Leben wir bald auf der neuen XXL-Erde?

Leben wir bald auf der neuen XXL-Erde?
So stellen sich die Forscher die neue Erde GJ 357 d vor.

Drei neue Planeten

Gibt es in den unendlichen Weiten des Alls eine zweite Erde? Ein internationales Astronomenteam, darunter Forscher aus Göttingen, hat außerhalb unseres Sonnensystems drei neue Planeten entdeckt. Einer davon ist möglicherweise bewohnbar.

Brrrr! -53 Grad Celsius

HANDOUT - Eine künstlerische Darstellung zeigt einen erdähnlichen Planeten, der um seine Sonne kreist. US-Astronomen haben nach eigenen Angaben die bislang erdähnlichsten Planeten bei anderen Sternen entdeckt. Die beiden fernen Himmelskörper kreisen
Erdähnlicher Planet in einer künstlerischen Darstellung (Symbolfoto) © dpa, David A. Aguilar

GJ 357 d – der Name könnte unspektakulärer nicht sein. Doch hinter der Buchstaben-Zahlen-Kombination verbirgt sich ein Planet, der die Wissenschaftler in Entzücken versetzt. Denn er bietet womöglich Bedingungen für ein erdähnliches Leben. Wie die Forscher in der Zeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ berichten, umkreist er den 31 Lichtjahre entfernten Stern GJ 357, der ein Drittel der Masse und Größe unserer Sonne aufweist.

Mit einer berechneten Temperatur von -53 Grad Celsius ist es auf GJ 357 d zwar vergleichsweise eisig. Er befinde sich jedoch am äußeren Rand der bewohnbaren Zone seines Sterns, wo er von diesem etwa die gleiche Menge an Energie erhalte wie der Mars von der Sonne. „Wenn der Planet eine dichte Atmosphäre hat, die in zukünftigen Studien bestimmt werden muss, könnte er genügend Wärme einfangen, um den Planeten zu erwärmen und flüssiges Wasser auf seiner Oberfläche zuzulassen“, erklärt Ko-Autor Stefan Dreizler vom Institut für Astrophysik der Universität Göttingen.

Die Suche nach einem Planeten, auf dem Menschen leben und eine Kolonie gründen könnten, wird immer wichtiger. Einige Forscher sind überzeugt, dass wir früher oder später einen "Planet B" brauchen werden, weil die Erde irgendwann nicht mehr bewohnbar ist. Tesla-Chef Elon Musk, der das Raumfahrtunternehmen SpaceX besitzt, baut sogar schon an einer Rakete, die Kolonisten ins All bringen soll. Erfahren Sie mehr über diese Pläne in der exklusiven TVNow-Doku "Wettlauf zum Mond".

Masse beträgt mindestens das 6,1-fache der Erde

Leben wir bald auf der neuen XXL-Erde?
Alle drein Planeten kreisen um den Stern GJ 357.

GJ 357 d hat eine Masse, die mindestens das 6,1-fache der Erde beträgt. In 55,7 Tagen umrundet er seinen Stern einmal. Neben ihm kreisen außerdem die Exoplaneten GJ 357 b und GJ 357 c um den GJ 357 – jedoch mit geringerer Entfernung, deshalb ist es auf ihnen auch viel heißer. „Wir bezeichnen GJ 357 b als sogenannte heiße Erde“, erklärt Dreizler. Er habe eine berechnete Temperatur von rund 250 Grad Celsius. GJ 357 c habe eine Masse, die mindestens das 3,4-fache der Erde betrage und habe eine Gleichgewichtstemperatur um 130 Grad Celsius.

Die erste Beobachtung gelang im Februar mit Kameras des Transiting Exoplanet Survey Satellite (TESS) der US-Raumfahrtorganisation Nasa. Die Forscher entdeckten den Exoplaneten GJ 357 b, weil er in seiner Umlaufbahn den Stern teilweise bedeckt und sein Licht dadurch abschwächt. 

Mit Hilfe von bodengestützten Messinstrumenten bestätigte das Team zunächst die Existenz von GJ 357 b und stieß dabei auf zusätzliche Signale der Exoplaneten GJ 357 c und GJ 357 d, wie die Uni Göttingen berichtet.

Wie lange müssten wir GJ 357 d fliegen?

Übrigens: 31 Lichtjahre sind für astronomische Verhältnisse eine verhältnismäßig geringe Entfernung. Unsere Heimatgalaxie, die Milchstraße, hat einen Durchmesser von ungefähr 100.000 Lichtjahren. Dennoch ist die Entfernung für uns noch riesig. Die Raumsonde New Horizons etwa würde für ein Lichtjahr Strecke ungefähr 21.600 Jahre Zeit brauchen, wenn man als Messwert die Geschwindigkeit von 50.000 Stundenkilometern ansetzt, mit der sie im Jahr 2015 am Planeten Pluto vorbeiflog.