Klimawandel im Sommer

Katastrophale Dürre im Sommerhalbjahr 2020: Deutschland trocknet aus

Dreimal in Folge verlief das Sommerhalbjahr zu trocken

Mit dem kalendarischen Herbstbeginn enden sowohl der Sommer 2020 als auch das Sommerhalbjahr. Das geht nämlich vom kalendarischen Frühlingsbeginn bis zum kalendarischen Herbstbeginn und weist leider in eine erschreckende Richtung. Bereits zum dritten Mal in Folge verläuft das Sommerhalbjahr zu trocken und wir müssen auf Regen im Herbst und im Winter hoffen, um nicht völlig zu vertrocknen. 

Oben im Video: Das sind die Schattenseiten des Sommers 2020

Mehr zum Hintergrund:

Frühjahr 2020: Die Dürremonate April und Mai

Gerade unser Frühjahr vertrocknet durch Hochdruckwetterlagen immer öfter. So auch in diesem Jahr. Der April 2020 brachte nur rund ein Viertel der ansonsten üblichen Regenmengen, der Mai 2020 knapp die Hälfte. Gleichzeitig hat die Natur eine Menge Durst. So baute sich ein Wasserdefizit auf, das kaum noch aufzuholen war. Auch wenn es im Juni und Juli zuerst eher nach einem durchschnittlichen Sommer 2020 aussah.

Die Trockenheit in den Böden ist zum Teil extrem
Die Trockenheit in den Böden ist zum Teil extrem. Hier die Verhältnisse in 1,80 Meter Bodentiefe mit einer teils entspannten Lage im Süden und im Nordwesten. Sonst schaut es schaurig aus. Quelle: Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung GmbH - UFZ © wetter-ressort

Juni und Juli 2020 - Der Schaukelsommer legt los

Keine große Hitze und ein Sommer ohne sommerliche Temperaturen im Norden unseres Landes. So präsentierten sich der Juni und der Juli. Auch beim Regen kam der Juni 2020 mit über 100 Prozent voll ins Soll. Der Juli war dann erneut zu trocken. Eigentlich kein Problem, wenn dann nicht der August eine deftige Hitzewelle in petto gehabt hätte. 

 Die Ernte ist bei dieser Hitze und dem fehlenden Regen in Gefahr- Feld mit vertrockneten Maispflanzenbei Flatow, Kremmen, Landkreis Oberhavel, Brandenburg, Deutschland *** The harvest is in danger with this heat and the lack of rain Field with withe
Zu wenig Regen und anschließend die Hitze im August 2020: Die Maisernte verlief in diesem Jahr erneut schlecht. © imago images/Petra Schneider, Petra Schneider-Schmelzer via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Der August 2020 mit Hitze und Gewittern

Im August haute die Hitze dann richtig einen raus. So lange am Stück heiß war es in Teilen Norddeutschlands vorher nie. Gleichzeitig mischten sich Gewitter unter. Wiederholt mit Unwettergefahr und am Ende mit einer deutschlandweit ausgeglichenen Niederschlagsbilanz. Allerdings sind die regionalen Unterschiede riesig. Im Süden Bayerns fielen im August über 340 Liter pro Quadratmeter, während die trockensten Ecken im August keine 30 Liter abbekommen haben.

 Knaller-August-Start: Der August bringt zum Wochenende die Saharahitze in den Norden - Sommer am Salzgitter See - Landesweit über 30 Grad angekündigt. Der Sommer 2020 hat uns ja bisher nicht verwöhnt, Temperaturen von 30 Grad und mehr, das gab es in
Die Saharahitze sorgte im August 2020 für Hochsommer in Deutschland. Auch Gewitter gab es reichlich, aber noch lange nicht überall. © imago images/Die Videomanufaktur, Martin Dziadek via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Ein Sommerhalbjahr der Extreme

In der Summe hat der Süden unseres Landes im Sommerhalbjahr 2020 damit zum Teil über 1000 Liter pro Quadratmeter zusammen gekommen. Am unteren Ende der Regenbilanz finden sich hingegen mindestens sechs Wetterstationen mit unter 140 Litern pro Quadratmeter. Das ist teilweise kaum ein Drittel des langjährigen Durchschnitts und somit war das Sommerhalbjahr 2020 am Ende deutschlandweit zu trocken mit nur gut 70 Prozent des langjährigen Durchschnitts.

Die Regensummen im Sommerhalbjahr
Eine eindeutige Bilanz: Die Regensummen im Sommerhalbjahr vom Jahr 2000 bis zum Jahr 2020. Die letzten drei Jahre sind eindeutig unterm Durchschnitt. Das letzte viel zu nasse Sommerhalbjahr erlebten wir im Jahr 2007. © wetter-ressort

Drei Sommerhalbjahre in Folge zu trocken!

Dass in einem Sommerhalbjahr nur 70 Prozent des Niederschlages fallen, kam seit bisher etwa alle zehn Jahr vor und änderte sich erst im Jahr 2018. Denn 2018 brachte im Sommerhalbjahr nur 63 Prozent, 2019 fielen 81 Prozent und in 2020 waren es eben gut 70 Prozent. Das ist zwar bezogen auf klimatologische Zeiträume, die sich ja über Jahrzehnte erstrecken, noch kein richtiger Trend, aber: Eine solche Situation und den Dürre-Dreischlag in den Sommerhalbjahren gab es in den vergangenen 70 Jahren nie.

Hoffen auf Regen: So stehen die Chancen im Winterhalbjahr

Um die langfristigen Trends beim Wetter abschätzen zu können, hilft beispielsweise der Blick auf die experimentellen Langfristprognosen des Amerikanischen Wetterdienstes NOAA. Nach den aktuellen Berechnungen verläuft des Winterhalbjahr 2020 / 2021 demnach eher zu nass. Das wäre für unsere Böden und Trinkwasserspeicher auch enorm wichtig und ist auf der anderen Seite in der Prognose durchaus glaubhaft. In den letzten Jahren haben es Herbst und Winter nämlich immer wieder rausgerissen und somit heißt es „Daumen drücken“, dass es auch in den kommenden Monaten wieder richtig nass wird.

Mehr zum langfristigen Trend finden Sie in unserem 42 Tage-Wetter sowie im Jahreszeiten-Check anhand der NOAA-Karten mit dem Ausblick auf den Herbst 2020.

Fakten zum Sommerhalbjahr 2020

  • Fast zwei Grad zu warm
  • Deutlich sonniger als normal mit eine Sonnenausbeute von mehr als 120 Prozent 
  • Das entspricht einem Plus von rund 250 Sonnenstunden 
  • Es fielen nur circa 70 Prozent des Regens
  • Das ist ein Minus von etwa 150 Litern pro Quadratmetern und das in der Hauptvegetationsperiode
  • Anzahl der Hitzetage mit Temperaturen jenseits der 30 Grad im Sommer 2020: Regensburg 23, Trier 21, Düsseldorf und Konstanz 18, Hamburg 13, Borkum 3 und Helgoland 0
  • Heißeste Orte waren Trier (Rheinland-Pfalz) mit 38,6 Grad, Rheinfelden (BaWü) und Brauneberg/Mosel (ebenfalls Rheinland-Pfalz) mit jeweils 38,5 Grad

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