Gibt es kein Zurück mehr beim Klimawandel?

Golfstrom und AMOC am Kipppunkt – eine Kettenreaktion droht

Bricht der Golfstrom bald zusammen?

Der Golfstrom steht seit Jahren unter genauster Beobachtung. Die Meeresströmung, die bei uns für ein moderates Klima sorgt, fließt nicht mehr so zuverlässig wie früher. Und auch die wichtige Strömung im Atlantik, zu der der Golfstrom gehört, schwächelt. Sie ist sogar nahe dran, komplett zusammenzubrechen, zeigt eine neue Studie. Was das bedeutet, vermag noch niemand so recht vorherzusehen. Die Folgen wären auf alle Fälle schwerwiegend.

Im Video: Björn Alexander erklärt den Golfstrom und mögliche Folgen, wenn die Strömung versiegt.

Golfstrom und AMOC mäßigen das Klima von Deutschland

Die Atlantische Umwälzströmung (Atlantic Meridional Overturning Circulation, kurz AMOC) transportiert warme Wassermassen aus den Tropen an der Meeresoberfläche nach Norden und kaltes Wasser am Meeresboden nach Süden. Das ist der entscheidende Mechanismus für das gemäßigte Klima Westeuropas. Eine neue Studie im Fachjournal Nature Climate Change zeigt aber: Die wichtige Strömung im Atlantik, zu der auch der Golfstrom gehört, arbeitet nicht mehr zuverlässig.

Der Golfstrom: Lebenswichtige Meeresströmung vor dem Aus?

Wenn der Golfstrom versiegt, werden die Tropen wärmer, Europa kälter.
Der Golfstrom: Wenn er zusammenbricht, so die Annahme, wird es in den Tropen wärmer und in Europa kälter.

Gründe für die Abschwächung der Atlantischen Umwälzströmung

Mitverantwortlich für die Abschwächung sind wahrscheinlich

  • der Süßwasserzufluss durch das Abschmelzen des grönländischen Eisschilds
  • zunehmende Niederschläge
  • mehr Wasser aus Flüssen
  • das schmelzende Meereis.

Warum? Süßwasser ist leichter als Salzwasser und verringert die Tendenz des Wassers im Nordatlantik, von der Oberfläche in größere Tiefen abzusinken. Und genau das ist einer der Antreiber der großen Umwälzung.

Wenn das Eis der Arktis bis zum Kipppunkt schmilzt, ist das Eis komplett verloren.
Auch das schmelzende Eis der Arktis ist ein Kipppunkt unseres Klimasystems. Das Süßwasser, das freigesetzt wird, beeinflusst zudem die AMOC und den Golfstrom. © wetter.de

Golfstrom und AMOC an kritischer Schwelle

Das ist nicht neu. Offen aber war bisher die Frage, ob die Abschwächung zu normalen Schwankungen gehört oder die Strömung anhaltend an Dynamik verliert. "Der Unterschied ist entscheidend", sagt der Autor der Studie Niklas Boers vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, der Freien Universität Berlin und der Universität Exeter, „denn eine Verringerung der dynamischen Stabilität würde bedeuten, dass sich die AMOC ihrer kritischen Schwelle genähert hat.“

Wird diese Schwelle überschritten, gibt es kein Zurück mehr. Ein andauernder schwacher Zirkulationsmodus wird massive Auswirkungen auf das Klima haben. Und genau diese Sorge unterstützen die Ergebnisse der Studie.

Sind Kipppunkte erreicht, verstärkt sich der Klimawandel selbst

Hier sind wir beim Thema Kipppunkte. Kipppunkte stellen im Erdklima bestimmte Systeme dar, die bei steigender Luft- und Wassertemperatur auf der Erde aus dem Gleichgewicht geraten können und dann ihrerseits ebenfalls zum Klimawandel beitragen. Das bisher stabile Erdklima verändert sich dann noch schneller und selbstverstärkend.

Stehen wir nun kurz davor, einen dieser Kipppunkte zu erreichen? Sie sind schon lange bekannt - getan hat sich wenig, damit sich der voranschreitende Klimawandel nicht auch noch selbst verstärkt. Die Folgen für Mensch und Natur sind gar nicht abzusehen. Angenehmer wird es sicher nicht auf der Erde.

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(ctr)