Kommt so ein Monsun jetzt jedes Jahr?

Christian Häckl
Christian Häckl erklärt uns den schwül-warmen Sommer

Wie entwickelt sich das Wetter in Deutschland - Christian Häckl im Interview

Sommer 2011 - ein Angriff des Killerregens? Diese Frage scheint man sich aufgrund durchweichter Zeltwände und nasser Füße immer wieder zu stellen.

Kühle und nasse Sommer haben wir in den vergangenen Jahren immer wieder erleben müssen. In diesem Jahr kommt zu gewaltigen Regenmengen noch das Phänomen "Schwüle Wärme" dazu. So fühlt sich ein Spaziergang durch den Bayerischen Wald schnell an wie ein Ritt durch den Monsun. Wie geht das weiter mit den Sommern in Deutschland, müssen wir uns auf tropische Verhältnisse einstellen? Dazu haben wir den Meteorologen Christian Häckl befragt.

„Vom Winde verweht“

Monsun in Deutschland – kann man das aufgrund der Rekord-Niederschlagsmengen so sagen?

Christian Häckl: Schwierig, weil Monsun bedeutet definitionsgemäß, dass die Hauptwindrichtung zweimal im Jahr wechselt. Bei uns sind aber immer westliche Winde vorherrschend. Man kann bei sehr heißen Frühsommern (mit einem heißen Mai und heißem Juni) und anschließendem verregneten Hochsommer von „monsunähnlichen“ Verhältnissen sprechen – und zwar dann, wenn sich der gesamte europäische Kontinent zuerst aufgeheizt hat, und dann die feuchten Westwinde durchbrechen. Das war aber in diesem Frühsommer nicht so richtig erfüllt, weil er einfach nicht warm/heiß genug war.

Müssen wir in Deutschland in den nächsten Jahren mit ähnlich nassen Sommern rechnen?

Christian Häckl: Nein, nicht zwangsläufig. Dieser Sommer hat wieder einmal gezeigt, dass Langfristprognosen immer noch ziemlich schwierig bis unmöglich sind – man denke nur an die Vorhersagen in den Boulevardblättern von „40 Grad“ und „Durstsommer“ usw. Statistisch ist auffällig, dass nach extrem trocken-warmen Frühjahrsmonaten (2007, 2009 2011), oft sehr feuchte Juli oder sogar insgesamt feuchte Hochsommer folgen. Also schauen wir mal was das Frühjahr 2012 macht.

Was ist der Grund für dieses Wetterdesaster?

Christian Häckl: Die Ursache ist relativ einfach: die Westwinde über dem Atlantik sind in diesem Sommer recht kräftig und damit schafft es kein Hoch über Mitteleuropa sich länger festzusetzen – die kleinen Zwischenhochs werden quasi vom Westwind verweht. Daher dehnt sich das Azorenhoch leider lieber Richtung Grönland aus – und versorgt uns mit kühlen Nordwestwinden, wie z.B in dieser Woche.

Ist der Klimawandel an der veränderten Wetterlage – Trockenheit im Frühjahr, Niederschlagsrekorde im Juli - schuld?

Christian Häckl: Das Wetter im Frühjahr hat sich in den vergangenen 10 Jahren dramatisch gewandelt hin zu trocken und warm, etwas überspitzt formuliert, ist vor allem der April vom Spätwinter- zum Frühsommermonat mutiert. Aber 10 Jahre sind noch kein klimatisch relevanter Zeitraum, das kann sich jederzeit wieder umkehren. Beispiele für solche dramatischen Änderungen , die sich nach einer gewissen Zeit wieder normalisieren, sind u.a. die häufigen, starken Stürme der 90er Jahre, die seither bei weitem nicht mehr so oft aufgetreten sind oder die dramatischen Winterhochwässer am Rhein von 93, 95, 96 – seither ist aber Ruhe im Karton…

Spielt das Wetter in diesem Jahr weltweit so verrückt?

Christian Häckl: Kann man so nicht sagen, außergewöhnlich sind Rekordtemperaturen in Teilen Sibiriens und die Hitzewelle in den USA – dafür gab es letztes Jahr den Rekordsommer im Westen Russlands.

Wie sieht die Wetterzukunft in Deutschland aus?

Christian Häckl: Die Klimamodelle gehen ja neben steigenden Temperaturen von eher feuchteren Wintern und und eher trockeneren Sommern in Deutschland aus – zudem sollte die Trockenheit auch eher den Osten betreffen. Genau das beobachten wir aber derzeit nicht. Theoretisch müssten sich die Westwinde in Zukunft eher abschwächen, weil sich die Arktis im Zuge der Klimaerwärmung schneller erwärmt als die äquatornahen Gebiete. Dadurch werden die Temperaturgegensätze zwischen polaren und subtropischen Breiten geringer und die ausgleichenden Westwinde (vor allem im Sommer) insgesamt schwächer. Das würde dann ein eher kontinentaleres Klima bedeuten, mit heißeren und trockeneren Hochsommern, so wie 2003, 2006, 2010. Also ich würde diesen eher miesen Sommer nicht überbewerten.