Erwärmung der Weltmeere führt laut Studie zu größeren Wellen

Klimawandel lässt Monsterwellen höher schlagen

Wasserwalzen werden immer größer

Noch größer, noch mächtiger noch spektakulärer: In Spanien brachte Sturmtief "Gloria" Wellen mit bis zu 14 Metern Höhe an die Küste und in Portugal verschluckte eine Riesenwelle einen Surfer. Die Nachrichten, in denen diese Super-Wellen in den Schlagzeilen stehen, häufen sich. Immer öfter ziehen riesige Wellen auch Schaulustige an, um die gefühlt immer stärker werdenden Naturspektakel auf Bilder zu bannen. Und offenbar werden sie laut einer Studie tatsächlich größer.

Studien belegen erhöhte Wellenleistung

Tourists take a pictures as sea waves cover them during the storm
Dieser Tourist spürte am eigenen Leib, dass Fotografieren vor der unberechenbaren Wellenwand schnell nach hinten los gehen kann. © REUTERS, Nacho Doce, ND/MAR

Verantwortlich dafür soll die Erwärmung der Ozeane sein. Ein internationales Team von 14 Wissenschaftlern stellte durch Messungen fest, dass in den vergangenen zehn Jahren, die höchsten Temperaturen in den Weltmeeren seit den 50er Jahren herrschen. Die vergangenen fünf Jahre waren dabei die wärmsten. Die Forscher errechneten eine Erwärmung um 0,075 Grad. Neben dem durch die Erwärmung bekannten Auswirkung wie Sauerstoffarmut, Schäden für im Wasser lebende Tiere und dem Anstieg des Meeresspiegels, drohten auch Wetterextreme, wie Wirbelstürme und heftige Niederschläge.  

Spanische Forscher um Borja G. Reguero haben in einer vor einem Jahr veröffentlichten Studie herausgefunden, dass die Wellenleistung (die Kraft, mit der die Wellen auf die Küste wirken) weltweit um 0,4 Prozent zugenommen hat. Die sogenannten „Kaventsmänner“ werden also nicht nur gefühlt stärker, es ist auch wissenschaftlich belegt. Selfies mit hoch schlagenden Wassermassen im Hintergrund waren bisher schon keine gute Idee und werden es in Zukunft noch weniger sein.

Regionale Unterschiede

Images of the waves in Portocolom (Felanitx) and Portocristo (Manacor) during the maritime storm as a result of the Gloria storm.Pictured: GV of Portocristo,ManacorRef: SPL5141897 210120 NON-EXCLUSIVEPicture by: Joan Llado / GTres / SplashNews.comSpl
Sturm „Gloria“ peitschte meterhohe Wellen an die Küste Mallorcas. © Joan Llado / GTres / SplashNews.com

Seit 1993 beschleunigte sich laut den Wissenschaftlern sogar die Zunahme der Wellenleistung um 2,3 Prozent. Dabei gibt es regionale Unterschiede. Im Südpolarmeer rund um die Antarktis ist die Leistung der Wellen besonders stark. Dort hat die Größe seit den 50er-Jahren um rund 0,6 Prozent zugenommen, während es im Indischen Ozean oder Atlantik nur die Hälfte ist.

Wie aus einem Bericht des Weltklimarates (IPCC) hervorgeht, haben sich der Atlantik und der südliche Ozean stärker erwärmt als andere Weltmeere. Durch die höhere Verdunstung kommt es in wärmeren Regionen der Erde zu schwereren Regenfällen, was wiederum zu Überflutungen und stärkeren Winden führt. 

Infrastruktur in Küstennähe in Gefahr

Illustration o the Belharra giant waves some two kilometers off the coast of the French basque country town of Urrugne near Saint-Jean-De-Luz, France on January 7, 2014. Thanks to certain climatic conditions in autumn and winter, a strong swell hits
Das Forscherteam um Borja Reguero warnt davor, größere Wellen bei der Einschätzung der Folgen des Klimawandels nicht zu berücksichtigen. © picture alliance / abaca, Photomobile, stp

Der stärkere Wind türmt aber auch immer größere Wellen auf und trägt diese zur Küste. In Ufernähe zerstören die Kaventsmänner unter Umständen die Infrastruktur. Gut zu beobachten beim Sturm „Gloria“, der über Spanien und Frankreich fegte. In etlichen Küstenorten Spaniens schossen Wellen über die Promenade und überschwemmten sie. Dabei rissen sie leicht befestigte Gegenstände um, zerstörten Fensterscheiben und verwüsteten Ladenlokale.

Das Team von Reguero nannte auch Beispiele, bei denen die Wellengröße eine große Rolle gespielt habe. Sie nennen unter anderem auch den Orkan „Xaver“, der 2013 die Küsten Westeuropas traf und eine der schwersten Sturmfluten Norddeutschlands verursachte.Wichtig war dem Forscherteam, dass die veränderte Wellensituation bei der Einschätzung des Klimawandels mit eingerechnet werde. Nicht nur der Anstieg des Meeresspiegels sei laut Koautor Fernando Méndez von der Universität Cantabria in Spanien bei einer Risikoanalyse zu beachten.

Touristenmagnet droht zu verschwinden

Die zwölf Aposteln sind eines der Sehenswürdigkeiten, die beim Befahren der Great Ocean Road gesehen werden können. Die Felsformation fällt allerdings immer mehr in sich zusammen.
Die zwölf Aposteln sind eines der Sehenswürdigkeiten, die beim Befahren der Great Ocean Road gesehen werden können. Die Felsformation fällt allerdings immer mehr in sich zusammen. © Louisa Grewe

Die Langzeitwirkung von stärker werdenden Wellen sind auf dem fünften Kontinent zu sehen. Die südliche Küstenregion, an der auch die berühmte Great Ocean Road entlang geht, kämpft dagegen an, dass Wellen sich immer weiter ins Land fressen. Bei der Panoramastraße im Bundesstaat Victoria ist nicht klar, wie lang sie noch befahren werden kann. Die zwölf Aposteln, eine berühmte Felsformation, wird auch immer weiter abgetragen.

Bisher war man davon ausgegangen, dass allein der Anstieg des Meeresspiegels dafür verantwortlich ist, doch größere Wasserwalzen, vielleicht sogar in der Größe von Monsterwellen, werden die Küstenerosion um einiges beschleunigen in den nächsten Jahren.