Lieferengpässe unterm Christbaum

Diese Weihnachtsgeschenke sollten Sie rechtzeitig kaufen

Viele Branchen von Lieferengpässen betroffen

Weihnachten rückt immer näher. Doch ausgerechnet Spielzeughändler plagen Liefersorgen. Große Lücken in den Regalen und Kunden, die nicht immer das gewünschte Geschenk erhalten können – das ist derzeit kein Einzelfall. Aber auch Elektrofachgeschäft, Fahrradläden, Buchhandlungen oder Bekleidungsgeschäfte müssen derzeit kräftig um ihren Nachschub kämpfen. Warum ausgerechnet zum Weihnachtsgeschäft die Regale leer bleiben, zeigen wir im Video. Außerdem geben Händler Tipps, wie es Geschenke vom Wunschzettel doch noch unter dem Weihnachtsbaum schaffen.

Spielwaren: "Von 50 bestellten Artikeln kommen nur 20 an"

Axel Schneider betreibt einen Spielwarenladen in Leipzig. Bis seine Regale wieder komplett gefüllt sind, kann es Monate dauern. „Wir sind extrem von den Lieferengpässen betroffen, da wir das Weihnachtsgeschäft gerade vorbereitet haben beziehungsweise Lieferungen jetzt eintreffen sollten, was aber teilweise nicht passiert. Da bestellt man 50 Artikel und es kommen halt nur 20 Artikel“, erzählt er im RTL-Interview. Sein Tipp: Weihnachtsgeschenken am besten jetzt schon kaufen oder bestellen, damit es nicht zu knapp wird.

Fahrräder: Monatelange Wartezeit

Besonders kurios ist die Lage bei Fahrrädern: Das Geschäft brummt, schon vor Corona mussten Kunden teilweise einige Wochen auf ihr gewünschtes Modell warten. Inzwischen sind mehrere Monate daraus geworden. Und es sind nicht nur Fahrräder, die Mangelware sind: Auch Anbauteile wie Schaltungen, Bremsen oder Felgen sind derzeit schwer erhältlich. So sind die Lager von „Lucky Bike“ in Leipzig fast leer. Verkäufer Gabriel Eulitz empfiehlt: Wer sein Fahrrad im Sommer 2022 fahren möchte, sollte jetzt schon bestellen. Flexible Kunden, die nicht unbedingt den Preis-Leistungs-Sieger fahren müssen, sollten beim lokalen Fahrradhändler nachfragen, welche Modelle noch rechtzeitig lieferbar sind.

Bücher: Verlage leiden unter Papiermangel

Seit einigen Wochen leiden fast alle großen Verlage unter Papiermangel.So können Bücher nicht in gewünschter Auflage gedruckt werden. Dafür gibt es laut Bundesverband Druck und Medien (bvdm) vor allem zwei Gründe: Zum einen seien in den vergangenen Jahren weniger Zeitungen oder Kataloge produziert worden und somit der Bedarf an Druckpapier zurückgegangen. „Die Papierhersteller haben ihre Kapazitäten abgebaut oder sind umgeschwenkt auf boomende Produkte wie Verpackungsmaterial. Sie können jetzt nicht plötzlich wieder die Produktion umstellen", erklärt Bettina Knape vom bvdm. Zum anderen gebe es einen Mangel an Altpapier, aus dem ein großer Teil der Druck-Erzeugnisse hergestellt wird. So gab es dem bvdm zufolge in der Corona-Pandemie weniger Papiererzeugnisse, auch weil deutlich weniger Werbematerial benötigt wurde.

Wer jetzt weiß, welches Bücher er verschenken möchte, sollte unbedingt zuschlagen. Denn noch sind Bücher ausreichend erhältlich, aber Bestseller könnten kurz vor Weihnachten durchaus knapp werden.

Haushaltsgeräte

Von dem Mangel an Mikrochips sind ist nicht nur die Autoindustrie betroffen, die wochenweise Werke schließen und Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken muss. Auch bei Haushaltsgeräten macht sich der Mangel bemerkbar. Denn neben den Halbleitern werden auch wichtige Metalle und Kunststoffe immer knapper, die in den Geräten stecken. Besonders lang seien die Lieferzeiten mit bis zu 14 Wochen bei Geschirrspülern, teilte ein Miele-Sprecher gegenüber tagesschau.de mit.

