Mit Flip-Flops, Sandalen und Shorts im Hochgebirge

Mehr Besucher in den Alpen - viele unterschätzen die Gefahren

People queue to reach the summit cross on top of the highest German mountain 'Zugspitze' (2962 meters) near Garmisch-Partenkirchen, Germany, Wednesday, Aug.19, 2020. (AP Photo/Matthias Schrader)
Menschen stehen Schlange, um auf den Gipfel der Zugpsitze zu gelangen. (Foto vom 19. August 2020)

Als die Bergwacht vor einigen Tagen eine Frau aus einer Gletscherspalte befreien konnte, staunten die Profis nicht schlecht: Die Verunglückte hatte zwei Nächte in der Gletscherspalte überstanden – obwohl sie nur eine kurze Hose trug. Nur durch Zufall waren ihre Hilferufen gehört worden. Sie war allein unterwegs gewesen. Der Fall ist symptomatisch für die Situation in den Alpen. Viele Wanderer überschätzen sich, oder sind für die rauen Bedingungen nicht angemessen ausgerüstet.

Der Ansturm hatte schon vor Corona begonnen

Bergsport liegt im Trend und lockt immer mehr Menschen in die Alpen. Deshalb ist die Zahl der Notfälle in den letzten Jahren tendenziell gestiegen. Die Bergwacht Bayern registrierte im Sommer 2019 etwa doppelt so viele Einsätze (nämlich 3071) wie im Sommer 2006 (1582). Selbstüberschätzung spielt oft eine große Rolle.

Der Trend könnte sich noch verstärken, denn im Sommer 2020 sind offenkundig noch mehr Menschen wegen Corona in den Bergen. Zahlreiche Unfallmeldungen wie die oben beschriebene Wunderrettung legen nahe, dass auch in diesem Jahr viele Touristen sich und andere aus mangelnder Erfahrung in Gefahr bringen.

Mit der Gondel hoch und dann Spazierengehen

Bei schönem Wetter kann sich ein Anfänger schlecht vorstellen, wie brenzlig es in den Bergen werden kann. Mit der Gondel ist man schnell „oben“ und kann direkt loslegen. Je nach Region scheint der Unterschied zu einer Wanderung im Tal vielleicht gar nicht so groß zu sein. Und beim Knipsen von Selfies macht man sowieso grundsätzlich eine fröhliche Miene.

Wenn allerdings der Weg steiniger wird und man ins Stolpern gerät, wenn die Kräfte schwinden oder wenn das Wetter umschlägt, kann es sehr ernst werden. Anders als im Tal ist die nächste Schutzhütte aber möglicherweise weit weg...

Wandern in den Alpen benötigt Vorbereitung
Stürze sind eine häufige Unfallursache beim Wandern in den Alpen. Richtiges Schuhwerk erhöht die Trittsicherheit.

Die Alpenvereine raten dringend zu gründlicher Vorbereitung

In ihren Tipps zum sicheren Bergwandern nennen die Alpenvereine eine realistische Selbsteinschätzung an erster Stelle. Die eigene Fitness und Erfahrung sollte bei der Planung einer Tour unbedingt berücksichtigt werden.

Eine gute Ausrüstung ist nach Meinung der Bergfreunde ebenfalls sehr wichtig. Empfohlen werden Regen-, Kälte- und Sonnenschutz, ebenso ein Erste-Hilfe-Paket und ein Mobiltelefon. Außerdem sollte der Wetterbericht studiert werden, weil Regen, Wind und Kälte das Unfallrisiko erhöhen.

Wandern in den Alpen: Auf die Trittsicherheit kommt es an

Stürze, als Folge von Ausrutschen oder Stolpern, gelten als häufigste Unfallursache. Ohne passendes Schuhwerk ist die Trittsicherheit extrem eingeschränkt. Zu hohes Tempo oder Müdigkeit beeinträchtigen ebenfalls die Trittsicherheit.

Wanderer mit Sandalen und Kinderwagen auf Geröllweg

Die genannten Empfehlungen der Bergsteiger-Profis werden von manchen aufs sträflichste missachtet. Das Onlineportal Merkur.de berichtet von Touristen in Flip-Flops und Sandalen auf der Alpspitze. Mitte August wurde demnach sogar ein junger Vater beobachtet, der sich mit einem Kinderwagen über einen Geröllweg kämpfte.

Ob Leichtsinn, oder nicht - auf die Bergwacht kann man sich verlassen

Wenn es zu Notfällen kommt, hilft die Bergwacht - notfalls mit Hubschrauber. Ob die Bergsteiger in Not leichtsinnig gehandelt haben, oder nicht, spielt für die Einsatzkräfte keine Rolle.

Erholung in den Bergen muss nicht Extremsport bedeuten

Die Alpen haben genug Raum für Touristen und Bergsportler mit unterschiedlichen Ansprüchen und Fitness-Stufen. Ganz ohne Risiko geht es in den Alpen wohl nicht, aber wer die Sicherheitstipps der Profis beachtet und nach einer geeigneten Tour sucht, dürfte auch eine Route mit passendem Schwierigkeitsgrad finden.

Der berühmte Bergsteiger Reinhold Messner hat die massive Erschließung der Alpen stets kritisiert. Messner sagt aber auch: „Heute sind 99 Prozent der Alpen-Besucher in der Ferienzeit gar keine Bergsteiger, sondern sie kommen, um sich im Gebirge zu erholen. Das ist ihr gutes Recht.“

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