5 Tipps für klimafreundliches Bauen und Wohnen

Klima-Killer Beton: In Schweden baut man auf Holz

von Silvia Soyter

Beton ist ein wahrer Klimakiller: Allein ein Einfamilienhaus benötigt 60t Beton im Durchschnitt. Die Art und Weise wie wir bauen muss sich in Zukunft dringend ändern, wenn wir unsere Klimaziele erreichen wollen. Wir geben Ihnen fünf Tipps, wie auch Sie nachhaltiger wohnen können!

Im Video: Skelleftea in Nordschweden ist wahrer Vorreiter im klimafreundlichen Bauen. Wie sie das schaffen und welches Material sie anstelle von Beton benutzen zeigt uns Bernd Fuchs im Klima Update.

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Klimasünder Beton: Kaum ein Haus kommt ohne die CO2-Schleuder aus

Er ist weltweit der wichtigste Baustoff: Beton. Kaum ein Neubau auf der Welt kommt ohne ihn aus. Seine Zusammensetzung ist recht simpel: Er besteht aus Sand sowie aus Zusätzen wie Kies, Wasser und einem Bindemittel. Seine Vorteile liegen dabei auf der Hand: Es ist günstig und er lässt sich in jede beliebige Form gießen.

Doch als wahren Klima-Killer hat ihn niemand so richtig auf dem Schirm. Während das klimaschädliche Fliegen, Verbrennungsmotoren und Kohlkraftwerke auf der Abschussliste stehen, macht sich so gut wie niemand Gedanken darüber wie viel CO2 der Neubau des eigenen Einfamilienhauses produziert hat.

Jährlich werden weltweit rund 4,65 Mrd. Tonnen Beton verbraucht. In Deutschland liegen wir bei einem jährlichen Verbrauch von rund 28 Mio. Tonnen. Experten gehen davon aus, dass die Herstellung dieser Beton-Massen ist für 4-8 % der weltweiten CO2 Emissionen verantwortlich seien.

Alternativer Baustoff zu Beton: Recyclingbeton

Da viele Schwellenländer einen regelrechten Bauboom erleben, nimmt die Nachfrage nach Beton nicht ab, sondern steigt sogar. In Deutschland reagiert die Zementindustrie auf die immer lauter werdende Kritik am Klima-Killer: Bis 2050 will sie ihren CO2-Ausstoß auf null herunterfahren.

Doch vor allem bei der Herstellung von Zement, der als eine Art Kleber im Beton verwendet wird, entsteht jede Menge klimaschädliches CO2. Als Antwort darauf greift man in der Bauindustrie auch immer häufiger auf Recycling-Beton zurück, doch bringt das wirklich die erhofften CO2 Einsparungen?

Die Antwort ist ernüchternd: Leider kaum. Um Recycling-Beton herzustellen, wird alter Beton zerkleinert und der Kies herausgetrennt. Den Kies vermengt man dann mit frischem Zement, Wasser und Sand. Eine Studie der Technischen Hochschule Cottbus zeigt zwar, dass man dadurch Rohstoffe sparen kann – die CO2 Emissionen werden jedoch nicht verringert, da frischer Zement verwendet wird.

Auf Holz gebaut: Ist das schwedische Modell auch für Deutschland geeignet?

In der nordschwedischen Stadt Skelleftea versucht man sich am klimafreundlichen Bauen. Um möglichst wenig Beton zu verwenden, greifen die Schweden hier zu einem Rohstoff, von dem sie im eigenen Land genug haben: Holz. Bereits seit dem 18. Jahrhundert nutzt die Stadt für den Bau ihrer Häuser die Wälder, die sie umgeben. So bestehen nicht nur ein Parkhaus im Stadtzentrum, eine Brücke und Wohnhäuser aus Holz, sondern auch der zweithöchste Holzturm der Welt.

Die Initiatoren des Kulturzentrums, das der Holzturm beherbergt, sagen, dass der Wolkenkratzer während seiner Lebensdauer rund neun Millionen Kilogramm Kohlendioxid aus der Atmosphäre binden werde. Außerdem verfügt das Gebäude über Solarzellen, die das Kulturzentrum mit Strom versorgen können und überschüssige Energie nicht nur speichern, sondern auch an umliegende Gebäude abgeben kann.

Ist das also die grüne Alternative für die Zukunft des Bauwesens? Wenn es nach dem Präsidenten des Umweltbundesamtes und einigen Klimaforschern geht: ja. Allerdings haben die deutschen Wälder in den letzten Jahren stark gelitten. Nicht zuletzt durch lange Dürreperioden, Waldbrände oder Schädlinge wie Borkenkäfer. Würde man also die deutschen Bäume abholzen, würden noch mehr Bäume fehlen, die unsere Landschaft kühlen sollen, indem sie Schatten spenden und Wasser speichern.

Das HoHo in der Seestadt Aspern aufgenommen am Mittwoch, 28. August 2019, in Wien.
In zahlreichen Metropolen entstehen Wolkenkratzer aus Holz, so wie der 84m hohe HoHo-Turm in Wien.

5 Tipps für klimafreundliches Wohnen und Sanieren

Fassadenbegrünung, Schöneberg, Berlin, Deutschland
An heißen Tagen wie diesen könnte so eine begrünte Hauswand auch ihr Zuhause kühlen!

Eine Bauwende muss her sagen Klimaexperten. Wie sieht also das klimafreundliche Bauen und Wohnen der Zukunft aus? Experten stellen sich einen Mix aus Wiederverwertung von Rohstoffen, ressourcenärmeres Bauen und Alternativen zu herkömmlichem Beton vor.

Damit auch Sie wissen, wie sie in Zukunft nachhaltiger bauen und wohnen können, geben wir Ihnen fünf Tipps:

  1. Sanieren Sie alte Häuser: Wer ein bestehendes Haus thermisch saniert, anstatt ein neues zu bauen, spart wertvolle Rohstoffe – auf nachwachsende Dämmstoffe und Materialien achten!
  2. Die Reihenfolge bei der Sanierung ist wichtig: Zuerst gut dämmen und dann die Heizung tauschen – wenn die Dämmung gut ist, kann die Heizung kleiner sein.
  3. Auf den Standort achten: Wenn die Anbindung durch den öffentlichen Nahverkehr gesichert ist, kann man lange Anfahrtswege mit dem Auto vermeiden.
  4. An Strom aus erneuerbaren Energien denken: Angebote von Grünstrom-Anbietern einholen – vielleicht sind auch eigene Solar Panels möglich.
  5. Über Hausbegrünung nachdenken: Gerade rollt auf Deutschland die erste Hitzewelle 2022 zu. Experten befürchten, dass die Zahl der Hitzetage in Zukunft noch steigen wird. Dach- und Fassadenbegrünung kann das Haus im Sommer gut abkühlen - ganz ohne Klimaanlagen. Bäume im Garten speichern Kohlendioxid.

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(sso)