Sogar das Risiko für Frühgeburten ist erhöht

Mehr Ängste, Asthma und Allergien: Wie der Klimawandel krank macht

Klimawandel und Gesundheit
Der Klimawandel hat auch Auswirkungen auf unsere Gesundheit. © iStockphoto, iStock

Ärzte sehen die Entwicklung mit Sorge

Hitzesommer, Temperaturschwankungen, Überflutungen: Der Klimawandel hat drastische Folgen für die Umwelt, aber auch für unsere Gesundheit. Denn: Unser Körper ist nur begrenzt anpassungsfähig. Hitzewellen und Wetterextreme verschlimmern nicht nur bestehende Erkrankungen, sie führen auch zu neuen gesundheitlichen Problemen und auch die Psyche leidet. Ärzte sehen das mit Sorge.

Hitze als tödliche Gefahr   

Hitzeerschöpfte Patienten, eine junge Frau, die in ihrer Dachgeschosswohnung kollabiert, das vermehrte Auftreten von Entzündungen – der Allgemeinmediziner Dr. Ralph Krolewski aus Gummersbach sieht jeden Tag die Folgen der Wetterextreme. Dazu zählen auch Blutdruckkrisen, eine Verschlechterung bei Herzkreislaufkranken oder bei Patienten mit Lungenproblemen. „Bei Hitzewellen insgesamt haben wir eine erhöhte Sterblichkeit von 8 bis 12 Prozent“, so der Allgemeinmediziner.

Krolewski bietet in seiner Praxis eine Klimasprechstunde an, um Patienten besser auf das vorzubereiten, was da auf uns zukommt. Bei Hitze empfiehlt er, viel zu trinken, körperliche Belastungen zu meiden und sich abzukühlen. In seiner Praxis lässt sich der Behandlungsraum bei Hitze schnell herunterkühlen, um hitzebedingte Symptome bei Patienten zu lindern. Zudem kann Krolewski Fenster verschatten und Warmluft abführen. In einem Zelt neben der Praxis, wo er Abstriche macht oder Corona-Verdachtsfälle untersucht, hat er ein Schlauchsystem mit Wasserdüsen angebracht. Die feinen Wassertröpfchen erfrischen und befeuchten die Haut bei Hitze.

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Höheres Risiko von Frühgeburten

Krolewski engagiert sich stark für das Thema Klimakrise und Gesundheit, er will auch Ärzte besser informieren. Bei hohen Temperaturen etwa muss die Dosierung von Medikamenten angepasst werden. Er sieht die Auswirkungen des Klimawandels auf die Gesundheit mit Sorge. Auch die Umweltmedizinerin Professorin Claudia Traidl-Hoffmann am Klinikum Augsburg befürchtet: „Es kommen viele Erkrankungen dazu, neue Erkrankungen, aber es ist auch so, dass Kranke sich noch kränker fühlen“, denn der Klimawandel wirke auf das ganze System Mensch, von Kopf bis Fuß.

Das bedeutet: Stress, Angstzustände, aber auch Aggressionen nehmen zu, ebenso gibt es mehr Fälle von Gewalt. Erhöhte Temperaturen lassen den Blutdruck steigen, Schlaganfälle und Herzinfarkte kommen häufiger vor. Durch Hitze gibt es mehr Ozon in der Luft, das verschlimmert Atemwegserkrankungen wie Asthma. Auch Allergien häufen sich, da mehr Pollen fliegen. Ein Temperaturanstieg führt zu mehr Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes. Und sogar das Risiko von Frühgeburten steigt bei Hitzewellen an.

Mehr Notfälle in der Neurologie  

Neurologe Dr. Michael Ertl leitet die Schlaganfalleinheit an der Uniklinik Augsburg. Er beobachtet schon länger einen Zusammenhang zwischen dem Auftreten von Schlaganfällen oder Hirnblutungen und der Wetterlage. Und damit ist der Privatdozent nicht allein. „Das sind Effekte, die nicht nur wir beobachtet haben, sondern viele Spezialisten“, so der Neurologe. Er vermutet, dass Wetter und Umwelteinflüsse auf die Häufigkeit bestimmter Schlaganfalluntergruppen eine Auswirkung haben könnten.

In einer Studie mit 18.000 Patienten verglich Ertl sämtliche Wetterdaten mit dem Auftreten von Schlaganfällen und Hirnblutungen. Sein Verdacht bestätigte sich: „Wenn es außergewöhnlich kalt ist oder zu Temperaturstürzen kommt, dann treten gehäuft Hirnblutungen auf.“ Bei Hitze dagegen kommen vor allem Schlaganfälle häufiger vor, die durch Gerinnsel in den Gefäßen ausgelöst werden. Nun will der Neurologe ein Frühwarnsystem entwickeln, um Kliniken aber auch Risiko-Patienten bei bestimmten Wetterlagen rechtzeitig zu informieren.

Allgemeinmediziner Krolewski gibt in seiner Klimasprechstunde nicht nur Verhaltenstipps bei Hitzewellen. Er will das Thema von allen Seiten anpacken. Mit seinen Patienten spricht er daher auch über gesunde, pflanzenbasierte Ernährung oder mehr Bewegung. Denn Menschen mit Vorerkrankungen sind durch den Klimawandel besonders belastet. Ein gesunder Lebensstil schont nicht nur die Umwelt, er führt auch dazu, besser mit den Folgen des Klimawandels zurechtzukommen. (aha)