Minus 58 Grad - Sibirien versinkt in Eis und Schnee

Harte Winter sind in Sibirien nichts neues, leben Menschen hier doch oftmals mehr als neun Monate mit einer geschlossenen Schneedecke. Die drei verbleibenden Monate müssen sich die restlichen Jahreszeiten Frühling, Sommer und Herbst teilen. Direkt mehrfach ging es am vergangenen Wochenende runter auf unter minus 50 Grad. Agayakan und Werchojansk vermeldeten beide um die minus 57 Grad. Noch darunter blieb die Stadt Yekyuchchyu mit 58 Grad in der Nacht zum Montag.

Minus 58 Grad - Kann man da überhaupt noch raus?

Wie gestaltet sich das Leben bei dieser Eiseskälte? Kann man sich bei diesen Temperaturen überhaupt draußen aufhalten? Unserer RTL-Meteorologe Carlo Pfaff berichtet von seinen Erfahrungen in der Antarktis, wo er für 14 Monate auf der Georg-von-Neumayr-Station gelebt hat: „Wir haben in dieser Zeit Tiefstwerte von minus 46 Grad erlebt. Und solange es windstill ist, kann man es dick eingepackt sogar halbwegs aushalten. Das ändert sich aber, wenn auch nur das kleinste Lüftchen weht, dann drohen rasch Erfrierungen an ungeschützter Haut. Und dann wird es eben auch in kürzester Zeit lebensbedrohlich.

Glücklicherweise ist es gerade recht windstill in Yekyuchchyu, doch die Temperaturen entspannen sich erst wieder ab Donnerstag auf rund -41 Grad. Trotzdem kein Wetter für einen Ausflug nach Sibirien. Das es schnell diese Minusgrade ungemütlich werden können, beweist ein Fall im sibirischen Irkutsk. Hier war in einem Mehrfamilienhaus ein Wasserrohr gebrochen.

Kann die Sibirien-Kälte bis zu uns kommen?

Dass diese extreme Eisluft aus Zentral- oder Ost-Sibirien direkt zu uns kommt, ist glücklicherweise ziemlich ausgeschlossen. Aber natürlich gibt es in strengen Wintern auch bei uns die trocken-kalten Luftmassen aus Osten mit eisigen Temperaturen. Nachts mit zweistelligen Minusgraden und tagsüber mit Dauerfrost. 

Oftmals gehen solche Wetterlagen mit einer Schwächung des Polarwirbels einher und kündigen sich glücklicherweise schon über längere Zeiträume an. Zumal die Luft aus Sibirien lange braucht, bis sie bei uns ist. Beispielsweise liegt die westsibirische Millionen-Stadt Novosibirsk rund 5000 Kilometer östlich von Berlin. 

14.12.2010, Feature, im Bild eine Frau die sich zum Schutz vor der Kälte und den frostigen Temperaturen mit Haube, Schal und Handschuhen eingemummt hat, EXPA Pictures © 2012, PhotoCredit: EXPA/ Erwin Scheriau |
Sibirische Kälte in Deutschland - auch das kommt vor. Dann aber meistens deutlich abgeschwächt. © picture alliance / EXPA/ Erwin S, EXPA/ Erwin Scheriau

Unter minus 35 Grad - auch Deutschland kann eisig sein

Im Winter 1929 muss die sibirische Kälte definitiv auch in Deutschland gewesen sein. Denn im Februar 1929 wurde der offizielle deutsche Kälterekord aufgestellt. Und zwar in Hüll/Wolnzach in Oberbayern. Inoffiziell gibt es sogar eine noch kältere Wetterstation. Nämlich am Funtensee im Süden Bayerns. Ein im Winter unzugängliches Hochtal, in dem sich die Kaltluft über längere Zeit ansammeln kann und es so im Dezember 2001 auf einen Tiefstwert von minus 45,9 Grad brachte. Auch das ist sagenhaft kalt, findet aber abseits der Zivilisation eben unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Ganz im Gegensatz zu den sibirischen Regionen. Das Land ist zwar dünn besiedelt, aber die Wetterstationen sind häufig im Bereich von Städten und Ortschaften.