Keine Kehrtwende und nur noch 15 Jahre Zeit, um das Klima zu retten

Immer noch keine Kehrtwende
Das Zeitfenster in Sachen Erderwärmung schließt 2030 © dpa, Markus Scholz

Das Zeitfenster in Sachen Erderwärmung schließt 2030

Ausgerechnet China und Amerika als Klimaretter? Die Hauptproduzenten von Kohlendioxid haben eine Schlüsselrolle. "2030 schließt sich das Zeitfenster in Sachen Erderwärmung", sagt der Klimaforscher Latif. Er beschreibt bedrohliche Szenarien und hofft weiter auf die Vernunft.

Der Menschheit bleiben aus Expertensicht nur noch rund 15 Jahre, um den Klimawandel einigermaßen in den Griff zu bekommen. "Wenn der weltweite CO2-Ausstoß 2030 immer noch steigt, wird es zu spät sein", sagte der Klimaforscher Mojib Latif vom Kieler Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung. Latif ist besorgt und zuversichtlich.

"Seit Beginn der Verhandlungen zum Klimaschutz Anfang der 1990er stieg der globale CO2-Ausstoß um 60 Prozent - das ist schon Wahnsinn." Aber es gebe Hoffnungssignale. Dazu gehöre, dass nach vorläufigen Berechnungen der Internationalen Energieagentur (IEA) 2014 der CO2-Ausstoß nicht zunahm. "Vorher gab es das nur bei weltweiter Rezession, aber diesmal hatten wir global ein vernünftiges Wachstum."

Der Hoffnungsschimmer geht nach IEA-Angaben vor allem darauf zurück, dass China weniger Kohle verbraucht und mehr Solarenergie genutzt hat. Aber auch in OECD-Ländern seien die Energieeffizienz verbessert und alternative Energien ausgebaut worden. Eine detaillierte Analyse darüber möchte die IEA am 15. Juni im London präsentieren. Wenn China als der größte CO2-Verursacher mit einem Anteil von 27 Prozent nach jahrzehntelangem massiven Zuwachs den Ausstoß nicht mehr erhöht, könne man das noch keine Kehrtwende nennen, betonte Latif.

"Aber vielleicht signalisiert es das, was ich immer gehofft habe: Dass sich am Ende die bessere Technik und Rationalität durchsetzen." Würden noch die US-Amerikaner nachziehen und ihr großes Potenzial an erneuerbaren Energien stärker nutzen, gäbe es noch mehr Hoffnung, sagte Latif. "Es ist ein Jammer, dass sie stattdessen in blöde Technologien wie Fracking investieren, zulasten von Natur und Mensch."

Wenn der globale CO2-Ausstoß ab 2030 falle und bis Ende des Jahrhunderts auf Null gelange, dann würde sich die Erde um weniger als zwei Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit erwärmen, sagte Latif. "Wenn wir das nicht hinbekommen, bekämen wir Erwärmungen von drei, womöglich vier Grad im weltweiten Durchschnitt." In einigen Landregionen werde dies deutlich höher ausfallen, besonders in Meeresregionen geringer.