Klimabericht: Konzentration der Treibhausgase steigt so schnell wie noch nie

Experten in Sorge

Die Konzentration an Kohlendioxid in der Atmosphäre klettert schneller als je zuvor in die Höhe. Gleichzeitig hat der Klimawandel schon jetzt für viele Menschen harte gesundheitliche Auswirkungen. US-Präsident Trump und viele Gleichgesinnte leugnen das Problem, die Experten sind aufgrund der neuen Zahlen extrem besorgt.

Uns droht ein weltweiter medizinischer Notfall - die Hitze macht die Menschen fertig

Die Treibhausgas-Konzentration in der Atmosphäre ist nach Daten der Weltwetterorganisation noch nie so schnell gestiegen wie im vergangenen Jahr. Er liegt jetzt bei 403,3 Teilchen pro Million Teilchen (ppm), verglichen mit 400 ppm im Jahr davor. 

Mediziner und Ökonomen schlagen Alarm: Um einen weltweiten medizinischen Notfall zu vermeiden, müsse der Klimaschutz deutlich verbessert werden, so die Experten.

So sind von 2.000 bis 2016 etwa 125 Millionen Menschen über 65 Jahre weltweit Hitzewellen ausgesetzt gewesen mit entsprechenden gesundheitlichen Folgen, etwa für das Herz-Kreislaufsystem. Bis 2050 könnte die Zahl der Menschen, die direkt an den Folgen von Hitzewellen leiden, eine Milliarde erreichen.

New Delhi
Bilder wie diese hier gehören für uns schon zum Alltag: Neu Delhi unter einer dichten Smogglocke. © deutsche presse agentur

Mehr Menschen, weniger Ernteerträge

Für jedes Grad globalen Temperaturanstiegs verringern sich die globalen Weizenerträge um sechs Prozent, bei Reis beträgt der Schwund gar zehn Prozent. Denn die Produktivität auf dem Land nimmt bei körperlich arbeitenden Menschen immer weiter ab. In warmen Regionen ist es an immer mehr Tagen zu heiß, um draußen zu arbeiten. "Die Stadien für die Fußballweltmeisterschaft in Katar werden nachts unter Flutlicht gebaut, das geht in der Landwirtschaft in Afrika nicht", so Anthony Costello, einer der WHO-Direktoren.

Zudem bedrohen wärmere Ozeane die Fischbestände. Gleichzeitig wächst die Weltbevölkerung, im Jahr 1975 waren wir 4 Milliarden, 2050 werden bereits 11 Milliarden Menschen auf der Erde leben. 

Todesfälle wegen Luftverschmutzung und immer mehr Naturkatastrophen

Ein weiteres großes Problem stellt die zunehmende Luftverschmutzung dar: 2015 sind in 21 asiatischen Ländern rund 800.000 vorzeitige und vor allem vermeidbare Todesfälle darauf zurückzuführen. Zudem werden in 87 Prozent der Städte weltweit die Feinstaub-Grenzwerte der WHO regelmäßig überschritten.

Dem Report zufolge hat sich zudem die Zahl der wetterbedingten Naturkatastrophen seit 2000 um 46 Prozent erhöht. Allein 2016 sei so ein ökonomischer Schaden von 129 Milliarden US-Dollar (111 Mrd Euro) entstanden.

Petteri Taalas, Generalsekretär der Weltwetterorganisation (WMO), mahnt: "Ohne rapide Einschnitte bei CO2- und anderen Treibhausgasemissionen steuern wir bis Ende des Jahrhunderts auf gefährliche Temperaturanstiege zu, die deutlich über den Zielen des Weltklimaabkommens von Paris liegen. Künftige Generationen erben einen deutlich unwirtlicheren Planeten."

Video: Die Animation der NASA zeigt erschreckend die CO2-Zunahme in der mittleren Troposphäre

Treibhauswerte so schlimm wie vor 3 Mio. Jahren

Bis zu Beginn der Industrialisierung etwa im Jahr 1750 sei die Konzentration mindestens 800.000 Jahre unter 280 ppm geblieben, heißt es in dem WMO-Bericht. Nach Analysen von Fossilien schätzen Forscher, dass es eine so hohe CO2-Konzentration wie heute zuletzt vor drei bis fünf Millionen Jahren gab. Dabei sei es zwei bis drei Grad wärmer gewesen. Das Eis in Grönland und der West-Antarktis sei geschmolzen und der Meeresspiegel habe 10 bis 20 Meter höher gelegen.

Auch El Niño ist schuld

Der weltweite Ausstoß von CO2 ist zwar in den vergangenen drei Jahren praktisch auf gleichem Niveau geblieben. Aber die Konzentration in der Atmosphäre wächst dennoch. Neben den Aktivitäten der Menschen liegt der Anstieg der Treibhausgaskonzentration auch am Wetterphänomen El Niño mit seinen erhöhten Ozeantemperaturen und Dürren. Daher konnten Ozeane und Pflanzen nicht so viel CO2 aufnehmen wie in anderen Jahren. Sie dienen bislang als CO2-Puffer. Meere werden dadurch jedoch saurer.

Am 6. November beginnt die UN-Klimakonferenz in Bonn – ein guter Zeitpunkt, um diese Themen anzupacken.