Mittelmeer vom Klimawandel stärker bedroht als andere Regionen

Klimapaket: Kritik von Opposition und Experten
Klimapaket: Kritik von Opposition und Experten 00:35

Klimastudie zum Mittelmeer: "Wir müssen handeln!"

In Barcelona haben sich namhafte Wissenschaftler versammelt. Ihr Forschungsgebiet: Das Mittelmeer und der Kimawandel. Die Erwärmung dort schreite derzeit um 20 Prozent schneller voran als im globalen Durchschnitt. Das heißt für Tausende Kilometer Küste Untergangsgefahr. 

Küstenstreifen könnte im Meer versinken

ARCHIV - 12.09.2019, Spanien, Torrevieja: Menschen gehen nach Unwettern und Regenfällen eine überflutete Straße von Torrevieja entlang. Die Mittelmeerregion wird nach Expertenangaben von Erderwärmung und Klimawandel wie kaum ein anderes Gebiet des Pl
Das Mittelmeer ist vom Klimawandel besonders bedroht © dpa, Joaquín Carrión, vco fgj

"Wir müssen handeln!", rief Nasser Kamel beim 4. Regionalforum der Union für den Mittelmeerraum (UfM). Noch nie sei für die Region eine so umfassende Studie gemacht worden, betonte der UfM-Generalsekretär. Von "schwerwiegenden Risiken" war in Barcelona die Rede. Vom "Hotspot" des Kampfes gegen den Klimawandel. Zumal bis zur nächsten Jahrhundertwende nach Angaben der Wissenschaftler eine Erwärmung von sogar vier bis fünf Grad droht. In dem Fall würde der Meeresspiegel in der Region um mehr als einen Meter ansteigen.

Ganze Inseln und Küstenstreifen - wo 30 Prozent der Menschen wohnen - könnten vor den Augen der nächsten Generationen völlig von der Bildfläche verschwinden, hieß es unter Berufung auf die "Erste wissenschaftliche Studie über die Auswirkungen von Klima- und Umweltveränderungen im Mittelmeerraum". Besonders betroffen: Sizilien. 

Die Hälfte der Bevölkerung könnte unter Wassermangel leiden

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Sizilien ist vom Klimawandel laut Studie besonders betroffen.

Leitender Wissenschaftler der Studie ist MedECC-Koordinator Wolfgang Cramer. Nach dieser noch unvollendeten Studie besteht die Gefahr, dass in nur zwei Jahrzehnten rund 250 Millionen Menschen - knapp die Hälfte der Bevölkerung der Region - wegen des Klimawandels an Wasserarmut leiden. Der Grund: Der Anstieg des Meeresspiegels versalzt das Grundwasser. In Mitleidenschaft würde auch die landwirtschaftliche Produktion gezogen werden. Die könnte sich bis zum Jahr 2100 um einen Drittel verringern.

Die Folgen des Klimawandels sind keine ferne Fiktion: Die Wissenschaftler warnten in Barcelona auch vor einem Massensterben der Meeresfauna, vor mehr und immer häufigeren Hitzewellen, zunehmenden Dürreperioden, häufigeren Stürmen, Mega-Waldbränden und so anderen Faktoren. Mit dem Klimawandel verbreiteten sich auch die Asiatische Tigermücke und andere Krankheitsüberträger in Europa, es werde mehr gesundheitliche Probleme geben, sagte Cramer. Nicht nur davon würden "die Älteren, die kleinen Kinder, die Armen am schlimmsten betroffen sein."

"Was passiert, wenn deine Körpertemperatur um ein paar Grad steigt?"

Der Klimawandel treffe aber nicht nur die Ökosysteme. Er befeuere den vorliegenden Erkenntnissen zufolge auch soziale und politische Konflikte und die Migration, sagte der Deutsche, der von 2003 bis 2011 Professor für Globale Ökologie an der Uni Potsdam war. "Es gibt Millionen von Konsequenzen" des Klimawandels, sagte Cramers Kollegin Semia Cherif. "Manche verstehen das nicht und sagen mir: Es wird ein paar Grad wärmer. Na und? Und ich antworte. Was passiert, wenn Deine Körpertemperatur um ein paar Grad ansteigt?" 

Nach Ansicht der Experten muss man weltweit dringend den Ausstoß an Kohlendioxid senken.