Immer wärmer, immer trockener

Klimawandel: Tropen dehnen sich aus - Melonen und Feigen am Rhein

Klimawandel: Wasserwirbel verschieben die Tropen
Große Wasserwirbel in den Ozeanen werden wärmer, verändern die Meeresströmungen und verschieben die Klimazonen. Die heißen Tropen breiten sich aus.

Das Meer verschiebt die Klimazonen

Dürrekatastrophen, Hitze und schwere Feuer in den USA und Australien sind eindeutige Warnsignale: Die Tropen mit ihren warmen Temperaturen dehnen sich immer weiter aus und verändern unser gewohntes Wetter.  Am Rhein könnte bald mediterranes Klima herrschen und die typische Pflanzenwelt von Melonen, Zucchini, Tomaten ersetzt werden. Deutsche Expertinnen und Experten haben jetzt den Grund herausgefunden: Meeresströmungen verschieben die großen Klimazonen der Erde! 

Ausdehnung der Tropen ist schon lange offensichtlich

Auch wenn seit Jahren offensichtlich ist, dass Hitze und Trockenheit sich auf beiden Seiten des Äquators ausbreiten, konnten die Forscherinnen und Forscher diese Ausdehnung der Tropen bislang nicht wirklich begründen. Jetzt aber! Sie hatten zuvor nur an der falschen Stelle nach den Beweisen gesucht. Ein Team um die Physiker Hu Yang und Gerrit Lohmann vom Alfred-Wegener-Institut hat es anders gemacht und statt der Atmosphäre das Meer unter die Lupe genommen.

„Unsere Modellrechnungen zeigen, dass großräumige Meeresströmungen sowohl auf der Nord- als auch auf der Südhalbkugel der entscheidende Treiber sind“, sagt Hu Yang, leitender Autor der Studie.

Die Tropen dehnen sich aus, weil die großen Meereswirbel sich verschieben.
Die beobachtete Abweichung der Meeresoberflächentemperatur im Zeitraum 2015-2019 zu 1982-1986: Eine starke Erwärmung der Ozeane tritt über den subtropischen Regionen beider Erdhalbkugeln auf. Diese Erwärmungsmuster verschieben die tropische Warmwasserzone und die damit verbundene subtropische Klimazone in höhere Breiten. © Alfred-Wegener-Institut/ Hu Yang

Wärme sammelt sich wie Plastikmüll

Bei diesen Meeresströmungen handelt es sich um viele Hundert Kilometer breite Wasserwirbel, die langsam kreisen. Man kennt die Wirbel-Bilder vom Pazifik, weil sich in ihnen der in den Meeren treibende Plastikmüll konzentriert.

„Weil die Strömungen in dieser Region die Wassermassen besonders stark zusammenführen, akkumuliert die subtropische Ozeanoberfläche hier leichter Wärme als in anderen Meeresregionen – ganz so wie beim Plastik“, sagt Gerrit Lohmann. Das heißt, die Wärme sammelt sich dort und vergrößert die warmen Meeresregionen.

Die großen Strömungswirbel der Weltmeere verlagern sich zudem polwärts um 800 Meter pro Jahr. Das könnte auch zu extremeren Wintern in Deutschland führen.

Klimawandel: Tropen dehnen sich aus
Satellitendaten aus vier Jahrzehnten zeigen die Verlagerung der Ozeanwirbel - hier die schematische Darstellung. © yanghu, Alfred-Wegener-Institut

Tomaten und Melonen am Rhein

Eine eher kuriose Auswirkung hat die Verschiebung der Klimazonen hierzulande. Im Zuge des Klimawandels sei es wahrscheinlich, dass sich am Rhein mediterrane Pflanzen breit machen. Zucchini, Feigen, Melonen & Co. haben immer länger Zeit zu wachsen, so dass sie auch Früchte hervorbringen könnten, sagt der Biologe Peter Horchler von der Bundesanstalt für Gewässerkunde.

ARCHIV - 27.11.2018, Rheinland-Pfalz, Niederwerth: Auf einer Sandbank vor der Rheininsel Niederwerth wachsen Tomaten.   (zu dpa «Klimawandel bringt wärmeliebende Pflanzen an den Rhein») Foto: Thomas Frey/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Niedrigwasser des Rheins 2018: Tomaten wachsen wild auf einer Sandbank. © dpa, Thomas Frey, tfr rho

Im historischen Niedrigwasser 2018 waren Tomaten auf Kiesbänken reif geworden. Auch die ursprünglich aus Afrika stammende Wassermelone fand sich hier. Die Früchte blieben jedoch klein.

Beautiful harvest of watermelons at a fruit farm in Brazil - agriculture concepts
Machen sich Melonen zukünftig in Deutschland breit? Der Klimawandel könnte es möglich machen. © Getty Images/iStockphoto, andresr

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