Korallen: Bedroht von warmem, saurem Meerwasser

Versauerung der Meere schädigt Korallen

Die Erderwärmung und das Klimaphänomen El Niño schädigen auch die wunderschönen, bunten Korallen. Wird das Wasser zu warm, produzieren die in den Korallen eingelagerten Algen Giftstoffe und werden abgestoßen. Übrig bleibt das weiße, aus Kalk bestehende „Skelett“ der Korallen. Die 2014 gestartete weltweite sogenannte Korallenbleiche werde bis weit in das Jahr 2017 hinein anhalten, schätzt die US-Klimabehörde NOAA.

Korallen und Klimawandel
CO2 und Wärme greifen Korallen an © Tobias Helbig

Aber nicht nur die erhöhte Temperatur, sondern auch die Versauerung des Meerwassers durch Kohlendioxid (CO2) -Aufnahme trägt zur Zerstörung Korallen bei. „Das ist nicht länger eine Zukunftsangst; das ist die heutige Realität“, sagt Rebecca Albright von der Carnegie Institution for Science in Stanford, die mit weiteren Wissenschaftlern eine entsprechende, im Fachjournal „Nature“ veröffentlichte Studie im australischen Great Barrier Reef durchgeführt hat. Etwa ein Viertel des menschengemachten Kohlendioxids (CO2) werde derzeit jährlich von weltweiten Ozeanen aufgenommen, schreiben die US-Forscher.

Auch Korallenriffe sind Verlierer der globalen Erwärmung

CO2 und Korallen
Saures Wasser mögen Korallen gar nicht gerne.

Wenn CO2 aus der Luft in das Meer gelangt, steigt der Säuregrad des Wassers. Im sauren Wasser kommen weniger Karbonat-Ionen vor, die zum Aufbau der Kalkskelette der Meerestiere nötig sind. Selbst wenn der CO2-Gehalt in der Luft sinkt, bleibt das Wasser vorerst sauer: „Wenn das versauerte Wasser durch die großen Strömungen einmal in die Tiefe transportiert worden ist, ist es dort für viele Jahrhunderte außer Reichweite, ganz egal wie viel CO2 aus der Luft entfernt wird“, hatte Mitautor und Albrights Kollege Ken Caldeira anlässlich einer älteren Studie bereits betont.

Dem US-Team um Rebecca Albright ist nun erstmals gelungen, die Auswirkung der Versauerung in freier Natur zu beobachten. Für ihre Studie wählten die Forscher die Lagunen des One Tree Reefs, die im südlichen Great Barrier Reef liegen. Diese sind während der Ebbe vom offenen Meer getrennt; das Wasser fließt dann lediglich von einer höher gelegenen Lagune in eine niedrigere. Die Forscher gaben alkalisch wirkendes Natriumhydroxid und ein Färbemittel in das Wasser der ersten Lagune und entsäuerten es so auf eine Wasserqualität, wie es sie vor mehr als 200 Jahren gab. Innerhalb von drei Wochen, so die Forscher, wuchsen die Korallen um etwa sieben Prozent stärker als zuvor.

Aber dies kann leider nicht mit den gesamten Weltmeeren gemacht werden. Die australische Meeresforscherin Janice Lough der James Cook University in Townsville prophezeite, dass die Schäden an den Korallenriffen auch mit den neu gesetzten Klimazielen der UN-Klimakonferenz in Paris nicht zu beheben sein werden: „Wir können die Zeit für die Ökosysteme der tropischen Korallenriffe dieser Welt nicht zurückdrehen; wir haben sie bereits einer wärmeren und saureren Zukunft überlassen.“