Elia Meyer kuschelt mit Fremden

Profi-Kuschlerin: "Zu mir kommen hauptsächlich Männer"

Junge Frau lehnt ihren Kopf an die Schulter eines jungen Mannes
Kuscheln ist für die meisten Menschen ein absolutes Grundbedürfnis. (Symbolbild) © Robert Kneschke - Fotolia, Robert Kneschke

Die Kuschel-Profis

Kuscheln ist für die meisten Menschen ein absolutes Grundbedürfnis, aber nicht alle haben das Glück, einen Partner zum Kuscheln zu haben. Wer sich nach Berührungen und Streicheleinheiten sehnt, findet Hilfe bei Elisa Meyer. Sie gründete die „Kuschel-Kiste“, eine Vereinigung, in der professionelle „Kuschler“ einsame Menschen zum Kuscheln einladen – ohne sexuelle Hintergedanken. Aber wie ist das eigentlich so? Welche Menschen nehmen diese Dienstleistung in Anspruch? Und wird das auch für andere „Zwecke“ missbraucht? Wir haben mit Elisa Meyer darüber gesprochen.

Agentur gegründet

„Ich habe vor 6 Jahren im Internet gelesen und in den Medien gehört, dass es in den USA professionelles Kuscheln gibt und Kuscheltherapie. Das hat mich irgendwie fasziniert“, erzählt Elisa Meyer im Gespräch mit RTL. Sie macht eine Ausbildung in den USA, gestaltet eine Webseite. Das Angebot funktioniert. Es kommen immer mehr Kunden, aber auch Menschen, die selbst zum Profi-Kuschler werden wollen. Der Grundstein für eine Agentur ist damit gelegt: „Ich hab gedacht, ich könnte den Leuten auch helfen, in dem ich Wissen vermittle, dass ich gesammelt habe. So kam die Idee, das zu starten.“ Aber wer kommt überhaupt zu ihr, um sich kuscheln zu lassen?

Es kommen hauptsächlich Männer

Zu Elisa Meyer kommen hauptsächlich Männer. Sie schätzt den Anteil auf 70%. „Was immer das gleiche ist, ist die Tatsache, dass sich die Männer einsam fühlen und niemanden zum Reden haben. Es gibt niemanden, der sie in den Arm nimmt, ihnen zuhört, sie streichelt. Das ist etwas, dass sie dann nachholen.“ Meistens erzählen die Männer ihr, dass sie sich nach einer Beziehung sehnen, aber zu schüchtern seien oder nicht wissen, warum es damit nicht funktionieren würde. „Der Mann ist natürlich super aufgeregt, wenn es los geht“, erzählt Meyer, aber das würde sich schnell legen. Sie merkt dann wie sich die Anspannung der Männer löst. Aber was, wenn sich ein Mann zu wohl fühlt und sich an intime Stellen schmiegt?

Keine negativen Erfahrungen

„Wir unterschreiben beide vorher einen Vertrag, an den wir uns beide zu halten haben“, erklärt Meyer. Darin ist unter anderem auch festgehalten, an welchen Stellen Berührungen erlaubt sind. In seltenen Fällen käme es auch vor, dass die Grenzen überschritten werden. Da reiche dann aber auch oft eine dezente Zurückweisung. Negative Erfahrungen habe sie bisher noch keine gesammelt, sagt Meyer. Profi-Kuschler sind im Übrigen auch nicht ausschließlich Frauen, auch Männer bieten die Dienstleistung an. Goran L. ist einer von ihnen.

Männer sind weniger gefragt

"Ich bin generell ein Mensch, der keine Berührungsängste hat. Das wurde mir quasi in die Wiege gelegt", erzählt der 51-Jährige im Gespräch mit "Heute.at". Er ist derzeit Österreichs einziger männlicher Profi-Kuschler der "Kuschelkiste". Für 70 Euro pro Stunde schmiegt sich Goran auch an Fremde, sexuelle Handlungen sind auch bei ihm dabei tabu. Zu ihm kommen hauptsächlich Frauen. Insgesamt aber kuscheln Frauen dennoch eher mit Frauen, sagt Meyer.

Männer sind weniger gefragt. Goran hat seit 2018 dennoch rund 30 Sitzungen abgehalten: „Meine Kundinnen sind oft Frauen ab 30 Jahren, die einsam sind, weil sie längere Zeit keinen Partner hatten. Aber auch Frauen mit Partner, die sich nach bestimmten Berührungen sehnen", erzählt er „heute.at“. Und auch wenn sexuelle Handlungen ausgeschlossen sind, kann es durchaus passieren, dass Goran auch mal auf „falsche“ Gedanken kommt.

Wenn die Lust kommt, wechselt man die Position

"Wenn mich eine plötzliche Lustwelle überkommt und sich das auch körperlich bemerkbar macht, dann wechsle ich die Körperposition oder plaudere ein bisschen. Dann komme ich da ganz schnell wieder raus“, verrät er.

Und das ist auch wichtig, denn die Profi-Kuschler wollen ihren Job natürlich seriös ausführen. Einsame Menschen, die durch die Ausbildung ihren eigenen Kuschelbedarf erhöhen wollen, schickt Elisa Meyer deshalb auch schnell wieder nach Hause. (xst)