Jetzt kommen die Hurrikans zu uns

Hurrikan 'Maria' kommt nach Europa
Hurrikan 'Maria': Das Satellitenbild der NASA zeigt den Wirbelsturm am 23.09.2017 östlich der Bahamas. © NASA Goddard Rapid Response Team, lof

'Lee' und 'Maria' auf dem Weg nach Europa

Wirbelsturm 'Maria', der vergangene Woche durch die Karibik stürmte und besonders hohe Schäden auf Puerto Rico anrichtete, kommt nach Europa. Und nicht allein. Wie das? Hurrikan 'Lee', der unter Ausschluss der Öffentlichkeit sein Unwesen auf dem offenen Meer trieb, hat nämlich auch schon mit der globalen Zirkulation die Reise zum alten Kontinent aufgenommen und schließt sich womöglich mit seiner stürmischen Weggefährtin zusammen.

'Lee' und 'Maria' werden zunächst zu außertropischen Tiefs

Gerade hat  'Maria' sich vom Hurrikan wieder zum Tropensturm abgeschwächt und zieht hinaus auf den offenen Atlantik. Die Sturmflutwarnungen an der US-Ostküste wurden aufgehoben. Zuvor war 'Maria' als Hurrikan auf den Inseln vor der Küste des Bundesstaats North Carolina mit Orkanböen und hohen Wellen schwer aktiv.

Noch weiter von der Küste entfernt zieht über dem zentralen Atlantik zudem Hurrikan 'Lee' eine Bahn in Richtung Nordosten. Der Sturm der zweitniedrigsten Hurrikan-Kategorie II hatte sich bereits früher als 'Maria' geformt und zieht seit rund zwei Wochen über das Meer. Schäden an Land verursachte er nicht. Und jetzt ziehen beide nach Westen Richtung Europa. Sie verlieren zwar ihre Eigenschaft als Tropenstürme und verwandeln sich in außertropische Tiefs, aber viel Wind machen sie trotzdem und bringen auch viel Wasser mit.

Video: Auf dem Strömungsfilm für die nächsten 5 Tage sind die ehemaligen Hurrikans schon zu sehen

Zwei Szenarien sind denkbar

Hurrikan 'Maria' und 'Lee' auf dem Weg nach Deutschland
Wenn der Regen von der Seite kommt, steckt meist ein Sturmtief dahinter. © dpa, A3250 Oliver Berg

Dabei können sich die beiden Systeme gegenseitig beeinflussen. In so einem Fall spricht man vom Fujiwhara-Effekt. Gleich starke Systeme kreisen um einen imaginären Punkt zwischen den beiden Systemen. Bei signifikant unterschiedlicher Ausprägung ist davon auszugehen, dass das stärkere und größere System das kleinere schluckt. So ist das eine Szenario in unserem Fall: 'Lee' wird in die Zirkulation von 'Maria' aufgenommen und es entsteht ein Orkanwirbel, der dann wohl 'ex-Maria' heißen wird und als Sturm- und/oder Orkantief in unsere Breiten zieht. Ausgerechnet zum langen Wochenende und in Richtung Tag der Deutschen Einheit kommen sie dann mit viel Regen und Wind auch nach Deutschland. Oder: Lee vereint sich mit den Tiefs im Seegebiet südlich von Grönland und Island und zieht am Sonntag und Montag zum Nordmeer und zur Nordsee. Dahinter dehnt sich von den Azoren ein Hochdruckkeil nordwärts aus, gegen den Maria nach und nach die Luft ausgeht.

Natürlich sind bei solch kräftigen, in Wechselwirkung stehenden Systemen viele Unwägbarkeiten im Spiel. Es bleibt auf jeden Fall spannend.