Knackige Wintereinbrüche sind drin

Das Wetter im Winter 2020/2021: Das sagt die Langfristprognose der NOAA und des ECMWF

dpatopbilder - 27.09.2020, Bayern, Lenggries: Eine Gondel der Brauneckbahn fährt an einem Schneemann in der Nähe der Bergstation vorbei. Foto: Tobias Hase/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Dieser Schneemann-Schnappschuss ist nicht alt. Das Foto wurde am 27.09.2020 aufgenommen. Allerdings in den Alpen. © dpa, Tobias Hase, tha alf

Folgt auf einen kalten Herbst ein kalter Winter?

Wir sind mitten im Herbst. Und eins fällt direkt auf: Der Oktober war bisher zu kalt! Dürfen wir deshalb auf einen knackigen Winter hoffen? Vielleicht sogar auf weiße Weihnachten? Einige Langfristprognosen zeigen bereits erste Tendenzen – und die nehmen wir hier unter die Lupe.

NOAA: Ein Grad zu warm

Wir betrachten die Vorhersagen für November 2020 bis Januar 2021. Damit reichen wir bis weit in den Winter 2020/2021. Die experimentelle Langfristprognose der NOAA zeigt für diesen Zeitraum, dass Westeuropa inklusive Teilen Deutschlands ein bisschen zu warm werden könnte – allerdings nur ein Grad.

Wie wird das Wetter im Winter 2020/2021?
Temperaturabweichungen vom Durchschnitt nach der amerikanischen Wetterbehörde NOAA: zu warme Regionen in Westeuropa inklusive Teilen Deutschlands. Betrachtet wird der Zeitraum November bis Januar (Quelle: cpc.ncep.noaa.gov).

Zum Vergleich ziehen wir die Berechnungen von anderen Wettercomputern heran.

Das ECMWF-Modell: Zu warmer Osten Deutschlands

Hinter den Wetterprognosen stecken Computerberechnungen. Dafür gibt es verschiedene „Systeme“ oder „Modelle“, wie Meteorologen sagen. In Europa benutzen wir oft das ECMWF-Modell. Auch damit können wir inzwischen weit in die Zukunft gucken:

Hier betrachten wir stellvertretend den Dezember 2020. Auch das ECMWF-Modell zeigt zu warme Regionen in Deutschland – diesmal allerdings in der Osthälfte des Landes.

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Temperaturabweichungen vom Durchschnitt nach dem europäischen Wettermodell ECMWF für Dezember 2020. Der Osten Deutschlands wäre demnach wärmer als im langjährigen Mittel (Quelle: www.ecmwf.int).

Fazit: Der Winter 2020/2021 hat Potenzial

Die zwei betrachteten Langfristprognosen widersprechen sich teils deutlich. Das trifft besonders für Deutschland zu. Nach dem ECMWF-Modell würde Ostdeutschland zu warm werden, nach den NOAA-Berechnungen der Westen Deutschlands. Einmal mehr zeigt sich, wie unsicher langfristige Wetterprognosen sind.

In einem Punkt sind sich beide Wettermodelle einig. Die Temperaturabweichungen liegen nur 1 Grad über dem Durchschnitt. Das ist nicht viel und lässt immer noch auf knackige Wintereinbrüche hoffen.

Weiße Weihnachten gab es übrigens zuletzt im Jahr 2010. Damals war der Oktober auch zu kalt...

Warum gibt es überhaupt Langfristvorhersagen?

Die experimentellen Langfristprognosen haben ihre Berechtigung und auch ihre Grundlage eher im Bereich der Energiewirtschaft. Hier ist es wichtig, im Vorfeld längerfristige Trends im Bereich der Temperaturen zu sehen und auf diese zu reagieren. Insofern sind sie durchaus tauglich, um längerfristige Tendenzen darzustellen.

Was man ihnen nicht entnehmen kann, das sind detaillierte Vorhersagen für bestimmte Tage, zum Beispiel, wie das Wetter an Silvester wird. Denn diese Art von Wetterprognosen, die wir aus den täglichen Wetterberichten kennen, ist natürlich für alle meteorologischen Parameter auch nur für einige Tage verlässlich möglich. Je nach Wetterlage sind das maximal drei bis neun Tage.

Rückblick zeigt einen steilen Aufwärtstrend: So haben sich die Temperaturen im Herbst entwickelt

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Herbstmitteltemperatur in Deutschland in den Jahren von 1960 bis 2019 (in Grad Celsius)

Der Trend ist deutlich. Seit den 2000er Jahren werden die durchschnittlichen Temperaturen im Herbst höher. Ein Durchschnittswert für den Herbst ist natürlich nicht besonders aussagekräftig: Der September hat oft noch Sommerniveau, im November schneit es schon mal. Zum Vergleichen sind diese Statistiken aber wichtig.

Die durchschnittlichen Niederschlagsmengen im Herbst

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Herbstniederschlagshöhe in Deutschland in den Jahren von 1960 bis 2019 (in Liter pro Quadratmeter)

Seit dem Rekordhitzejahr 2003 haben sich die Niederschläge im Herbst wieder auf das übliche Niveau eingependelt. Im Herbst kommen im Durchschnitt 176 Liter pro Quadratmeter zusammen. Der Oktober ist von den drei Herbstmonaten der niederschlagärmste Monat.

Wer’s genauer wissen will: Die Klimadaten für Deutschland

Herbst ist nicht gleich Herbst und Klima nicht gleich Wetter

Um festzustellen, ob es zu warm oder zu kalt und zu nass oder zu trocken ist, vergleichen wir die Werte immer mit dem Klimamittel. Das zeigt uns das durchschnittliche Wetter in einem Zeitraum von 30 Jahren an. Der aktuelle Klimavergleich-Zeitraum ist von 1961 bis 1990. Außerdem ist beim Vergleich der Jahreszeiten zu beachten, dass der meteorologische Wechsel der Jahreszeiten bereits rund drei Wochen vor dem kalendarischen Wechsel stattfindet. 

Der Hauptgrund liegt in der exakten Vergleichbarkeit der Jahreszeiten. Denn während der kalendarische Wechsel vom Stand der Sonne abhängig ist und somit einige Tage oder Stunden schwanken kann, so ist der meteorologische Jahreszeitenwechsel festgelegt auf den jeweiligen Monatsersten. Dementsprechend beginnt der Herbst meteorologisch gesehen immer schon am 1.September und der Winter am 1.Dezember. Analog ist es für den Frühling und den Sommer.

So verläuft der Herbst in Deutschland normalerweise

Die durchschnittliche Temperatur, das sogenannte Temperaturmittel, liegt im Herbst in Deutschland bei knapp neun Grad. Und natürlich sind hierbei auch im Herbst vorübergehend schon mal Tageshöchsttemperaturen im sommerlichen Bereich über 25 oder sogar über 30 Grad denkbar. Generell sorgen aber die länger werdenden Nächte für mehr Abkühlung und die kürzer werdende Tage für weniger Aufheizung. 

Selbst sommerliche Luftmassen aus südlichen Breiten haben es somit schwer, sich auf ähnliche Temperaturen wie im Sommer aufzuheizen. Die Sonne bringt es hierbei in unseren Breiten in den Monaten September, Oktober und November im Durchschnitt insgesamt auf an die 340 Betriebsstunden. Dabei fallen im langjährigen Durchschnitt knapp 180 Liter Regen pro Quadratmeter.

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