Experte befürchtet sogar Unruhen

Historische Trockenheit in Jordanien: Wenn aus dem Hahn kein Wasser kommt

aus Jordanien: Oliver Scheel

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Im Norden Jordaniens müssen viele Menschen per Lastwagen mit Trinkwasser versorgt werden. Und das können sich viele dort gar nicht leisten.

Wasser aus dem Hahn. Für uns trotz der zunehmend trockenen und heißen Sommer immer noch das Normalste der Welt. Wie oft am Tag öffnen wir den Wasserhahn? Niemand weiß es, wir achten schlichtweg nicht darauf. Wasser ist immer verfügbar. Aber das geht längst nicht allen Menschen so. Jordanien ist eines der am schlimmsten von Wassernot betroffenen Ländern der Welt. Besonders im Norden sind viele Menschen nicht an die Trinkwasserversorgung angeschlossen, das Wasser reicht hinten und vorne nicht. Per Lkw bekommen sie das Wasser geliefert. Aber das ist sehr teuer. Hier liegt großer sozialer Zündstoff.

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Der Jordan führt nur noch 4 Prozent des Wassers von eins

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Abdel Rahman Sultan von der Organisation "Ecopeace" befürchtet soziale Unruhen, wenn das Wasserproblem nicht gelöst wird

„Im Laufe meines Lebens habe ich erlebt, wie sich die Wassersituation von Jahr zu Jahr verschlimmert hat.“ Dies sagt Abdel Rahman Sultan von der Nichtregierungsorganisation „Ecopeace“. „Als ich ein Kind war, war der Jordan ein großer Fluss, in dem wir baden und fischen waren. Jetzt ist das nur noch ein Bach. Der Jordan führt nur noch 4 Prozent des Wassers, das er einst hatte. Meine Kinder können sich das gar nicht vorstellen“, erzählt er uns beim Besuch in seinem Büro in Jordaniens Hauptstadt Amman.

Die Bevölkerung Jordaniens wächst von Tag zu Tag, der Wasserbedarf steigt. In Jordanien leben zwei Millionen syrische Flüchtlinge. Dazu schon seit Jahrzehnten Hunderttausende Palästinenser. Sultan warnt: „Wenn wir das Wasserproblem nicht lösen, werden die Jordanier bald selbst auch zu Flüchtlingen.“

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„Noch ein trockener Winter und wir haben hier soziale Unruhen“

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Wasser ist streng limitiert in Jordanien. Und teuer. Der Wasser-Lkw kommt etwa alle drei Wochen, öfter darf er nicht liefern.

Israel zieht eine Menge Wasser aus dem Jordan, das Tote Meer verschwindet zusehends und der Grundwasserspiegel fällt und fällt. Das Wasserproblem birgt riesigen Zündstoff: „Noch ein trockener Winter und wir haben hier soziale Unruhen.“

Wasser ist ein Menschenrecht. Was aber tun, wenn einfach nicht mehr genügend da ist? „Unsere Regierung hat keinen Plan B, wenn das Wasser weg ist. Was dann? Wir brauchen eine Entsalzungsanlage in Akaba und müssen das Wasser über Rohre zur Hauptstadt pumpen. Anders geht es nicht“, erklärt Sultan. Aber das ist sehr teuer und viele Menschen können sich schon jetzt das Wasser nicht leisten, das private Anbieter per Lkw zu ihnen nach Hause bringen.

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Wasser aus Israel? Das mag nicht jeder in Jordanien

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Ramzy Ali hat nicht genügend Geld, um das Wasser zu bezahlen. Er macht bei dem Wasserverkäufer Schulden - und verzweifelt darüber.

So wie Ramzy Ali, den wir in seinem Haus in Jerash im Norden Jordaniens treffen. Wir dürfen dabei sein, wenn der Wasserverkäufer kommt und seine Tanks füllt. Aber Ali hat nicht das Geld, um den Wasserverkäufer zu bezahlen, er macht Schulden bei ihm. „Aber was soll ich ohne Wasser machen? Wasser ist das Wichtigste im Leben“, sagt er verzweifelt. Ali arbeitet auf dem Bau, er ist vor vielen Jahren aus den Palästinensergebieten geflohen und verdingt sich mit Jobs in Jordanien.

Ecopeace verfolgt zur Lösung des Wasserproblems eine Strategie, die nicht jedem in Jordanien gefällt. „Israel hat große Entsalzungsanlagen und produziert jede Menge Trinkwasser. Aber die Produktion ist energieaufwändig und daher sehr teuer. Jordanien hat große Flächen für Photovoltaik und könnte Israel im Austausch für Wasser grüne Energie liefern,“ erklärt Sultan von Ecopeace die Idee. Das wäre eine klassische Win-Win-Situation.

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Ein Deal mit Israel und Jordanien - das mögen nicht alle

Aber nicht für alle Jordanier. Israel ist trotz des 1994 geschlossenen Friedensvertrages der Erzfeind der arabischen Bevölkerung. Und in vielen Augen der Jordanier ein Wasserdieb, zweigt doch die israelische Landwirtschaft große Teile des Jordanwassers ab. Und der Jordan ist für die Jordanier stets heiliger Fluss und Lebensquelle gewesen.

„Wir sind einfach nur pragmatisch. Was sollen wir machen? Krieg führen? Wirklich? Wir brauchen Wasser oder unser Land wird irgendwann unbewohnbar“, klagt Sultan. Der Klimawandel verschärft die ohnehin schon trockenen Winter zusätzlich.

In Ali hat er jedenfalls einen Verbündeten: „Mir ist es total egal, woher das Wasser kommt. Hauptsache, wir haben welches.“

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(osc)