Läuse, Spinnen und Zecken im Weihnachtsbaum: Diese Insekten holen wir uns mit der Tanne ins Haus

Kind schmückt Weihnachtsbaum
Oh, du fröhliche Krabbelei: Jedes Jahr laden wir Horden an Krabbel-Wesen in unsere Wohnstuben ein. © iStockphoto, iStock, RyanJLane

Spinnennest-Alarm: Familie Bott warf den Baum sofort aus dem Fenster!

Millionen Haushalte holen sich jedes Jahr riesige Insekten-Populationen ins Wohnzimmer - im Weihnachtsbaum. Bianca Bott aus dem hessischen Neuberg zum Beispiel bemerkt letztes Jahr bloß durch Zufall ein paar freilaufende Spinnen auf dem Wohnzimmerboden, direkt vor dem Weihnachtsbaum.

Erst als sie den Stamm genauer betrachtet, sieht sie den schwarzen Fleck. Mit einer Taschenlampe erkennt sie schließlich, was sich im Baum verbirgt: Ein Spinnennest. Immer mehr Tiere krabbeln heraus und breiten sich in den Ästen des Baumes aus. Familie Bott reagiert sofort: Fenster auf und ab mit dem Baum vom zweiten Stock direkt in den Garten. "Wir sahen keine andere Möglichkeit, es waren einfach schon zu viele Spinnen. Wir waren froh, es noch so früh bemerkt zu haben." 

Studie der Universität Bergen in den sozialen Medien

Kein Wunder also, dass in der Vorweihnachtszeit in den Sozialen Medien immer wieder diese Studie des norwegischen Universitätsmuseums in Bergen auftaucht, die besagt: Mit dem Weihnachtsbaum besiedeln wir jeden Winter unsere guten Stuben mit einer Riesen-Horde von krabbelnden Vielbeinern.

Denn Insektenforscher Bjarte Jordal hatte 2012 und 2016 ermittelt, wieviele Insekten in einem durchschnittlichen norwegischen Weihnachtsbaum hausen. Er kam je nach Größe auf die stattliche Zahl von bis zu 25.000 Insekten pro Baum. Springschwänze, Rindenläuse, Milben, Motten - und sogar Zecken kann der festliche Baum seiner Studie zufolge in Norwegen beherbergen.

Förster Josef Eichler: „Mit etwas Glück gibt es sogar einen Schmetterling zu Weihnachten“

Und in Deutschland? Josef Eichler, Förster an Peter Wohllebens Waldakademie, weiß: "Insekten, die man sich mit Fichten und Tannen ins Haus holt, sind zum Beispiel Fichtenröhrenläuse und Weißtannentriebläuse und Milben, zum Beispiel als Fichtenspinnmilbe. Wobei letztere meist in Eier-Form an den Zweigen überwintern, in einigen Fällen im Larvenstadium."

Aber in diesem Jahr muss auch mit einem Gast gerechnet werden, der den Bäumen in den dürren Sommern von 2018 und 2019 besonders zugesetzt hat: "Es werden mit Sicherheit auch einige Borkenkäferarten in ihren Entwicklungsstadien zwischen junger Larve und fertigem Käfer ins Wohnzimmer einziehen. Das wird nach den letzten zwei Jahren und der aufgetretenen Massenvermehrung nicht ausbleiben."

In Sachen Zecken hat Eichler allerdings keine Bedenken, denn: "Zecken überwintern meist im oder am Boden und selten am Baum." Die Rückstände von Pestiziden, die gerne in Weihnachtsbaumplantagen eingesetzt werden, bereiten ihm da mehr Kopfzerbrechen. Sein Rat: "Wer eine unbedenkliche und unbeschwerte Zeit unterm Baum verbringen möchte, der sollte sich von der Kultur einen 'Biobaum' oder eine Fichte beziwehungsweise Tanne aus dem Wald besorgen. Vielleicht gibt es dann auch einen Schmetterling im Weihnachtsbaum!"

Frisch geschlagene Bäume auf Spinnennester untersuchen!

Frischer Weihnachtsbaum
Bei frisch geschlagenen Bäumen sollten Sie vielleicht doch mal checken, ob es ein Spinnennest gibt, bevor Sie den Baum aufstellen. © Blueline studio (Blueline studio (Photographer) - [None], iStock, Stefan Nikolic

Saskia Blümel vom Bundesverband der Weihnachtsbaumerzeuger rät allerdings bei frisch geschlagenen Bäumen: "Wenn sie direkt vom Feld kommen, sollte man durchaus genau gucken, ob es dort Spinnennester gibt. Die Kulturbäume im Baumarkt oder von anderen Märkten sind unproblematischer, da sie schon eine Zeit lang warm und trocken standen."

Wer seinen Baum zumindest äußerlich etwas insektenfreier haben will, kann ihn in der Garage oder im Keller in einen Eimer Wasser stellen und nach drei Tagen kräftig durchschütteln und ausklopfen, bevor er in die gute Stube kommt." Grundsätzlich gilt aber: "Weihnachtsbäume sind nun mal Naturprodukte. Sie können Sie schlecht mit Insektiziden behandeln, bevor Sie sie aufstellen."