Lufthansa-Streik der Flugbegleiter: Welche Rechte haben Reisende?

 Lufthansa-Flugzeug.
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Gewerkschaft UFO ruft zum Warnstreik auf

Nach der Thomas-Cook-Pleite gibt es für viele Reisende wieder den nächsten Schock: Ein Streik der Flugbegleiter bei der Lufthansa führt heute und morgen zu zahlreichen Flugausfällen. Der 48-stündige Ausstand begann um Mitternacht und soll erst Freitag am späten Abend enden. 1.300 Flüge wurden abgesagt. ​Rund 180.000 Passagiere sind betroffen. Stellt sich die Frage: Was passiert mit den gebuchten Flügen und welche Rechte haben Reisende? 

Welche Flüge sind betroffen?

Allein bei der Hauptmarke Lufthansa strich der Konzern rund 700 der weltweit 1.100 geplanten Flüge, so dass an den Drehkreuzen München und Frankfurt viele Maschinen am Boden bleiben und auch ein Großteil der Überseeflüge ausfallen müssen. 

"Es sind alle Lufhansa-Flüge betroffen, die in dieser Zeit in und aus Deutschland starten", kündigte Daniel Flohr, stellvertretender UFO-Vorsitzender am Montag an. Vor allem an den Flughäfen Frankfurt und München bleiben viele Maschinen am Boden.

Nicht bestreikt werden die Tochtergesellschaften Eurowings, Germanwings, Sunexpress, Lufthansa Cityline, Swiss, Edelweiss, Austrian Aitlines, Air Dolomiti und Brussels Airlines, wie Lufthansa auf ihrer Internetseite mitteilt. Anders als urpsprünglich geplant, will Ufo nun auch erst einmal keine Tochterunternehmen zum Streik aufrufen "und auch bei der Lufthansa keine Ausweitung und keine Verlängerungen machen".

Findet mein Flug statt?

dpatopbilder - 07.11.2019, Hessen, Frankfurt/Main: Leere Check-in Schalter der Fluggesellschaft Lufthansa im Terminal 1 des Flughafens Frankfurt. Bei der Lufthansa hat um Mitternacht ein 48-Stunden-Streik der Flugbegleiter begonnen. Foto: Silas Stein
Leere Check-in-Schalter in Frankfurt. © dpa, Silas Stein, sis fgj

Ob der gebuchte Flug planmäßig stattfindet, können Reisende auf lufthansa.com nachprüfen. Auch ein Sonderflugplan ist hier einsehbar. Sind entsprechende Kontakdaten hinterlegt, werden Betroffene aktiv von Lufthansa per SMS oder E-Mail über Änderungen informiert. Laut des Unternehmens werden kostenlose Umbuchungsmöglichkeiten angeboten. Innerhalb von Deutschland können Reisende beispielweise auf die Deutsche Bahn umsteigen.

Das will die Gewerkschaft

Die Flugbegleitergewerkschaft Ufo fordert für die rund 21.000 Lufthansa-Flugbegleiter höhere Spesen und Zulagen sowie den besseren Zugang für Saisonkräfte in reguläre Anstellungsverhältnisse. Für die vier anderen Flugbetriebe wurden jeweils separate Forderungen aufgestellt und Urabstimmungen abgehalten. 

In dem gesamten Konflikt geht es aber hauptsächlich um die vom Konzern aufgeworfene Frage, ob Ufo überhaupt noch Tarifverträge für das Kabinenpersonal durchsetzen kann. Nach einer monatelangen Gesprächspause erklärte Vorstandschef Carsten Spohr nun ausdrücklich, dass man nun auch wieder das Gespräch mit der Kabinengewerkschaft Ufo suche. Ziel sei es, die von Ufo angebotene Schlichtung zu vereinbaren. Ufo stimmte dem Vorschlag zu. Der Streik soll aber wie geplant fortgesetzt werden.

Erst Streit, jetzt Streik

Schon seit Monaten gibt es zwischen der Lufthansa und der Gewerkschaft einen heftigen Streit und auch in der UFO intern herrscht Chaos an der Spitze: Erst kürzlich sind in einem Führungsstreit mehrere Vorstände zurückgetreten.

Habe ich ein Recht auf Entschädigung bei Flug-Streiks?

Ein Flugstreik hat nicht nur Folgen für die Fluggesellschaft, sondern auch für die Reisenden – denn gemäß der EU-Verordnung haben sie wenig Rechte auf eine Ausgleichsleistung: Demnach haben Fluggäste keinen Anspruch auf eine Ausgleichsleistung, wenn das Vorkommnis auf außergewöhnliche Umstände zurückzuführen ist, die sich bei Ergreifen aller zumutbaren Maßnahmen nicht hätten vermeiden lassen können.

Dazu zählen:

  • Schlechte Wetterbedingungen
  • Politische Instabilität
  • Streiks
  • Sicherheitsrisiken
  • Unerwartete Flugsicherheitsmängeln

Allerdings gibt es auch hier Ausnahmen: So hat der EuGH beispielsweise entschieden, dass ein „wilder Streik“ kein außergewöhnlicher Umstand sein muss. In diesen Fällen ist die Fluggesellschaft zu einer Ausgleichsleistung verpflichtet. 

Diese Rechte haben Sie bei einem Flug-Streik


  • Fluggesellschaften sind dazu verpflichtet, Sie über jeden Flugausfall zu informieren.
  • Fluggesellschaften müssen alle zumutbaren Maßnahmen ergreifen, um für Sie eine schnellstmögliche Ersatzbeförderung zu sorgen und die Kosten der Ersatzbeförderung tragen.
  • Bei längeren Wartezeiten am Flughafen stehen Ihnen Betreuungsleistungen zu.
  • Ab einer Dauer von zwei Stunden und einer Strecke von bis zu 1.500 Kilometer gehören zu den Betreuungsleistungen: Mahlzeiten, Getränke, Telefongespräche, ggf. Übernachtung im Hotel
  • Bei einer Strecke von 1.500 bis 3.500 Kilometern gibt es nach drei Stunden Unterstützung, ab 3.500 Kilometern Strecke nach vier Stunden.
  • Ab einer Wartezeit von fünf Stunden können Passagiere vom Beförderungsvertrag zurücktreten und eine Erstattung des Flugpreises verlangen.
  • Ist Ihr Flug beispielsweise vom Streik betroffen, obwohl der Streik vorbei ist, haben Sie Rechte auf Ausgleichzahlungen, erklärt Ralf Benkö. So holen Sie sich dann die Entschädigung​. 

Schützt mich eine Reiserücktrittsversicherung vor einem Flug-Streik?

Auch eine Reiserücktrittsversicherung schützt den Reisenden nicht vor einem Flug-Streik: „Eine Reiserücktrittsversicherung greift bei Krankheiten, Todesfällen oder ähnliches ein, hat aber mit einem Streik nichts zu tun, weil das Risiko bei einem Streik nicht vom Reisenden ausgeht“, erklärt Ralf Benkö. Hier Sehen Sie, welche Reiseversicherungen sinnvoll sind.