Kaufberatung: Die richtigen Wanderschuhe finden - so geht's

Die richtigen Schuhe für das Wandern sind wichtig
Mit bequemen und sicheren Schuhen macht Wandern richtig Spaß © iStockphoto

Nichts ist bei Outdoor-Touren so wichtig wie gutes Schuhwerk

Raus in die Natur - das ist der perfekte Ausgleich für gestresste Großstädter. Wer sich draußen im unebenen Gelände bewegt, braucht unbedingt eine gescheite Ausrüstung und gutes Schuhwerk - und nicht Turnschuhe oder Badelatschen, wie man manchmal bei "Schlappenwanderern" sogar im Gebirge sieht. Schließlich müssen unsere Füße im Zweifelsfall um die 80 Kilogramm Körpergewicht tragen und je nach Wandervorhaben auch noch schweres Gepäck. Da ist es elementar, dass der Fuß gut gebettet ist. Wir verraten Ihnen, wie Sie die passenden Schuhe finden.

Schritt 1: Zeit für die Suche nach dem richtigen Wanderschuh einplanen

Nichts überstürzen beim Wanderschuhkauf
Lassen Sie sich Zeit beim Kauf von Wanderschuhen © iStockphoto, Dmitriy_Tolmachov

Schuh in der Stamm-Größe aus dem Regal ziehen, kurz reinschlüpfen und ab zur Kasse? Das können Sie vergessen! Planen Sie ausreichend Zeit ein, um den Wanderschuh zu finden, der perfekt zu Ihrem Fuß passt. Manche Hersteller fertigen eher breite Modelle an, manche sind eher für schmale Füße geeignet. Gerade wenn Sie zum ersten Mal Wanderschuhe kaufen, ist eine ausführliche Beratung in einem Outdoor-Fachgeschäft sinnvoll. 

Schritt 2: Einsatzgebiet definieren

Wo wollen Sie Ihren Wanderschuh einsetzen
Wo wollen Sie wandern? Das ist eine wichtige Frage beim Schuhkauf © iStockphoto

Es gibt ihn leider nicht, den Allround-Schuh, der uns beim Trekking in Thailand genauso gute Dienste leistet, wie beim Erklimmen eines Achttausenders. Daher sollten Sie vor dem Kauf genau wissen, wo Sie mit Ihren neuen Schuhen unterwegs sein wollen - in Holland oder in der Lüneburger Heide? Oder zieht es Sie in die Mittelgebirge oder sogar ins Hochgebirge? Außerdem spielt das Wetter und die Jahreszeit eine Rolle. "Dies ist vor allem für die Materialzusammensetzung des Schuhs wichtig", erklärt Christian Bahlow, Experte für Wandern und Trekking beim Outdoor-Ausstatter "Globetrotter".

Bei Hitze bieten sich dem Fachmann zufolge Volllederschuhe an. Die saugen sich voll Schweiß. Die Verdunstungskälte beim Trocknen wird von vielen an warmen Tagen als angenehm empfunden. Gore-Tex-Schuhe mit Membran sind wasserdicht, trocknen schneller und sind leichter. Sie sind perfekt für kalte Außentemperaturen geeignet, weil sie die Temperatur im Schuh hoch halten. 

Diese Kategorien sollten Ihnen die Auswahl erleichtern:

  • Kategorie A: Ein Schuh für kleine Wanderungen in einfachem Gelände. Mit diesen Modellen ist man auf gut präparierten Wegen und in eher flachem Gelände gut bedient. Oft handelt es sich bei Schuhen in dieser Kategorie um Halbschuhe*.
  • Kategorie B: Ein hoher Stiefel*, der auch den Knöchel umschließt und stabilisiert. Die Sohle ist deutlich stabiler und der Schuh hat eine bessere Dämpfung. Dieser Schuh kann auch in etwas anspruchsvollerem Gelände und bei Touren über mehrere Tage eingesetzt werden. Als echter Winterschuh eignet sich diese Klasse aber nicht.
  • Kategorie C: Klassischer Bergstiefel*, der auch mit schwierigem Gelände klarkommt. Steile und unbefestigte Routen können mit diesem Schuh problemlos angegangen werden. Auch im Winter und in großen Höhen bekommen Sie keine Probleme. Und wenn es sein muss, können Sie hier auch ein Steigeisen anbringen.
  • Kategorie D: Der Expeditions-Schuh. Diese Bergstiefel sind für die extremsten Regionen der Welt gedacht. Egal ob Extrembergsteigen, Eisklettern oder Gletscher-Expeditionen - mit diesem Schuh sind Sie für alles gerüstet.

