Wo geht unser Winter hin?

Krasser Wetterwechsel: Atlantiktief schlägt Polarwirbel

Atlantiktiefs schicken den Winter zurück nach Russland

Es scheint sich richtig eingewintert zu haben. Der Schwarzwald aktuell im Dauerschneefall und jetzt folgen ein paar eiskalte Nächte. Auch wenn die Ausgangslage kaum winterlicher sein könnte, so trügt der Schein. Schon bald schon wird die Wetterlage kippen. Die Atlantiktiefs gewinnen an Kraft und schicken die Winterluft zurück nach Russland. Bei uns folgen Tauwetter mit bis zu 10 Grad, steigende Pegelstände an den Flüssen und Sturmgefahr. Wir sprechen mit dem RTL-Meteorologen Björn Alexander über die Turbulenzen in der Wetterküche.

Oben im Video sehen Sie den Strömungsfilm: Der Wind dreht zunehmend auf West.

Kollabierter Polarwirbel kann gute Ausgangslage nicht retten

RTL-Meteorologe Björn Alexander: „Derzeit liegen wir im Bereich von kalter Polarluft. Ein bisschen weiter östlich streift sogar richtig eisige Winterluft aus Sibirien. Eigentlich eine gute Ausgangslage für alle Winterfreunde, da der Hochwinter damit gar nicht so weit weg ist. Zudem sprach vor ein paar Tagen auch noch vieles dafür, dass sich die Winterluft weiter nach Deutschland vorarbeiten und einnisten könnte. Doch inzwischen sind alle namhaften Wettermodelle auf den Zug der Milderung aufgesprungen. Daran ändert auch der inzwischen total kollabierte Polarwirbel nichts.”

Der Blick ins Wetterlexikon: Das ist der Polarwirbel.

Wo geht die Winterluft denn jetzt hin?

Björn Alexander: „Die Hochwinterluft wird ab Montag von Westen bis weit nach Russland zurück geblasen und die Schneefallgrenze steigt vorübergehend auf über 1000 Meter. Südosteuropa bekommt derweil einen kurzen Winterstreifschuss, bevor sich die letzte europäische Winterbastion in Skandinavien bildet. Vor hier aus könnte die Kälte natürlich wieder zu uns zurückkommen. Vor Ende nächster Woche wird das aber sicherlich nicht passieren.”

Der Winter macht sich rar - vorerst

 Weather feature: Cyclist in onset of winter with 50cm of fresh snow, Wintereinbruch mit 50cm Neuschnee in Marktoberdorf, Bavaria, Germany, January 14, 2021.
50 Zentimeter Neuschnee in Bayern. Das ist bald vorbei. Doch geschlagen geben wird sich der Winter 2020/2021 noch nicht. © imago images/Action Pictures, via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Aus Schnee wird Regen: Wie viel Regen bringt der Januar 2021 noch?

Björn Alexander: „Wenn es so kommt, wie es das Amerikanische Wettermodell es momentan beispielsweise für die zweite Januar-Hälfte berechnet, dann wären es im Osten Deutschlands 40 bis 60 Liter pro Quadratmeter. Ansonsten verbreitet 60 bis an die 100 Liter. In den Staulagen der Mittelgebirge und insbesondere am Schwarzwald bis zu 150 Liter. Allerdings ist natürlich fraglich, ob es nicht zwischendrin im Bergland wieder öfter für Schnee reichen wird. Dann hätten wir zumindest mal eine kurze Zwischenspeicherung des Wassers.”

Das Bild zeigt den RTL-Meteorologen Björn Alexander
RTL-Meteorologe Björn Alexander schließt auch ein Hochwasser nächste Woche nicht ganz aus. © wetter-ressort

Ist damit auch Hochwasser möglich?

Björn Alexander: „Nächste Woche werden die Pegelstände sicherlich deutlich ansteigen. Da aber die Ausgangslage jetzt vielerorts entspannt ist, haben die Flussbette auch noch viel Platz. Aber gerade am Rhein und seinen Nebenflüssen oder an der Donau wird bei Tauwetter und Regen einiges an Wasser hinzukommen. Auf jeden Fall werden die Flüsse deutlich anschwellen. Gleichzeitig kommt in die Atmosphäre ebenfalls Bewegung. Der Wind legt weiter zu und selbst eine richtige Sturmlage ist nicht ganz auszuschließen.”

Unsere Wettertrends und Langfristprognosen

Sollten Sie Interesse an weiteren Wetter-Themen haben, so können wir Ihnen den 7-Tage-Wettertrend ans Herz legen mit der Wetterprognose für die kommende Woche. Dieser wird täglich aktualisiert. Falls Sie weiter in die Zukunft schauen möchten, ist der 42-Tage-Wettertrend eine Option. Dort schauen wir uns an, was auf uns in den kommenden Wochen zukommt. Vielleicht brauchen Sie aber auch unsere Langfristprognose von ECMWF und NOAA.

Damit Sie auch unterwegs kein Wetter mehr verpassen, empfehlen wir unsere wetter.de-App für Apple- und Android-Geräte.

Wetter und Klima in der Mediathek

Mega-Hitze und große Trockenheit - und viele fragen sich: Wird Deutschland bald zum Wüstenstaat? Wie viele Dürre-Sommer hintereinander können wir eigentlich noch verkraften? Hier geht es zur DOKU - Wüstenstaat Deutschland?​