Leben in der Kältekammer Sibirien - witzige Experimente bei eisiger Kälte

38 Millionen leben in Sibirien

Es ist kalt, richtig kalt in Russlands Kältekammer Sibirien. Temperaturen unter minus 50 Grad sind keine Seltenheit und doch leben hier Menschen. Rund 38 Millionen sogar und die haben einen Weg gefunden mit der Eiseskälte zurecht zu kommen. Unsere Reporterin Gina Haubold hat sie in der sibirischen Stadt Jarkutsk besucht.

Minus 58 Grad - Kann man da überhaupt noch raus?

Glücklicherweise ist es gerade recht windstill in Yekyuchchyu, doch die Temperaturen entspannen sich erst wieder ab Donnerstag auf rund -41 Grad. Ob da in Sibirien schon Frühlingsgefühle durchkommen? Nicht auszuschließen, denn bereits zweimal sind minus 67,8 Grad gemessen worden in Werchojansk und Oimjakon. Oimjakon hält mit 71,2 Grad den Kälterekord (1926) und ist der kälteste bewohnte Ort der Erde. Da ist es nicht verwunderlich, dass Seifenblasen noch in der Luft gefrieren, Fische senkrecht gestapelt werden oder verschüttetes Kochwasser noch in der Luft zu Schnee wird. Wir haben es uns angesehen und getestet.

Trotzdem ist mit diesen Temperaturen nicht zu spaßen Dass es schnell ungemütlich werden kann, beweist ein Fall im sibirischen Irkutsk. Hier war in einem Mehrfamilienhaus ein Wasserrohr gebrochen und das Haus ist innen uns außen völlig eingefroren. 

Kinder dürfen nicht lang draußen bleiben

Bei diesen Kalttemperaturen sind einige Dinge zu beachten: Nicht ungewöhnlich ist ein Temperaturunterschied von 60 oder 70 Grad zwischen der eigenen Wohnung und draußen. Lange Aufenthalte draußen sollten es also nicht werden. So verwundert es auch nicht, dass ab -58 Grad gibt es für die Kinder "kältefrei". Bis zu -58 Grad heißt es in den Schulen: ​In einer kurzen Pause gibt es eine kleine Mahlzeit, damit der Energiehaushalt stimmt. Länger als eine halbe Stunde dürfen die Kleinen nicht raus. Sie sind noch nicht so kälteresistent, wie die Erwachsenen.

Kann die Sibirien-Kälte zu uns kommen?

Sibirien Winter Schnee
Sibirien hat gerade eine traumhafte Winterlandschaft vorzuweisen.

Wie sieht es mit einem sibirischen Kälteschub bei uns aus? Dass diese extreme Eisluft aus Zentral- oder Ost-Sibirien direkt zu uns kommt, ist glücklicherweise ziemlich ausgeschlossen. Aber natürlich gibt es in strengen Wintern auch bei uns die trocken-kalten Luftmassen aus Osten mit eisigen Temperaturen. Nachts mit zweistelligen Minusgraden und tagsüber mit Dauerfrost. 

Oftmals gehen solche Wetterlagen mit einer Schwächung des Polarwirbels einher und kündigen sich glücklicherweise schon über längere Zeiträume an. Zumal die Luft aus Sibirien lange braucht, bis sie bei uns ist. Beispielsweise liegt die westsibirische Millionen-Stadt Novosibirsk rund 5000 Kilometer östlich von Berlin. 

Kälterekord in Deutschland

Im Winter 1929 muss die sibirische Kälte definitiv auch in Deutschland gewesen sein. Denn im Februar 1929 wurde der offizielle deutsche Kälterekord aufgestellt. Und zwar in Hüll/Wolnzach in Oberbayern. Inoffiziell gibt es sogar eine noch kältere Wetterstation. Nämlich am Funtensee im Süden Bayerns. Ein im Winter unzugängliches Hochtal, in dem sich die Kaltluft über längere Zeit ansammeln kann und es so im Dezember 2001 auf einen Tiefstwert von minus 45,9 Grad brachte.