Gute Nachricht für Elektroartikel zum Weihnachtsgeschäft: „Für das Weihnachtsfest wird es eine weitestgehend gute Versorgung geben, weil diese Ware schon lange hier ist“, sagte Otto-Chef Marc Opelt. Er appellierte allerdings an die Kunden, Produkte möglichst so auszusuchen, dass Retouren gar nicht erst anfallen. Denn wer erst nach Weihnachten einen Artikel aussuchen möchte, könnte eine Enttäuschung erleben: „Alles, was noch kommt, kann unter Umständen schwierig werden“, erklärte der Otto-Chef.

Auch bei Kaffeevollautomaten sieht die Versorgungslage gut aus. Hier sollte man am Black Friday (26.11.) oder Cyber Monday (29.11.) die Augen offen halten, denn das Wunschgerät könntes es durchaus zum Schnäppchenpreis geben.

Playstation, Xbox, iPhone

Alle Elektronikhersteller leider derzeit unter dem weltweiten Chipmangel. So warnte der Apple-Chef persönlich vor Lieferengpässen, die zum Jahresende hin noch schlimmer werden. Betroffen sind alle Produkte des Herstellers. Auch Elektrohändler wie Media Markt und Saturn rechnen in den kommenden Monaten mit weniger Auswahl in den Regalen.

Die Spielekonsolen Playstation 5 von Sony und die Xbox Series X von Microsoft stehen auf vielen Wunschzetteln für Weihnachten ganz oben. Doch es wird auch in diesem Jahr viele enttäuschte Gesichter geben. Denn die Verfügbarkeit bleibt weiter schlecht. Wer eine Konsole zu Weihnachten verschenken möchte sollte sofort zuschlagen, wenn sie online oder im Handel verfügbar ist. Denn es ist nicht damit zu rechnen, dass die heiße Ware zu Schnäppchenpreisen am Black Friday oder Cyber Monday erhältlich ist. Ganz im Gegenteil: Wiederverkäufer, so genannte Reseller, verkaufen die Konsolen mit ordentlich Aufschlag.

Kleidung und Schuhe

Lieferengpässe und steigende Frachtkosten bringen Modefirmen, die auf Fast Fashion setzen, in die Bredouille. „Bei Fast Fashion dreht sich alles darum, als erster auf dem Markt zu sein", erklärt Gus Bartholomew, Chef der auf Produktentwicklung und Liefersoftware für Modefirmen spezialisierten Londoner Firma SupplyCompass. Viele Unternehmen hätten derzeit aber Lieferprobleme, vor allem bei Waren aus Asien.

Ende September berichtete die schwedische Modekette H&M von Engpässen bei der Produktion und Logistik. Konzernchefin Helena Helmersson sagte, die Situation verbessere sich zwar auf der Lieferantenseite, aber sie rechne im laufenden Quartal mit weiteren Verzögerungen. Nike-Finanzvorstand Matt Friend erklärte, die Lieferzeiten aus Asien in die USA hätten sich im vergangenen Monat auf 80 Tage verdoppelt. Auch Abercrombie & Fitch, Boohoo oder ASOS klagten über Lieferschwierigkeiten und höhere Rohstoffpreise.

Tipp für Weihnachten: Schuhe, Hosen, Jacken – alles ist noch in ausreichender Menge erhältlich. Wenn man die Wunschsneaker gerade nicht bekommt: Auch ein Gutschein kann viel Freude bereiten. Und vielleicht ist ein anderes Sneakerpaar, das erhältlich ist, genauso schön.

Kunden müsse weiter mit langen Lieferzeiten rechnen

Viele Produkte und wichtige Bauteile hängen in Häfen fest, weil diese zum Teil überlastet sind. Die Corona-Krise flaut weltweit ab, es wird mehr konsumiert und die Unternehmen kommen kaum mit der Produktion und Lieferung hinterher. Es ist derzeit ein teuflischer Kreislauf. Aber: Es droht kein Komplettleerstand, erklären Experten. Mit langen Lieferzeiten muss man allerdings weiter rechnen! Und wer die richtigen Geschenke unter den Weihnachtsbaum legen möchte, sollte sich jetzt darum kümmern. Denn noch ist die Auswahl groß. (xst/aze/reuters)