Spanische Müllkippe statt Afrika

Klimawandel macht Zugvogel zum Pechvogel

von Oliver Scheel

Polen, Piaski: Zugvögel fliegen über dem Dorf Piaski, Ostpolen. Unter Vogelzug versteht man den jährlichen Flug der Zugvögel von ihren Brutgebieten zu ihren Überwinterungsgebieten und wieder zurück. Foto: Wojtek Jargilo/PAP/dpa +++ dpa-Bi
Zugvögel über dem Dorf Piaski in Polen.

Der Klimawandel findet weltweit statt. Überall auf der Welt treten Veränderungen auf. Manche Gebiete vertrocknen, werden zu Steppen, andere erblühen einfach früher, wieder andere erwärmen sich so stark, dass der Winter kaum mehr eine Chance hat. Für Zugvögel sind diese Veränderungen besonders krass, da sich ihre Lebensräume sehr unterschiedlich verändern und eine Anpassung kaum möglich ist. Alles kommt durcheinander: Ihre Brutplätze, das Nahrungsangebot an den Rastplätzen, die Voraussetzungen in den Winterquartieren. Der Klimawandel heizt den Zugvögeln sozusagen besonders ein, sie gehören zu den Verlierern der Erderwärmung.

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Viele Verlierer unter Zugvögeln

Die größten Verlierer unter den Zugvögeln sind die Langstreckenzieher. Zum einen sind die Veränderungen für sie am größten. Wenn beispielsweise in Afrika Gebiete versteppen, ist das Nahrungsangebot unterwegs womöglich schlicht verschwunden. Wenn Feuchtgebiete versalzen oder ganz verschwinden, reichen die Fettreserven der Tiere nicht für den langen Flug.

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Außerdem ist es für sie schwieriger, sich zum Beispiel auf kürzere Frostperioden einzustellen. Wenn bei uns der Frühling aber immer früher Einzug hält, dann kommen sie hier schlichtweg zu spät an. Die Konsequenz: Das Nahrungsangebot passt nicht, Brutplätze sind schwieriger zu finden oder schon besetzt, ein denkbar ungünstiger Start in die Brutsaison.

Auch der Kuckuck ist ein Verlierer. Er kommt so spät, dass er den anderen Vogelarten nicht mehr sein Ei unterjubeln kann.

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Störche gehen auf Kurzstrecke - Mönchsgrasmücke ändert den Flugplan komplett

Mehlschwalbe
Die Mehlschwalbe ist ein echter Fuchs: Sie kommt einfach früher zurück, weil es hierzulande früher Frühling wird.

Wie anpassungsfähig manche Zugvögel sind, haben Vogelbeobachtungen ergeben. Innerhalb von kurzer Zeit sind einige Arten in der Lage, ihren Flugplan umzustellen. Am spannendsten ist dabei die Mönchsgrasmücke. Die hat es innerhalb weniger Vogel-Generationen geschafft, die Flugroute zu verändern. Ging es früher im Winter in den Süden, machen sich die Vögel nun auf an die englische Südküste. Da ist es mittlerweile im Winter absolut erträglich und das Nahrungsangebot passt auch. Eine erstaunliche Anpassungsfähigkeit.

Das ist auch den Störchen gelungen. Den kräfteraubenden Flug nach Afrika sparen sich viele Störche mittlerweile. Im Süden Spaniens ist es doch auch schön. Und wenn man dann noch beim Nahrungsangebot so flexibel ist wie der Adebar, dann reicht eine spanische Müllkippe zum Überwintern absolut aus.

Und die Mehlschwalbe hat offenbar ein untrügliches Gespür dafür, wann der Winter zu Ende geht. Vogelbeobachtungen haben gezeigt, dass sie etwa 10 Tage früher zurückkehrt, als noch vor 30 Jahren. Das ist eine extrem schnelle Anpassung, die Hoffnung macht, dass auch unsere Kinder und Enkel noch staunend Richtung Himmel schauen, wenn die riesigen Formationen im Herbst und im Frühling über unsere Köpfe ziehen.

Wegen starker Winde: Tausende Zugvögel schaffen es nicht über das Meer und verenden

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(osc)