Planet rückt wieder in den Fokus

Leben auf der Venus scheint zu existieren

Die Venus ist der zweite Planet in unserem Sonnensystem.
Die Venus ist der zweite Planet in unserem Sonnensystem. © DPA

Venus ist der Zwillingsplanet der Erde

Die Venus ist einer der interessantesten Planeten in unserem Sonnensystem, doch war das wissenschaftliche Interesse in den vergangenen Jahrzehnten nicht so groß wie beispielsweise das am Mars oder dem Saturnmond Titan. Schon allein, weil sie in Größe, Masse und innerer Aufbau der Erde ähnelt ist das verwunderlich. Nur der extreme Treibhauseffekt auf der Venus macht Leben dort unmöglich. Zumindest war das die bisherige Meinung der Experten. Doch hat sich das mit einer Entdeckung plötzlich wieder geändert und unser Zwillingsplanet rückt wieder in den Fokus der Astronomen.

Monophosphan in der Atmosphäre entdeckt

The planet Venus is seen in this photograph taken by the Galileo spacecraft?s Solid State Imaging System on February 14, 1990. Picture taken February 14, 1990.   NASA/JPL via REUTERS.  THIS IMAGE HAS BEEN SUPPLIED BY A THIRD PARTY.
Ein Foto der Raumsonde Galileo von der Venus zeigt, dass das Gasgemisch in der Atmosphäre keinen Blick auf die Oberfläche zulässt. © via REUTERS, NASA, CLH/

Es war die unerwartete Entdeckung von Monophosphan (auch Phosphorwasserstoff genannt) in der Atmosphäre der Venus, die aufhorchen ließ. Es könnte ein Hinweis auf Leben sein, denn auf der Erde wird das Gas fast ausschließlich biologisch hergestellt. Das hatten Astronomen auf dem als lebensfeindlich geltenden Planeten nicht erwartet. Die Menge des Gases erstaunt die Wissenschaftler, denn sie beträgt tausend Mal soviel wie die auf der Erde und konnte bisher nur auf Jupiter und Saturn nachgewiesen werden – auf denen extreme Temperaturen und Druckverhältnisse herrschen. Auf einem Felsenplaneten wie der Venus könne das Gas allerdings nur von Lebewesen erzeugt worden sein. Die Untersuchungen müssen nun bei weiteren Berechnungen noch bestätigt werden.

Mikroorganismen in der Venus-Atmosphäre

ARCHIV - 20.10.2018, Frankreich, Kourou: HANDOUT - Die Trägerrakete Ariane 5 mit der Weltraumsonde BepiColombo an Bord startet vom Weltraumbahnhof Kourou. (zu dpa «Merkur-Sonde «BepiColombo» vor Rendezvous mit der Venus») Foto: Stephane Corvaja/ESA/d
Die Merkur-Sonde BepiColombo steht kurz vor dem Rendezvous mit der Venus. © dpa, Stephane Corvaja, pil jai cul hjb

Schon länger vermuten die Wissenschaftler, dass es Leben auf der Venus gibt. Die Experten gehen davon aus, dass es sich dabei um extrem widerstandsfähige Mikroorganismen handelt, die in den Wolken des Planeten leben – in rund 50 Kilometern über der Venusoberfläche. Diese ähnelten sehr den Biomolekülen und Mikroben auf der Erde. Die bisher noch fehlenden Fotos lassen es bisher allerdings nur als Vermutung stehen. Zukünftige Venusmissionen sollen mehr Aufschluss darüber bringen.

Die russischen Venera-Missionen waren bahnbrechend

Modelle der Venera-Missionen 7 (links) und der Venera 9 stehen als Ausstellungsstücke  im  Lavochkin Raumfahrtunternehmen in Moskau.
Modelle der Venera-Missionen 7 (links) und der Venera 9 stehen als Ausstellungsstücke im Lavochkin Raumfahrtunternehmen in Moskau. © DPA

Die bisher einzige menschengemachte Sonde, die jemals auf der Venus landete, gehörte Russland. Etliche Venera-Missionen versuchten zwischen 1963 und 1983 die Venus zu erkunden. Den abgesetzten Sonden gelang es für ein paar Minuten wichtige Daten über die Oberfläche des Gasplaneten zu gewinnen. Im Anschluss daran verblasste auch bei den Russen das Interesse immer mehr, schließlich galt die Venus als gut erkundet. Mit dem für 2025 geplanten Programm Venera D, will man an die erfolgreichen Venusmissionen anknüpfen. Kein Wunder also, dass Russland die Venus als „ihren“ Planeten ansieht“.

Merkursonde BepiColombo umfliegt die Venus

Die Sonde BepiColombo umkreist in dieser Animation den Merkur:  Auf ihrem Weg dorthin nimmt sie Tests an der Venus vor.
Die Sonde BepiColombo umkreist in dieser Animation den Merkur: Auf ihrem Weg dorthin nimmt sie Tests an der Venus vor. © deutsche presse agentur

Vor etwa zwei Jahren startete die von der europäischen Weltraumbehörde, ESA, in Zusammenarbeit mit der japanischen, JAXA, entwickelte Merkursonde BepiColombo und soll am 15. Oktober dieses Jahres an der Venus einige Tests durchführen. Die Sonde nutzt die Venus für ein Swing-By-Manöver, um Richtung und Geschwindigkeit kraftstoffsparend zu ändern. Getestet werden soll die Atmosphäre und Ionosphäre der Venus.

Auch die NASA-Sonde Parker Solar Probe ist auf dem Weg zur Sonne einige Male im Orbit der Venus unterwegs. Insgesamt sieben Mal nutzt sie die Gravitation für ein Swing-By-Manöver. Das nächste steht im Februar 2021 an. Die NASA stellt allerdings auch Überlegungen an, die Venus explizit ins Visier zu nehmen und sogar eine Landesonde zu bauen.

Heißester Planet des Sonnensystems

As it sped away from Venus, NASA's Mariner 10 spacecraft on February 7, 1974, captured this seemingly peaceful view of the planet, nearly the size of Earth, wrapped in a dense, global cloud layer. The clouded globe of Venus is a world of intense heat
Auf diesem von der NASA-Mariner-10-Sonde aufgenommenen Foto sieht die Venus sehr friedlich aus, doch der Schein trügt. © via REUTERS, NASA, CLH/

Die Venus gilt als heißester Planet des Sonnensystems mit durchschnittlich mehr als 400 Grad Celsius auf ihrer Oberfläche. Diese hohen Temperaturen erklären auch, warum es keine Ozeane gibt, denn die würden sofort verdampfen. Sie gehört zusammen mit dem Merkur zu den beiden einzigen Planeten in unserem Sonnensystem ohne eigenen Mond. Die Venus ist ein Gesteinsplanet, doch die hauptsächlich aus Kohlendioxid bestehende Atmosphäre lässt keinen Blick auf die Oberfläche zu.