Mehr Regen, weniger Schnee, Steinschlag und Überschwemmungen

Der Gletscherschwund hat drastische Folgen für den sensiblen Alpenraum

Klimabericht 2014
Der Gletscherschwund hat drastische Folgen für den sensiblen Alpenraum

Mehr Regen, weniger Schnee, Steinschlag und Überschwemmungen. Der Klimawandel bringt Extreme mit drastischen Folgen für den sensiblen Alpenraum.

Der Klimawandel bringt nach Ansicht vieler Forscher nicht einfach milderes Wetter, sondern vor allem mehr Extreme mit Stürmen, Fluten und Dürren. Das Ausmaß der Extreme ist demnach kaum einschätzbar. In den Alpen werden die Durchschnittstemperaturen bis 2100 je nach Klimaschutz und Modellrechnung um wenige bis einige Grad steigen. Die Folgen: Grüne Almen statt Skipisten, Regen statt Schnee. Steinschlag und schwindende Gletscher.

Der Schweizer CH2014-Impacts-Bericht zur Abschätzung der Klimafolgen zeigt anhand einer Simulation an 50 Gletschern, dass deren Eismasse bis Ende des Jahrhunderts fast ganz verlorengehen wird. Auch viele weitere Alpenregionen dürften bis dahin weitgehend gletscherfrei sein.

Das 'Wasserschloss‘ Alpen würde seine Regulationskraft verlieren. "Es gibt große Abhängigkeiten, die man so gar nicht sieht", sagt Frank Paul vom Geografischen Institut der Universität Zürich. Gletscherwasser füllt Stauseen, die auch als Puffer und Speicher für das europäische Stromnetz fungieren. "Fällt die Speicherkraft der Stauseen weg, dann werden Stromausfälle wahrscheinlicher", sagt Paul weiter.

Da die Gletscher gerade erst schmelzen, entstehen derzeit viele neue Seen. 500 könnten es in der Schweiz bis Ende des Jahrhunderts sein. Blaues Wasser in blitzendem Eis: schön - und gefährlich. Vielerorts wurden Schutzbauten errichtet - falls die Seen sich sturzbachartig entladen.

Auch in den Alpen gibt es gelegentlich bedrohliche Situationen. Am Grindelwaldgletscher füllte sich vor einigen Jahren ein See. Den Pegel zu senken, kostete Millionen Schweizer Franken. Im extrem heißen Sommer 2003 häuften sich Steinschlag und Bergstürze. Am Matterhorn brachen in 3.400 Meter Höhe Felsen ab. Bergsteiger mussten mit Hubschraubern geborgen werden. Selbst wenn viele Forscher den einzelnen Sommer 2003 nicht als Vorbote des Klimawandels sehen, so gab er doch einen Eindruck von den Auswirkungen, die mit der Erwärmung kommen könnten.

Eis, das die Felsen zusammenhält, indem es das Eindringen von Wasser verhindert, taut. Im Permafrost, dem ständig gefrorenen Boden, steigt die Temperatur. Liftanlagen, einst auf eishartem Boden gebaut, gleiten. Hütten bekommen Risse. Steinschlag und Muren häufen sich. Felsen rutschen. Gipfelteile und Bergflanken sacken weg. Der Gipfel des Hohen Sonnblick in Österreich sei eigens mit Beton befestigt worden - auch, um die Wetterstation dort oben zu erhalten, sagt Paul.

Manch attraktiver Berg könnte für die Besteigung zu gefährlich werden - zu Lasten des Tourismus. Einige Wintersportorte stöhnen schon jetzt über Einbußen. An der Zugspitze und in anderen Gletscherskigebieten decken Liftbetreiber im Sommer kostbaren Schnee mit Isoliermatten ab - kein Gletscher-, aber Pistenschutz. Einige Modelle ergaben, dass nur Orte über 2.000 Metern Höhe auf Dauer noch Pistenvergnügen bieten werden.