht ein kleines Dorf in Grönland. Häuser und Boote erscheinen im Schatten des Eisbergs winzig. Er ist vor der Küste bei Innaarsuit auf Grund gelaufen. Teile drohen abzubrechen und ins Meer zu stürzen. Das könnte eine Flutwelle mit zerstörerischer Kraft auslösen, die die kleinen Fischerhäuser aus Holz im Dorf dann nur so wegspült. Die Häuser besonders nah an der Küste sind evakuiert. Wann die Einwohner zurückkehren können, ist ungewiss – die Gefahr ist zu groß.

"Wir sind sehr besorgt und haben Angst.”

Dass Eisberge an Grönlands Küste vorbeiziehen, ist nicht ungewöhnlich. Aber dieses Exemplar sei schon sehr groß, sagte Karl Petersen, Gemeinderat-Vorsitzender von Innaarsuit, dem kanadischen Rundfunk, wie die Washington Post berichtet: "Wir sind sehr besorgt und haben Angst.” 33 der 169 Einwohner sind etwas weiter ins Landesinnere geflüchtet. "Man fürchtet, dass der Eisberg kalben und dem Dorf eine Flutwelle schicken könnte", sagte eine zuständige grönländische Polizistin dem dänischen Rundfunk.

Jetzt kommt es aufs Wetter an

Dorf Innaarsuit  - bedroht vom Monster-Eisberg.
Eine Flutwelle könnte das Dorf Innaarsuit ausradieren. © REUTERS, SOCIAL MEDIA, PKP

Die meisten der Bewohner Innaarsuits sind Fischer oder Jäger in dieser abgelegenen Region, 1.000 Kilometer nördlich von Nuuk, der Hauptstadt von Grönland. Ihr Schicksal hängt jetzt vom Wetter ab. Wenn der Wind stark genug weht, könnte der Eisberg abgetrieben werden – weg vom Dorf, in die Baffin Bay, wo er keinen Schaden anrichten kann. Fällt aber reichlich Regen, kann das Wasser den Eisberg weiter destabilisieren und auch große Teile ablösen, die dann mit voller Wucht ins Meer stürzen. Ein kleiner "Tsunami" entstünde, der Teile von Innaarsuit wegschwemmen könnte.

Diese Horrorvorstellung erlebten im vergangenen Jahr die Einwohner des Dorfs Nuugaatsiaq. Damals wurden gleich mehrere Siedlungen von einer Flutwelle, ausgelöst durch einen Erdrutsch, getroffen. Menschen starben, Häuser wurden ins Meer gespült, Straßen weggerissen. Inzwischen ist das Dorf Nuugaatsiaq nicht mehr bewohnt. Hoffentlich bleib Innaasuit dieses Schicksal erspart.