Debatte um geschlechterneutrale Sprache

Ist das Y der Anfang vom Ende? Schön wär's!

Gleichberechtigung beginnt mit Sprache! Und in der deutschen Sprache – so schön sie auch ist – hat ganz klar der Mann die Hosen an.
Gleichberechtigung beginnt mit Sprache! Und in der deutschen Sprache – so schön sie auch ist – hat ganz klar der Mann die Hosen an. © RTL, RTL Grafik, RL NEWS

Ein Kommentar von Roman Schneider

Gendern oder nicht gendern – in Deutschland fast schon ein Glaubenskampf. Ein ungewöhnlicher Vorschlag eines Germanisten schlägt im Netz gerade hohe Wellen. Und unser Autor findet: Vollkommen zu Recht!

Liebe Lesys!

Nein, das ist kein Schreibfehler – so könnte es nach der Idee von Germanist Thomas Kronschläger bald heißen. Sein Vorschlag: einfach ein y an die geschlechtsneutrale Wortform hängen und fertig! Ein Beispiel:

Ärztys, die Patientys gut zuhören, schneiden bei Bewertungen meist besser ab als Kollegys, die das nicht tun.

Aus Lehrern und Lehrerinnen würde Lehrys, aus Polizisten und Polizistinnen Polizistys, aus Verkäufern und Verkäuferinnen Verkaufys. Was im ersten Moment wirklich absolut gaga klingt, geht nach ein paar Versuchen erstaunlich einfach über die Lippen.

Ja, es ist anders - ja, es ist zunächst fremd. Aber das sind Wortbildungen wie Krankenpfleger*innen, Sozialarbeiter*innen, Leser*innen erst recht!

Das Netz schäumt vor Wut!

„Die Welt lacht über Deutschland!“ „So ein Schwachsinn!“ „Gibt es keine anderen Probleme?“

Um nur ein paar Beispiele zu nennen. Hinter vielen genervten Kommentaren steht eigentlich immer dieselbe Frage: Was soll das mit dem Gendern überhaupt?

Gleichberechtigung beginnt mit Sprache! Und in der deutschen Sprache – so schön sie auch ist – hat ganz klar der Mann die Hosen an. Wir sprechen von den Chefs, den Ärzten, den Politikern. Klar – weibliche Standardprägungen gibt es auch: die Krankenschwester, die Kassiererin, die Politesse. Alles schöne Berufe – aber der Unterschied ist klar: Wer was zu sagen hat, ist auf Deutsch eher ein Mann als eine Frau. Studien zeigen: Das schafft fixe Rollenbilder schon in den Köpfen von Kindern.

Ich bin noch nicht bereit für einen Mann als Kanzlerin

Drehen wir den Spieß doch einfach mal um: Sprechen wir einen Tag ausschließlich von den Chefinnen, den Ärztinnen, den Politikerinnen. Ist doch Quatsch, oder!? Genau, wie ausschließlich die männliche Form zu benutzen. In Sprache war noch nie etwas so, wie es schon immer war. Und Sprache wird sich immer verändern.

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Leser*innen, liebe LeserInnen, liebe Lesys – die deutsche Sprache ist so vielfältig. Bitte lassen Sie uns versuchen, alle darin einzuschließen. Auch wenn es so manchmal komplizierter ist, als das, was wir in der Schule gelernt haben. Das sollte es uns wert sein!

Bescheidene Grüße,

Ihr Roman Schneider