Klimawandel verkleinert Lebensraum für Hummeln

Hummeln können mit Klimawandel nicht Schritt halten

Der Klimawandel verkleinert den von Hummeln genutzten Lebensraum. Die südliche Grenze der Verbreitung der meisten Arten in Europa und Nordamerika habe sich nach Norden verschoben - die nördliche Grenze jedoch nicht, berichten Forscher im Fachmagazin 'Science'. Die Südgrenze liegt demnach inzwischen bis zu 300 Kilometer nördlicher als vor 100 Jahren.

Klimawandel verkleinert Lebensraum für Hummeln
© dpa, Patrick Pleul

"Für Arten wie Hummeln, die sich unter kühlen Bedingungen entwickelt haben, ist der Klimawandel womöglich die Bedrohung, die sie für immer verschwinden lässt", warnt Jeremy Kerr von der kanadischen University of Ottawa. Einige Tierarten reagieren mit einem veränderten Lebenszyklus auf den Klimawandel. Auch Verbreitungsgebiete verändern sich: Die Tieren wandern allmählich Richtung Norden oder in größere Höhen, um in ihrem bevorzugten Temperaturbereich zu bleiben. Das Team um Kerr wollte nun wissen, ob dies auch bei Hummeln der Fall ist. Dafür werteten die Forscher mehr als 420.000 Daten von insgesamt 67 europäischen und nordamerikanischen Hummelarten aus dem Zeitraum von 1901 bis 2010 aus.

Anders als viele andere Tierarten reagieren die Hummeln demnach auf die Erderwärmung nicht mit einer Erweiterung ihres Lebensraums in Richtung Norden. "Obwohl sich ihre Lebensräume mit rund plus 2,5 Grad deutlich erwärmt haben, haben es die Hummeln nicht geschafft, mit der Erwärmung mitzuziehen", erklärt Mitautor Oliver Schweiger vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig. Es hätten lediglich einige Populationen ihren Lebensraum in kühlere Höhenlagen verlagert, heißt es in der Studie. Aber irgendwann ist der Berg letztlich zu Ende und es ist kein weiteres Aufsteigen möglich.

Umsiedlung der Hummeln eine Lösung?

Doch warum gelingt es einigen Tieren, ihr Verbreitungsgebiet an die veränderten globalen Temperaturen anzupassen, nicht aber den Hummeln? Die Wissenschaftler vermuten, dass es eine evolutionäre Erklärung gibt. So hätten viele andere Insektenarten ihren Ursprung in den Tropen, die Hummeln hingegen in der nicht-tropischen Paläarktis. Kerr fordert neue Strategien, um Hummeln bei der Anpassung an den Klimawandel zu helfen. Vorstellbar sei etwa eine 'assistierte Migration' - also die gezielte Umsiedlung von Tieren in nördlicher liegende Regionen.

Hummeln leben überwiegend in den gemäßigteren und kühleren Regionen der Nordhalbkugel, es gibt weit über 200 Arten. Weil sie die zum Fliegen notwendige Körpertemperatur durch Vibration der Brustmuskulatur erzeugen können, starten sie im Frühjahr bereits bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt zu Flügen. Hummeln spielen bei der Bestäubung unter anderem von Tomatenpflanzen in Treibhäusern eine immense Rolle: Millionen künstlich aufgezogener Hummelvölker werden jährlich an Agrarproduzenten verschickt.