Wir finanzieren seine Waffen

Was wir ALLE tun können, um Putins Krieg zu stoppen

ein Kommentar von Oliver Scheel

Mit der Nutzung von russischem Gas und Öl finanzieren wir Europäer den Krieg Wladimir Putins gegen die Ukraine. Daher ist kaum eine Frage derzeit drängender als diese: Wie emanzipieren wir uns von russischen Rohstoffen? Wie also können wir die Abhängigkeit von Putins Bodenschätzen so schnell wie möglich beenden? Wir müssen mit Volldampf in Richtung erneuerbare Energien fahren – ohne bürokratische Hindernisse. Aber: Um den Geldfluss nach Russland schon kurzfristig zu verringern, kann jeder etwas tun.

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20 Jahre verschlafen und naiv an "Wandel durch Handel" geglaubt

 Demonstration against the Russian invasion in the Ukraine at the Odeonsplatz in Munich on March 3rd 2022 On March 3nd, 2022 2,000 people gathered at Odeonsplatz in Munich, Germany to protest against the Russian invasion in the Ukraine and to show th
Unsere Gas- und Öl-Importe finanzieren Putins Krieg gegen die Ukraine. Aber wir können etwas dagegen tun.

Klar ist, die Regierungen der letzten 20 Jahre haben es völlig verschlafen, unser Land fit für die Zukunft zu machen. Kohlelobbyisten und ein unerschütterlicher Glauben an ein „Weiter so“ haben den Wandel hin zu einer Wirtschaft aus regenerativen Energien ausgebremst. Dazu hat die EU aus heutiger Sicht fatalerweise daran geglaubt, man könne russische Machtbestrebungen allein durch Handel in Schach halten.

Seit der russischen Invasion in der Ukraine ist aber nichts mehr wie es war und die neue Regierung unter Olaf Scholz (SPD) muss im Rekordtempo die Abhängigkeit von russischen Rohstoffen beenden. Das Gute daran: Der Instrumentenkasten dazu ist gar nicht so schlecht. Aber wir müssen nun wirklich loslegen – und zwar an allen Ecken und Enden.

Die Energiewende kostet viel Geld – aber alles andere wird noch viel teurer

Die Wende muss allumfassend sein: Autobauer zu Handwerkern

 Porsche Werk Leipzig Produktion im Porsche Werk Leipzig Sachsen. Ein Monteur trägt dabei im Rahmen eines Pilot-Projektes ein Exo-Skelett der Firma Otto Bock, welches die Arbeit erleichtern soll.
Monteure der Autoindustrie könnten helfen, den Fachkräftemangel beim Heizungsbau zu lindern.

„Wir müssen im Zeitraffer aufholen, was wir verschlafen haben“, sagt Martin Pehnt, Geschäftsführer des Instituts für Energie- und Umweltforschung (ifeu) in Heidelberg. Dazu benötigen wir eine ganz neue Infrastruktur. „Wir brauchen die Wende in den Köpfen“, wie er es formulierte. Laut Pehnt wurden im vergangenen Jahr noch 50.000 Öl-Heizungen verkauft. Ein Irrsinn. Denn die Zukunft beim Heizen ist weder Öl noch Gas. Es ist die Wärmepumpe.

Zur Wende in den Köpfen gehört auch, dass wir uns gesellschaftlich verändern. Handwerk ist Trumpf. Ohne Tausende neue Handwerker werden wir die Aufgabe nicht oder viel zu spät meistern, möglichst viele Gebäude zu dämmen und die nötigen Wärmepumpen einzubauen. Pehnt schlägt dazu vor, Arbeiter aus der Autoindustrie umzuschulen, denn: “Das Handwerk ist der Flaschenhals.“

Auch Änderungen im Asylrecht oder ein Praxisjahr in der Schule könnten dem Fachkräftemangel entgegenwirken.

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Bürokratie-Abbau muss her: Corona hat es vorgemacht

PRODUKTION - 07.02.2022, Schleswig-Holstein, Reußenköge: Windenergieanlagen stehen auf einem Feld. Kann der Mensch bei den verheerenden Veränderungen von Klima und Artenvielfalt auch ein Agent des Wandels im positiven Sinne sein? Diese Frage beleucht
Die Genehmigungsverfahren von Windenergieanlagen sind in Deutschland absurd lang.