In der Regel kommt man als Bergwanderer mit den Schuhen der Kategorie B oder C vollkommen klar. Wenn Sie die oben aufgeführten Fragen für sich beantwortet haben und Ihre Kategorie gefunden haben, können Sie Modelle ins Auge fassen und anprobieren.  

Schritt 3: Schuhe gleich mit den richtigen Socken anprobieren

Falsche Socken beim Wandern können sehr unangenehm werden
Ohne die richtigen Socken nützt der beste Schuh nicht viel © iStockphoto

Probieren Sie die verschiedenen Modelle mit den Strümpfen an, die Sie auch zum Wandern tragen werden - idealerweise mit Wandersocken aus Synthetik* oder einem Wolle-Synthetik-Mix, zum Beispiel von Falk, Smartwool oder meru.

"Die meisten Kunden benutzen leider immer noch Socken aus Baumwolle", beobachtet Globetrotter-Experte Christian Bahlow. "Da kann man die besten Schuhe haben. Wenn es an der Socke scheitert, weil sie zu viel Feuchtigkeit speichert und dadurch letztendlich die Haut am Fuß aufweicht, bekommt man über kurz oder lang Blasen, Druckstellen oder gar Verletzungen."

Schritt 4: Ausgiebige Proberunden mit den Schuhen drehen

Neue Wanderschuhe müssen intensiv probiert werden
Probieren ist wichtig. Testen Sie den neuen Schuh ausgiebig © iStockphoto

Laufen Sie ausgiebig Probe. Schließlich werden Sie im Gelände oder im Gebirge stundenlang auf den Schuhen unterwegs sein. In einigen Fachgeschäften gibt es Testparcours. Hier zeigt sich, wie sich der Schuh auf verschiedenen Untergründen verhält. Der Schuh darf in keiner Situation drücken, zwacken oder zu locker sitzen. Zu klein dürfen die neuen Schuhe für die nächste Wandertour natürlich auch nicht sein (auch die übrige Ausrüstung sollte natürlich passen). Wichtig ist, dass der Fuß guten Halt hat. Manche Geschäfte bieten auch an, die Schuhe daheim unverbindlich ein paar Tage lang zu testen - natürlich drinnen auf dem Teppichboden.

Schritt 5: Nicht morgens anprobieren

Wanderschuhe kaufen? Am besten am Nachmittag oder am Abend
Wanderschuhe sollte man nicht morgens anprobieren © iStockphoto

Achtung, Wanderschuhe muss man oft größer kaufen als Freizeitschuhe. Das sollten Sie insbesondere im Kopf haben, wenn Sie online bestellen. Dazu fallen die Größen bei den Herstellern auch unterschiedlich aus. Ein Berater im Fachhandel wird Ihre Füße zu Beginn der Beratung vermessen und kennt die Eigenarten der unterschiedlichen Marken. Wer schon ein paar gut sitzende Wanderschuhe hat, bringt diese am besten zur Beratung mit. 

Der beste Zeitpunkt zum Anprobieren ist übrigens "nachmittags oder abends, wenn die Füße durch die Bewegung schon etwas angeschwollen sind", weiß Christian Bahlow von Globetrotter. 

Schritt 6: Nicht gleich mit den neuen Wanderschuhen auf große Tour gehen

Neue Wanderschuhe: Nicht gleich die große Strecke angehen
Bei neuen Wanderschuhen mit kleinen Touren anfangen © Li Zhongfei (Li Zhongfei (Photographer) - [None], Li Zhongfei

Neue Outdoor-Schuhe anziehen und auf der langen Strecke losziehen? Das ist keine gute Idee. Wenn Sie neue Wanderschuhe haben, tragen Sie diese zunächst in der Wohnung. Idealerweise mit dicken Socken. Dann merken Sie schnell, ob es Druckstellen oder andere Probleme gibt, die bei der Anprobe nicht aufgefallen sind. Treten keine Probleme auf, können Sie die neuen Weggefährten beim Wandern auf einer kleineren Tour einlaufen. Erst wenn diese kürzeren Outdoor-Strecken problemlos klappen, sollten Sie Ihre neuen Wanderschuhe für lange Routen einsetzen. Dann ist das Risiko recht gering, am Ende 25 Kilometer mit dicken Blasen zurückzulegen.

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