"Das Weihnachtsschwein" bereitet Probleme

J.K. Rowling muss Buch umbenennen - wegen einer Deutschen

Ein kleines Mädchen sitzt auf dem Sofa und schaut in ihr Lieblingsbuch.
Verrückter Zufall: Zwei Autorinnen wollen über ein "Weihnachtsschwein" schreiben. © Evgeniia Siiankovskaia

Schweinchen unterm Weihnachtsbaum: Diese Idee hatten gleich zwei Autorinnen

Sie ist wohl DIE bekannteste Autorin unserer Zeit: „Harry Potter“-Erfinderin J.K. Rowling. Doch all der Erfolg scheint ihr in diesem Fall wenig zu helfen, denn: Gegen eine bis dato eher unbekanntere, deutsche Schriftstellerin namens Kristin Franke zieht sie jetzt den Kürzeren. Der Grund: ein Schwein. Um genauer zu sein ein Weihnachtsschwein. Gleich beide Autorinnen kamen nämlich auf die Idee, die rosaroten Säugetiere als Protagonisten für ihre neuen Kinderbücher zu nutzen. Und dachten sich auch prompt den selben Titel aus. Doch eine muss diesen jetzt abändern.

"Das Weihnachtsschwein" der Leipzigerin Kristin Franke landete zuerst auf dem Markt

Die britische Autorin J.K. Rowling auf einem roten Teppich.
"Harry Potter"-Autorin J.K. Rowling: Sie muss ihr "Weihnachtsschwein" für die deutsche Fassung umbenennen. © AP, Joel C Ryan, DJ

Es ist schon erstaunlich: Hätten beide Autorinnen über Weihnachtswichtel oder Abenteuer auf dem Nordpol geschrieben – geschenkt. Aber über Schweine? Das ist schon ein großer Zufall, wo die Tiere eigentlich herzlich wenig mit dem Fest der Liebe zutun haben. Trotzdem kamen sowohl Kristin Franke als auch Starautorin J.K. Rowling auf die Idee, den Schweinchen in ihren Kinderbüchern die ganz große Bühne zu geben.

Doch unterschiedlicher könnten die Ausgangssituationen nicht sein: Während die Britin J.K. Rowling aus der Welt der Bücher kaum noch wegzudenken ist, wo sie uns doch den bekanntesten Zauberlehrling der Welt geschenkt hat, arbeitet die Leipzigerin Kristin Franke in ihrem Dachgeschoss als Autorin und Kleinverlegerin. Mit ihrem Verlag „Tinyfoxes“ erfüllt sie sich ihren Traum, für die Kleinsten gibt es hier Bücher, Spiele, Feenartikel und Fensterbilder – also all das, was kleine Herzen höher schlagen lässt. Im Frühjahr 2020 brachte Franke „Das Osterschwein“ raus. Weil das so gut lief, wollte sie den Kindern auch an Weihnachten eine Freude bereiten – die Geburtsstunde von „Das Weihnachtsschwein“. Beides sind gereimte Vorlese-Geschichten für Kinder ab etwa zwei Jahren. Und genau wegen dieses weihnachtlichen Schweinchens muss sich J.K. Rowling – zumindest für die deutsche Fassung – einen neuen Buchtitel ausdenken, wie die „Leipziger Volkszeitung“ (LVZ) berichtet.

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Kristin Franke darf ihren Buchtitel behalten

Dreifach-Mutter Kristin Franke staunte nicht schlecht, als sie diesen Sommer Post vom Carlsen-Verlag aus Hamburg erhielt, der ihr mitteilte, dass das neue Kinderbuch von J.K. Rowling im Herbst veröffentlicht wird. Man sei anscheinend davon ausgegangen, dass die Leipzigerin nichts dagegen hatte, dass beide Bücher denselben Namen tragen. Aber genau das hatte sie: „Ich bewundere J.K. Rowling und finde ihre Bücher unheimlich toll. Aber auch sie muss sich ans Urheberrecht halten“, erklärt Franke in der LVZ. Damit hat die Autorin recht, denn: Ihr Buch ist nun mal zuerst erschienen. Ein Blick ins Verzeichnis lieferbarer Bücher hätte genügt, um zu sehen, dass Frankes Buch dort eingetragen ist und somit Titelschutz hat, wie die Autorin selbst offenbart.

Rowlings neues Kinderbuch erhält in Deutschland jetzt den neuen – und zugegebenermaßen etwas sperrigen – Titel: „Jacks wundersame Reise mit dem Weihnachtsschwein.“ In der Originalfassung heißt es eigentlich „The Christmas Pig“, also „Das Weihnachtsschwein“, und soll diesen Oktober in 20 Sprachen erscheinen.

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Inhaltlich unterscheiden sich beide "Weihnachtsschweine" voneinander

Ende gut, alles gut: Katrin Hogrebe vom Carlsen-Verlag sagte der Leipziger Zeitung, dass der Lizenzgeber in England informiert wurde und der deutsche Titel offiziell geändert wird: „Wir haben uns unproblematisch geeinigt, das ist ein üblicher Vorgang“, so die Verlagssprecherin.

Inhaltlich sind die beiden Bücher übrigens dann doch ganz schön unterschiedlich: Während es in J.K. Rowlings Buch um einen Jungen namens Jack geht, der sein Lieblingsstofftier – ein Schwein – verloren hat und es zurückbekommen muss, dreht sich Kristin Frankes Geschichte um ein kleines Schwein, das für sich und die anderen Tiere im Stall ein schönes Weihnachtsfest organisieren möchte. Immerhin wissen wir jetzt, dass auch Schweine ein Teil von Weihnachten sein können! (vdü)