Gegen Versiegelung und überforderte Kanalisation

Mit Schwammstädten gegen Klimawandel, Starkregen inklusive

Schäden durch Starkregen: Es kann jeden treffen

Die Zahlen sind gruselig: Seit 2001 gab es in Deutschland 11.000 Fälle von Starkregen. 6,7 Milliarden Euro Schadenssumme kamen in den Jahren 2002 bis 2017 allein an Wohngebäuden zusammen. Es ist sowieso schon klar und wurde mit der Studie vom Deutschen Wetterdienst und dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) belegt: Städte saufen bei Starkregen immer wieder ab. Und es kann jeden treffen.

Interaktive Karte: Wie sehr ist Ihre Region von Starkregenschäden betroffen?

Starkregenschäden
Starkregenschäden: Es kann jeden überall treffen © RTL

Sponge Cities: Wasser aufnehmen wie ein Schwamm

Was können die versiegelten Städte und Gemeinden tun? Schwammstadt werden. Aus Asien und den USA ist die Idee von „Sponge Cities“, also Schwammstädten, auch nach Europa gelangt. Es geht darum, so viel Regenwasser wie möglich an Ort und Stelle zu verwenden, es wie ein Schwamm zu speichern, und damit die Kanalisation zu entlasten. Wie kann das gelingen?

Maßnahme Baum-Rigole

Die Stadt Bochum setzt auf sogenannte Baum-Rigolen. Sie sehen aus wie normale Straßenbäume, im Untergrund aber liegt ihr Speichergeheimnis. Das Wasser aus der versiegelten Umgebung fließt in ein Schotterbecken unter dem Baum, das bis zu 4.000 Liter Wasser aufnehmen kann. So verschwindet bei starkem Regen nicht alles in der Kanalisation, und bei Hitze ist der Baum noch lange mit Wasserreserven versorgt.

Maßnahme Dachbegrünung

In geringerem Maße können auch begrünte (Flach-)Dächer zur Wasserspeicherung dienen. Eigentlich ist es der Zweck von Dächern, Niederschläge schnell ab- und in die Kanalisation zu führen. Im Zuge des Klimawandels ist ein Umdenken erforderlich. Denn bei Starkregen muss die Kanalisation entlastet werden. Je nach Aufbau der Begrünung können immerhin zwischen 20 und 100 Liter pro Quadratmeter gespeichert werden.

Maßnahme Rasenmulden

Mit Schwammstädten dem Klimawandel ins Auge sehen
Leuchtturm-Projekt Science City Adlershof. Rechts im Bild: die Rasenmulden, die bei Regenfällen voll laufen können. © WISTA Management GmbH – www.adlershof.de

Auch Berlin will zu einer Schwammstadt werden und hat viele Projekte in der Pipeline. In Berlin-Treptow beispielsweise gibt es die Science City Adlershof, die einen großen Teil der Plätze und Straßen nicht über die Kanalisation entwässert. Eine einfache Maßnahme: Regenwasser wird in Rasenmulden gesammelt und versickert dort.

Maßnahme durchlässige Bürgersteige und Straßen

Vorreiter in Sachen Schwammstädte sind Asien und die USA. In einem Stadtteil Shanghais entsteht ebenfalls eine sogenannte „Sponge City“. Straßenpflaster werden durch wasserdurchlässige Bodenbeläge ersetzt, begrünte Gräben entlang von Straßen können ebenfalls größere Mengen Wasser aufnehmen.  

Maßnahme private Gärten

Gartenteich
Einfache Maßnahme, um Regenwasser zu sammeln: ein Gartenteich. © MG RTL D / ORF Universum

Und jetzt zu dem, was auch jeder Einzelne tun kann, Voraussetzung ist allerdings ein Garten. Wie ESKP (Earth System Knowledge Platform), die Wissensplattform des Forschungsbereichs Erde und Umwelt der Helmholtz-Gemeinschaft, berichtet, gibt es in der Region um Seattle eine Kampagne, um 12.000 sogenannte „Rain Gardens“ – Regengärten – entstehen zu lassen. Auf den betreffenden Grundstücken gibt es speziell gestaltete Bereiche, in denen sich das Niederschlagswasser sammeln und vorübergehend aufstauen kann. Da hilft schon ein Teich.

Politik und Stadtplaner müssen ran

Ideen, Technik und Technologien um Städte vor Schäden ausgelöst durch Starkregen zu schützen, sind also durchaus vorhanden. Und die Klassiker unter den Maßnahmen gibt es ja auch noch: allgemeine Stadtbegrünung, Straßenrandbegrünung, Alleen, Grünfassaden. Flächenentsiegelungen und Rückhaltespeicher über und unter der Erde, 

Der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) sieht Politik und Stadtplaner in der Pflicht: Es brauche lokale Initiativen, bei denen alle Akteure an einem Tisch säßen, Bund und Länder sollten die Kommunen unterstützen. Bleibt die Frage, wie das alles bezahlt werden soll.