Meeresspiegelanstieg: Die Zukunft großer Küstenstädte sieht düster aus

Eine gravierende Folge der Erderwärmung: Meeresspiegelanstieg
Die rot gekennzeichneten Regionen sind vom Meeresspiegelanstieg besonders bedroht. © NASA

Neue schockierende Prognose zum Klimawandel

Die Temperaturen klettern weltweit. Seit der Jahrtausendwende gibt es einen Rekord nach dem anderen.  Wir ignorieren schon einige der Meldungen: „Lang-wei-lig!“, „Liest eh keiner.“, „Und was daran ist jetzt neu?“ Jetzt aber ein weiterer Versuch! Denn es ist ja nicht so, als ob nur die Luft wärmer würde - die Folgen der Erderwärmung sind vielfältig und verheerend. Der Meeresspiegelanstieg wird für einige Regionen wohl noch schlimmere Folgen haben als bisher angenommen.

2 Grad Erwärmung: Bis 2050 steigt der Meeresspiegel um 20 Zentimeter

Das laufende Jahr dürfte nach Einschätzung von UN-Wetterexperten einen neuen Wärmerekord brechen: 2016 ist demnach mit durchschnittlichen 14,88 Grad Celsius das heißeste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen. Damit liegt die Durchschnittstemperatur ungefähr 1,2 Grad Celsius über dem Niveau des vorindustriellen Zeitalters. 2 Grad Erwärmung gilt als Schwellenwert, der noch hingenommen werden kann.

Die 2-Grad-Marke wird wahrscheinlich zwischen 2040 und 2050 erreicht. Damit einher geht ein gravierender Meeresspiegelanstieg von 20 Zentimetern – ebenfalls im globalen Durchschnitt. Eine neue Studie eines Forscher-Teams um Svetlana Jevrejeva vom National Oceanography Centre in Liverpool bestätigt zwar diesen im letzten Weltklimabericht prognostizierten Meeresspiegelanstieg, allerdings ist der aufgrund dynamischer Prozesse in den Ozeanen und Schwankungen der Schwerkraft nicht einheitlich: Mehr als 90 Prozent der Küstenregionen werden einen deutlich stärkeren Anstieg erleben, haben die Wissenschaftler ermittelt (Proceedings of the National Academy of Sciences, 2016). Besonders betroffen sind die US-Ostküste und Norwegen: Bis zu 40 Zentimeter könnte der Meeresspiegel dort ansteigen. In Deutschland kämen wir mit 25 Zentimeter Pegelanstieg deutlich glimpflicher weg.

Nasa-Video zum Meeresspiegelanstig: Rot signalisiert die heftigsten Ausmaße

Schlimm: Rot signalisiert den Meeresspiegel-Anstieg
Schlimm: Rot signalisiert den Meeresspiegel-Anstieg NASA-Video vom Meeresspiegel-Anstieg 00:01:01
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Viele Millionen Küstenbewohner auf der Flucht

Meeresspiegelanstieg als Folge des Klimawandels
Worst-case-Szenario: Wenn der Meeresspiegel im Schnitt um 90 Zentimeter steigt, müssen Millionen von Küstenbewohnern flüchten. © dpa, Juan Herrero

Die Zukunft großer Küstenstädte sieht teils wirklich düster aus, denn hier wird das Problem noch verstärkt: Durch exzessive Grundwasserentnahme und geologische Prozesse sinken viele Küstenstädte ab. "Bis 2025 wird Jakarta dadurch um 1,80 Meter absinken, Manila um 40 Zentimeter, Bangkok um 19 und New Orleans um 20 Zentimeter", berichten Jevrejeva und ihre Kollegen.

Sollte die globale Erwärmung allerdings nicht auf 2 Grad begrenzt werden können und ein bis zu 5 Grad wärmeres Szenario bis 2100 würde Realität, stiege der Meeresspiegel im Schnitt um 90 Zentimeter an. Aber eben im Durchschnitt. Im Extremfall könnten große Städte an der US-Ostküste und in Südostasien mit einem Meeresspiegelanstieg von bis zu 2 Metern zu kämpfen haben. "Ein solcher Anstieg um zwei Meter wird zu einer Vertreibung der urbanen Bevölkerungen führen – rund 2,5 Millionen aus tiefliegenden Gebieten Miamis, 2,1 Millionen Menschen aus Guangzhou, 1,8 Millionen aus Mumbai und mehr als eine Million aus Osaka, Tokio, New Orleans, New York und Ho-Chi-Minh-Stadt", prognostizieren Jevrejeva und ihre Kollegen. Auch die ohnehin nur knapp über dem Meeresspiegel liegende Inseln des Pazifik und Indischen Ozean wären davon betroffen.