Malediven: Wegziehen oder aufschütten?

Höchster Punkt: 2,40 Meter über dem Meeresspiegel

Klimawandel
Malediven: Wegziehen oder aufschütten?

Was soll ein Volk tun, wenn das ganze Land im Meer versinkt? Die Regierung der Malediven sucht händeringend nach einer Lösung, für ein Problem, das die Existenz des ganzen Landes bedroht. Der Traum vieler Urlauber versinkt im Meer wenn der Meeresspiegel um einen Meter ansteigt. 80 Prozent des Landes werden dann in den Fluten des Indischen Ozeans verschwinden.

Berge gibt es auf den Malediven nicht. Auch keine Hügel. Nicht einmal Dünen. Die höchste natürliche Erhebung - rechnet man die Palmen nicht mit - liegt auf 2,4 Metern über dem Meeresspiegel. „Ich sehe jetzt schon, wie es den Sand hier an den Palmen wegspült“, sagt die Schweizer Urlauberin Doris Friedrich.

Ex-Präsident Mohamed Nasheed hatte einst die Idee, einen Teil der Touristen-Milliarden abzuzweigen, um woanders eine neue Heimat zu kaufen. Indien oder Sri Lanka schwebten ihm vor, vielleicht auch Australien - das sei eh nicht so bewohnt. Allerdings: Ein Mann aus dem ebenfalls durch den Klimawandel bedrohten Pazifik-Staat Kiribati wollte im vergangenen Jahr der erste Klimaflüchtling nach den Vorgaben der UN-Flüchtlingskonvention werden. Doch sein Asylantrag in Neuseeland wurde abgelehnt. Auch deswegen verfolgen die Malediven derzeit lieber andere Strategien.

Sie vergrößern etwa ihre Inseln, indem sie Sand vom Meeresboden holen und sie damit aufschütten. Fotos aus der Luft zeigen, dass beispielsweise die Fläche der Hauptinsel fast verdoppelt wurde. Trotzdem ist die Hauptstadt Malé so überbesiedelt, dass selbst für Müllhalden kein Platz mehr ist. Der Abfall landet deswegen in in einer nahe gelegenen Lagune.

„Tilafushi war früher nur ein Riff. Daraus haben wir Anfang der 90er Jahre eine Müllinsel gemacht“, sagt Mohamed Shihab, Ex-Innenminister und jetzt Bürgermeister von Malé. Die nun U-förmige Insel ist so angewachsen, dass sie mittlerweile als Industriegebiet mit zahlreichen Lager- und Produktionshallen genutzt wird.

Viele andere künstliche Inseln sollen die Wohnungsnot lösen - denn die gesamte Landesfläche entspricht mit 298 Quadratkilometern nur der Größe der Stadt Leipzig. Das größte und ambitionierteste Projekt ist Hulumalé, eine fast quadratische Insel, die mit einem Reißbrett in Wohn-, Industrie-, Gemeinschafts- und Wissenschaftsviertel eingeteilt wurde. Häuserkomplex schießt nun neben Häuserkomplex empor, wo vor wenigen Jahren noch eine türkisblaue Lagune war. Doch es gibt auch schneeweiße Strände und bereits große Palmen.

Auf Hulumalé sollen nach offiziellen Angaben bis zu 60.000 Menschen wohnen können - das wäre etwa ein Sechstel der derzeitigen Einwohner. Die Regierung rechnet damit, dass zunehmende Stürme, Starkregen und Trockenperioden dazu führen, dass sich immer mehr Menschen von den kleineren auf die größeren Inseln retten wollen.

Quelle: dpa