Denn der Klimawandel macht keine Pause, nur weil Putin Krieg in der Ukraine führt. Vielleicht schafft es dieser Krieg nun aber, unsere Politik endlich zu entschlossenem Handeln zu bringen. Denn die Genehmigungsverfahren und die Bürokratie sind der größte Bremsklotz bei der Transformation zu einer CO2-neutralen Wirtschaft.

Oder, wie es Michael Sterner von der OTH Regensburg sagte: „Wie kann es sein, dass es in Bayern 5 bis 10 Jahre dauert, bis ein Windrad gebaut werden kann?“ Hier hat die Corona-Pandemie gezeigt, dass Genehmigungsverfahren auch viel schneller durchgewunken werden können. Bürokratieabbau, beziehungsweise die Beschleunigung von Verfahren, würden dem Klima helfen und der Finanzierung des Krieges in der Ukraine die Grundlage entziehen.

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Wir brauchen eine Solarpflicht

ARCHIV - 02.02.2022, Brandenburg, Potsdam: Auf den Dächern der Wohngebäude der ProPotsdam in der Konrad-Wolf-Allee 15 bis 61 der Wohnsiedlung Drewitz ist eine Photovoltaik-Mieterstromanlage mit 588 Modulen auf einer Fläche von 1055 Quadratmetern inst
Photovoltaik-Mieterstromanlage in Potsdam. Eine Solarpflicht würde billigen Strom auf den Markt bringen.

Eine besondere Rolle bei der Energiewende kommt der Photovoltaik zu. Denn die ist mittlerweile so billig und effektiv geworden, dass sie Kohle und Gas rein ökonomisch aussticht. Außerdem: Photovoltaik hat nach ein bis zwei Jahren schon die Energie wieder rausgeholt, die bei der Erzeugung der Solarpaneele reingesteckt wurde.

Deutschland hat Dachflächen ohne Ende. Eine Solarpflicht würde das Land mit unfassbar viel Energie versorgen. Wenn jeder Supermarkt-Parkplatz ein Dach mit Solarpaneelen hätte, stünde das Auto im Sommer nicht nur im Schatten, die Dächer würden auch Strom produzieren.

Was können wir kurzfristig tun? Tempolimit, Heizung runter, Pulli an

Blick auf das leere Autobahnkreuz Duisburg-Kaiserberg. Wegen der Ölkrise wurde am 02.12.1973 zum zweiten Mal ein sonntägliches Fahrverbot verhängt.
Eher symbolisch, aber mit großer psychologischer Wirkung: Der autofreie Sonntag. Die Menschen würden sehen, dass es auch mal ohne Auto geht.

Langfristig muss die Energiewende die Abhängigkeit von russischen Rohstoffen beenden. Doch auch schon kurzfristig können wir einiges tun. Energieexperte Pehnt erinnert an die erste Öl-Krise 1973: „Damals haben wir auf Energiesparen gesetzt. Ein Grad Absenkung der Heiztemperatur bringt 6 Prozent Einsparung des Verbrauchs“, rechnet er vor.

Damit könnten wir nicht nur den Gas-Verbrauch reduzieren, sondern auch unser Portemonnaie schonen. Es sind viele kleine Maßnahmen, die in der Summe einen hohen Effekt haben. „In Japan wurden nach dem Reaktorunglück von Fukushima 15 Prozent des Stroms durch verhaltensgesteuerte Maßnahmen eingespart“, so Pehnt. Mit „Pullis gegen Putin“ also. Auch kürzer duschen hilft.

Und: Ein Thema, das in keinem Land so kontrovers diskutiert wird wie in Deutschland, muss erneut diskutiert werden: Das Tempolimit. Damit könnten nicht nur sechs Millionen Tonnen CO2 pro Jahr eingespart werden, sondern auch Millionen Liter Benzin. Die Abhängigkeit vom Öl ist besonders in der Mobilität enorm. Aber: „Wir haben in der Pandemie wesentlich drastischere Maßnahmen gehabt als einen Verzicht aufs Auto“, so Sterner. Ein autofreier Sonntag sei auch ein psychologisches Ding. „Dann sehen die Menschen, dass vieles auch ohne Auto geht.“

Uns sind im Kampf für mehr Unabhängigkeit in der Energie-Versorgung nicht die Hände gebunden. Die Leitplanken bei der Transformation zu Grüner Energie muss klar die Politik setzen. Und zwar zügig. Aber jeder von uns kann etwas tun, um die russische Umklammerung ein kleines bisschen lockerer zu machen. (osc)

Die Carbon Clock zeigt uns das Restbudget CO2 an

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(osc)