Nur noch wenige Länder investieren in Kohle

China weiter voll im Kohlemodus - Portugal steigt aus Kohle aus

von Oliver Scheel

Kohle zu verbrennen ist voll 90er – könnte man im Jugendsprech sagen. Denn Kohle ist der schmutzigste aller Energieträger. Und dazu ein sehr ineffizienter. Es ist eindeutig an der Zeit, aus der Kohle auszusteigen, denn die Erneuerbaren Energien liefern uns alles, was wir brauchen. Wir müssen sie nur installieren. Und tatsächlich planen auch immer weniger Länder Investitionen in Kohlekraftwerke. Portugal hat den Ausstieg aus der Kohle nun vollzogen – neun Jahre eher als geplant. Aber vor allem China macht der Gesamtbilanz einen dicken Strich durch die Rechnung.

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Kein CO2-Budget mehr übrig für Kohlekraftwerke

A view of a coal-fired power plant and buildings in Xi 'an, Shaanxi Province, China.
Ein großes Kohlekraftwerk inmitten von Wohnanlagen in Xi 'an. China baut weiter massiv neue Kraftwerke, während viele Länder ihr Investment zurückfahren.

Insgesamt stellt der jährliche Bericht des „Global Energy Monitor“ zur weltweiten Entwicklung von Kohlekraftwerken fest, dass immer weniger neue Kohlekraftwerke geplant werden. So sank die Zahl der in der Entwicklung befindlichen Kohlekraftwerke um 13 Prozent. Wollten 2021 noch 41 Länder neue Kohlekraftwerke bauen, so waren es im Januar 2022 nur noch 34.

Leider gehört China zu diesen Ländern. Zwar hat das Reich der Mitte angekündigt, keine Kohlekraftwerke mehr in anderen Länder bauen zu wollen, aber die heimische Nachfrage nach Energie befriedigt China schon mit neuen Kraftwerken. Und zwar nicht zu knapp: So entfiel weltweit mehr als die Hälfte (56 %) der 45 Gigawatt (GW) neu in Betrieb genommener Kapazität auf China. Außerhalb Chinas schrumpfte die weltweite Kohlekraftwerksflotte das vierte Jahr in Folge.

“Die Kohleflotte schrumpft, aber für neue Kraftwerke haben wir schlichtweg kein CO2-Budget mehr übrig. Wir müssen das stoppen, jetzt“, sagte Flora Champenois vom Global Energy Monitor (GEM). “Der neueste IPCC-Report ist eindeutig: Wir müssen aufhören, neue Kohlekraftwerke ans Netz zu nehmen und in den Industrieländern die alten bis 2030 vom Netz nehmen.“ Die größten Einsparungen kommen tatsächlich nicht aus den Industrienationen, sondern von jüngeren Ökonomien aus Vietnam, Indien, Ägypten und Bangladesch.

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Lützerath: Ein gelbes X aus Holz steht vor dem Bauernhof des Landwirtes Eckart Heukamp. Der letzte Landwirt in dem Ort Lützerath am Braunkohletagebau Garzweiler
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In der EU gingen Kohlekraftwerke mit einer Gesamtkapazität von 12,9 GW vom Netz, davon 5,8 GW in Deutschland. Portugal legte seine letzten 1,9 GW im November 2021 still und vollzog damit seinen Kohleausstieg. Spanien nahm 1,7 Gigawatt Kohlestrom vom Netz.

Wie schlecht Kohlekraftwerke für das Klima sind, verdeutlicht ein simples Beispiel: Das größte Kohlekraftwerk Europas, Belchatow in Polen, verursacht so viele Emissionen wie ganz Dänemark oder die Slowakei.

“Die Preisexplosionen infolge des russischen Angriffs auf die Ukraine zeigen, was wir ohnehin schon wussten: Neue Kohlekraftwerke zu bauen ist nichts anderes als ein teurer Fehler“, sagte Leo Roberts von der Denkfabrik „E3G“ (Third Generation Environmentalism).

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(osc)