Jeder Klo-Gang gut fürs Klima

Kot-Bakterien – die Retter in der Klima-Krise?

von Bernd Fuchs und Silvia Soyter

So ein Scheiß - ist das gar nicht. Britische Forscher haben herausgefunden, dass ausgerechnet stinkende Exkremente uns im Kampf gegen den Klimawandel helfen könnten. Kurz gesagt: Sie binden CO2 und gerade das ist dringend notwendig, denn ohne Entnahme von CO2 aus der Atmosphäre schaffen wir unsere Klimaziele nicht. Keine Sorge, wir ersparen Ihnen weitere „kack“ Witze und die dazugehörigen Bilder.

Im Video: Wie genau Kot-Bakterien CO2 binden und sogar wieder Verwendung in der Lebensmittelbranche finden können, erklärt Bernd Fuchs im Klima Update.

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Kein Griff ins Klo – Britische Forscher entdecken positive Eigenschaften von Kot-Bakterien

Es klingt zunächst absurd: Kot-Bakterien sollen uns im Kampf gegen den Klima-Wandel unterstützen: In einem britisches Forschungsprojekt wurden die CO2-Emissionen aus einem Hochofen eines Stahlunternehmens mit den Bakterien eines Klärwerks vermischt. Herauskam dabei Essigsäure, die dann weiterverarbeitet werden konnte, unter anderem in der Beschichtung des Stahls oder sogar in der Lebensmittelindustrie.

Ein perfekter Kreislauf, denn das CO2, das nun durch die Kot-Bakterien gebunden wird, wäre sonst in der Atmosphäre gelandet. Die Mikroben im Kot sind immer ausreichend vorhanden und können im Sinne der Umwelt genutzt werden, in dem sie CO2 binden. Ein Konzept, dass auch in Deutschland Anwendung finden könnte.

Ungenutzte Energiequelle - So könnte die Toilette der Zukunft aussehen

Auch ein israelisches Forschungsprojekt beschäftigt sich mit der Verwertung von menschlichen Ausscheidungen. Forscher arbeiten an einer Toilette, die Kot in umweltfreundliche Kohle verwandelt. Ihr Plan ist es, eine Toilette zu entwickeln, die in einem eingebauten Druckbehälter Kot in Kohle verwandeln kann – eine Art Bio-Kohle entsteht.

Ihre Ergebnisse zeigen, dass man so in vielerlei Hinsicht Energie sparen und Treibhausgas-Emissionen verringern könnte, da die Fäkalien nicht mehr in Klärwerke befördert werden müssten und die Bio-Kohle drei bis viermal mehr Energie produziert, als für die Herstellung verwendet wurde. Vor allem in Regionen, in denen Menschen erschwerten Zugang zu sauberen Sanitäranlagen haben, könnte die Toilette der Zukunft Verwendung finden. Krankheitserreger im Kot würden abgetötet und auch bei der Verbrennung der Kohle riecht man deren Herkunft nicht mehr.

Das Stahlwerk Tata Steel in Port Talbot, Wales.
Hier gibt man Kot eine wichtige Klima-Aufgabe: Im Stahlwerk Tata Steel in Wales wird untersucht wie Kot-Bakterien CO2 binden können.

Pflanzen können CO2 binden – Rüben sind nur angebliche Spitzenreiter

Während Menschen Sauerstoff zum Überleben brauchen und Kohlenstoffdioxid ausatmen, benötigen Pflanzen diesen, für ihren Photosynthese-Prozess, also um wachsen zu können. Sie filtern CO2 aus der Luft und können unseren „Abfallstoff“ in ihren Wurzeln aufnehmen.

Besonders effizient in ihrer CO2 Aufnahme sollen Gerste und Weizen, Obstbäume wie Kirsch- oder Apfelbäume und Rüben sein. Letztere sollen laut Berechnungen bis zu 21 Tonnen CO2 pro Hektar speichern können.

Aber: Experten warnen, dass diese Rechnung nicht aufgeht! Um CO2 langfristig zu binden und den Klimawandel bekämpfen zu können, muss CO2 deutlich länger gespeichert werden als eine Saison, wie es bei den Zuckerrüben der Fall wäre. Während des Wachstumprozesses wird CO2 gebunden und Sauerstoff freigesetzt, bei der Verwertung der Rüben werden allerdings dieselben Mengen CO2 wieder freigesetzt und der produzierte Sauerstoff veratmet. Das macht eine Bilanz von Null. Dem Klima wird damit nicht geholfen.

Infografik: Böden zählen zu den wichtigsten Kohlenstoffspeichern der Erde. In ihnen ist mehr als dreimal so viel Kohlenstoff enthalten wie in allen Wäldern zusammengerechnet und etwa doppelt so viel wie in der Atmosphäre.
Böden zählen zu den wichtigsten Kohlenstoffspeichern der Erde. In ihnen ist mehr als dreimal so viel Kohlenstoff enthalten wie in allen Wäldern zusammengerechnet und etwa doppelt so viel wie in der Atmosphäre.

Carbon Farming: Nachhaltige Landwirtschaft unterstützt den Kampf gegen den Klimawandel

Auch der Boden kann jede Menge Kohlenstoff aus der Atmosphäre speichern. Beim sogenannten „Carbon Farming“ ist das Ziel, dass die Böden so bewirtschaftet werden, dass im Kampf gegen den Klimawandel möglichst viel CO2 gebunden wird. Dabei soll auf den Einsatz von chemischen oder synthetischen Düngemitteln verzichtet werden. Der Boden wird zudem nicht mechanisch bearbeitet, damit das Wurzelgeflecht nicht zerstört wird und Kohlenstoff, den der Boden bereits gebunden hat, nicht wieder austreten kann.

Diese Maßnahmen erhöhen die Bodenfruchtbarkeit und damit auch den Humus-Aufbau. Die oberste Bodenschicht besteht aus Humus, der nicht nur die Pflanzen nährt, er speichert auch Wasser und ist dafür zuständig, Kohlenstoff zu speichern. Laut Experten werden allein im obersten Meter, der in Deutschland durch die Landwirtschaft bewirtschafteten Böden etwa 2,5 Milliarden Tonnen Kohlenstoff gebunden.

Ein Blick über die Grenze verrät: Unsere Nachbarn haben auch gute Ideen

Einige unserer Nachbarländer haben verschiedene Pilotprojekte gestartet, um den Klimaschutz voranzutreiben. So versucht man in der Schweiz mit Filteranlagen auf den Dächern von Müllverbrennungsanlagen produziertes CO2 direkt wieder aufzusaugen, noch bevor es die Atmosphäre erreicht. In Island wird CO2 aus der Luft gefiltert und mit Wasser vermengt tief in einen Berg gepumpt, wo dann neue Minerale entstehen können.

Fest steht: Um unsere festgelegten Klimaziele zu erreichen, müssen wir Treibhausgasneutralität erreichen und dementsprechend möglichst wenig klimaschädliches CO2 in die Atmosphäre abführen. Dafür braucht es feste Strukturen und einen Plan, welche Maßnahmen und Methoden wir in Zukunft verwenden, um CO2 zu binden. Vielleicht sogar mit unserem eigenen Kot.

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(bfu, sso)