Klima-Risiko-Index: Was sagt Platz 3 für Deutschland wirklich aus?

Deutschland hat Germanwatch zufolge im vergangenen Jahr erstmals zu den drei am stärksten von Extremwetter betroffenen Staaten gezähl
Dürre in Deutschland - Germanwatch zufolge hat Deutschland im vergangenen Jahr erstmals zu den drei am stärksten von Extremwetter betroffenen Staaten gezählt. © dpa, Julian Stratenschulte, jst jai axs

Eine Statistik geisterte am Mittwoch durch die Medien, die Aufhorchen ließ: Deutschland unter den Top 3 bei Klimaschäden! Alle griffen die schrille Schlagzeile auf, die ihre Wirkung eben nicht verfehlte. Glücklicherweise wurde die Aussage in der Meldung relativiert. Aber wer liest schon den ganzen Text? Deutschland leidet unter dem Klimawandel mehr als die Philippinen, Puerto Rico, Pakistan, mehr als die dürregeplagten Länder Afrikas? Wie kann das denn sein? Das steckt hinter dem etwas fragwürdigen Klima-Risiko-Index.

Klima-Risiko-Index: Eine komplizierte Rechnung

ARCHIV - 29.05.2018, Bad Gandersheim: Nach einem Starkregen ist eine Straße überflutet. (Zu dpa
Nach einem Starkregen ist eine Straße überflutet. Wie viel wiegt diese Folge das Klimawandels im Vergleich? © dpa, Konstantin Mennecke, nwi wst

Die Entwicklungsorganisation Germanwatch hatte auf der Weltklimakonferenz die schräge Rangliste veröffentlicht, den sogenannten Klima-Risiko-Index. Demnach landete Deutschland im Jahr 2018 wegen der Hitzewellen, Stürme und Dürren hinter Japan und den Philippinen auf Platz drei im Klima-Risiko-Index. Der Index basiert auf einer Datenbank des Rückversicherers Munich Re und Daten des Internationalen Währungsfonds (IWF). Er vergleicht die durch Extremwetter verursachten Todeszahlen und Sachschäden nach Kaufkraftparitäten, und zwar sowohl die absoluten Zahlen als auch im Verhältnis zur Einwohnerzahl und zum Bruttoinlandsprodukt. So weit so kompliziert. Aber kann man das so vergleichen?

Langfrist-Betrachtung sieht anders aus

Two girls are seen at a refugee camp in Cite Soleil, located in Port-au-Prince, Haiti, 06 November 2010. Hurricane Tomas hit the country on 05 November, leaving five people dead, two missing and six injured, according to reports. EPA/ORLANDO BARRIA
Hurrikan «Tomas» schrammt an Haiti vorbei - Überschwemmungen © dpa, Orlando Barria

Beim Blick auf den Langfrist-Index, der die Jahre 1999 bis 2018 auswertet, sind Puerto Rico, Burma und Haiti die Länder, die am stärksten von Stürmen, Überflutungen und Dürren betroffen waren. Das kommt gefühlt schon eher hin. Einer der Autoren der Studie, Maik Winges, sagte dann auch in Madrid: „Im Vergleich sind die ärmsten Staaten der Welt den noch größeren Risiken ausgesetzt.“ Sie bekämen bisher kaum Hilfe für Schäden und Verluste von den Hauptverursachern des Klimawandels, also den Industriestaaten. Teils fehlten auch Daten, weswegen die Schäden in diesen Ländern eher unterschätzt würden.

1999 bis 2018: Die zehn Länder mit den größten Schäden

Klima-Risiko-Index
Klima-Risiko-Index: Länder, die im Zeitraum von 1999-2018 von Folgen des Klimawandels am stärksten betroffen waren © Germanwatch e.V.

​Im Langfrist-Index sind sieben der zehn am stärksten betroffenen Länder Entwicklungsländer mit niedrigen oder mittleren Einkommen. Wie die teils verheerenden Schäden in diesen Ländern finanziell bewältigt werden können, ist eines der Themen auf der diesjährigen UN-Klimakonferenz in Madrid.

Extremwetter trifft immer öfter reiche Länder

Der Klima-Risiko-Index zeigt aber schon, dass die Klimawandelfolgen immer öfter auch Industrienationen wie Deutschland, Japan oder die USA treffen. Aber die lebensbedrohlichen Folgen in den einen Ländern mit den wirtschaftlichen Schäden in den anderen zu vergleichen, hört sich nicht gut an. Das überhaupt untersucht wird, welche Länder am meisten leiden, ist wiederum lobenswert. Auch wenn die Auswertungen über die steigenden Schäden und Todesopfer keine einfache Aussage darüber erlauben, welcher Anteil davon auf den Klimawandel zurückzuführen ist, so lässt sich doch ein Bild der Betroffenheit der Staaten zeichnen.