Martinssommer in Deutschland: Hohe Temperaturen im November sind nicht ungewöhnlich

Das Jahr des "Sommers" zeigt weiter kaum Schwächen! Die sommerlichen Begriffe wie Spätsommer, Altweibersommer, goldener Oktober oder nun der Martinssommer haben Hochkonjunktur. Typische Kälteeinbrüche sind selten und kurz. Stattdessen dominieren bei deutlich überdurchschnittlicher Sonnenscheindauer zweistellige Höchstwerte. So sind jetzt auch wieder um die 20 Grad möglich. Ist das normal bzw. wie kommt das zustande?

Immer wieder blockierende Wetterlagen

Verantwortlich für die außergewöhnlich stabilen Witterungsbedingungen sind nahezu gleichbleibende bzw. rasch wiederkehrende Luftdruckmuster. In diesem Jahr stehen die sogenannten blockierenden Wetterlagen ganz hoch im Kurs. Kräftige Hochdruckgebiete hinderten atlantische Tiefdruckgebiete daran Europa auf direktem Weg ostwärts zu überqueren. Da der hohe Luftdruck dabei meist über oder östlich von Deutschland lag und der tiefe Luftdruck westlich, strömte die Luft entsprechend der Drehbewegung der Druckgebilde überwiegend aus den warmen Regionen Südeuropas ins Land.

Der einzige Hinweis, dass wir uns nun langsam dem Winter nähern, liefert das abnehmende Tageslicht und die Bildung von zähen Nebel- und Hochnebelfeldern bei Aufklaren in den länger werdenden Nächten. 

Zu früher Martinssommer

Aus kalendarischer Sicht ist der Martinssommer in diesem Jahr aber etwas zu früh dran. Die Tiefdruckgebiete über dem westlichen Mittelmeer schaufeln derzeit warme Luft nach Mitteleuropa. Und der Föhneffekt erhöht die Temperatur noch einmal. Auch die Druckgebilde weit draußen auf dem Atlantik unterstützten den Transport der warmen Luft in Richtung Norden. Doch die mittelfristigen Wettersimulationen, die ab dem Wochenende einen eher unbeständigen und windigen Wettercharakter zeigen, sprechen zudem durchaus für den zu frühen "Martin".  

Zunächst weiter milde Luft aus Süd
Zunächst weiter milde Luft aus Süd Der Strömungsfilm für Europa 00:37

Wärme nicht außergewöhnlich

Völlig außergewöhnlich ist eine Wärmeperiode vor allem Mitte November jedoch nicht, schon die Bauernregeln geben Hinweise auf diese überdurchschnittlichen Temperaturen. Im Volksmund wird eine typische Schönwetterperiode aufgrund stabiler Hochdrucklagen gegen Ende der ersten Novemberdekade vor allem in der Schweiz und Süddeutschland als "Martinssommer" oder "Martini-Sommer" bezeichnet. Dort ermöglicht die Wärmeperiode in den Weinbaugebieten eine Novemberlese.

Auch im letzten Jahr warme erste Novemberhälfte

Auch im letzten Jahr stiegen die Höchstwerte bei viel Sonnenschein in der ersten Novemberhälfte vor allem im Südwesten auf Werte zwischen 14 und 19 Grad an und ließen ein Frühlingsfeeling aufkommen. Der Martinssommer wurde also seinem Ruf auch im Jahre 2017 gerecht.

Quelle: DWD und wetter.de