In großen Teilen der österreichischen Alpen erhebliche Lawinengefahr

In großen Teilen der österreichischen Alpen erhebliche Lawinengefahr
© picture-alliance/ dpa, MaxPPP CHANDELIER

Lawinenwarnung für Österreich (31.01.)

Derzeit herrscht in großen Teilen der österreichischen Alpen erhebliche Lawinengefahr. Insbesondere in Tirol, dem gesamten Tauerngebiet, Teilen Oberösterreichs sowie der Steiermark, in Vorarlberg, großen Teilen Kärntens und Niederösterreichs wird vor frischen Triebschneeansammlungen gewarnt.

Kärnten: Erhebliche Lawinengefahr durch Neuschnee und Wind

Gefahrenbeurteilung - In Kärnten wird die Lawinengefahr verbreitet mit ERHEBLICH (3) beurteilt. Das Hauptproblem bilden teils mächtige Triebschneeablagerungen die verbreitet auf einer Schicht aus lockeren, kalten Pulverschnee liegen und verbreitet bereits durch das geringe Zusatzgewicht eines einzelnen Wintersportlers losgelöst werden können. Durch die Sonneneinstrahlung ist heute vermehrt mit spontanen Lockerschnee und Schneebrettlawinen zu rechnen.

Niederösterreich: Erhebliche Lawinengefahr durch Triebschnee – Zunahme der Gefahrenstellen im Tagesverlauf!

Gefahrenbeurteilung: Von den Ybbstaler Alpen bis zum Rax-Schneeberggebiet herrscht erhebliche (Stufe 3), in den übrigen Gebieten mäßige Lawinengefahr (Stufe 2). Die Gefahrenstellen existieren in allen Expositionen und wurden durch alte und neue Triebschneeablagerungen gebildet. Es reicht bereits eine geringe Zusatzbelastung (einzelner Tourengeher) um Schneebrettlawinen in steilen Hängen auslösen zu können. Durch die heutige Sonneneinstrahlung können sich in steilem, felsigem Gelände spontane Lockerschneerutsche lösen. Es ist auf Gefahrenzeichen wie Wumm-Geräusche und Risse in der Schneedecke zu achten. Die Situation im Gelände ist heikel und Unternehmungen im freien Schiraum erfordern defensives Verhalten und Erfahrung bei der Einschätzung der lokalen Verhältnisse!

Oberösterreich: Erhebliche Schneebrettgefahr durch umfangreichen störanfälligen Triebschnee!

Gefahrenbeurteilung - Die Schneebrettgefahr wird über rund 1200 m Höhe unverändert als erheblich eingestuft. Immer wieder starker bis stürmischer Wind und Schneefall in den letzten Tagen hat frische und auch ältere überdeckte Verfrachtungen gebildet, die noch leicht zu stören sind. Solche Triebschneeablagerungen sind auch in lichten Bergwäldern und somit bis unter die Waldgrenze anzutreffen. Die Anzahl der Gefahrenstellen nimmt allgemein mit der Höhe zu. In verfüllten steilen Mulden und Rinnen fast aller Expositionen, in kammnahen verfüllten Steilhängen und bei Übergängen von wenig zu mehr Schnee ist eine Auslösung von Schneebrettlawinen bereits bei geringer Zusatzbelastung möglich. Für Skitouren ist Erfahrung in der Lawinenbeurteilung erforderlich. Aus verfüllten und schneereichen Steilhängen kann es vor allem durch die Sonneneinstrahlung vermehrt zu spontanen Abgängen von Lockerschnee- und Schneebrettlawinen kommen.

Salzburg: Aufgrund des Triebschnees ist weiterhin äußerste Vorsicht geboten!

Gefahrenbeurteilung - Ab dem lichten Waldrand aufwärts herrscht ERHEBLICHE (3) Schneebrettgefahr. Ein 3er eher im oberen Bereich, weil fast alle Expositionen betroffen sind. Frischen Triebschnee findet man gehäuft in den Ausrichtungen NW-N-O-S. Durch den zuletzt stark drehenden Wind sind die Windzeichen teilweise schwer zu lesen. Bereits das Gewicht einer einzelnen Personen kann ein Schneebrett auslösen. Heikel sind sehr steile Leebereiche und Steilstufen, kammnah und kammfern, diese sollte man heute unbedingt konsequent meiden. Kleinere Skifahrerlawinen können oberhalb von 2000m evtl. auf tiefere Schichten Durchreissen und mittlere Lawinen auslösen. Spontan sind vereinzelt aus eingewehten Zonen überwiegend kleine Schneebretter denkbar.

Günstigere Verhältnisse derzeit in allen windgeschützten Bereichen bis zum Waldrand und die Nockberge.

Steiermark: Etwas kalter Neuschnee - viel Wind! Triebschneesituation - erhebliche Lawinengefahr!

In der Steiermark ist die Lawinensituation weiterhin heikel, es herrscht verbreitet, besonders oberhalb der Walgrenze ERHEBLICHE Lawinengefahr. Das Hauptproblem besteht in frisch gebildeten Triebschneeansammlungen, die seit Donnerstag durch den von Nord über Südwest bis Süd wechselnden, stürmischen Wind entstanden sind. Triebschneepakete existieren somit in sämtlichen Expositionen. Sie nehmen mit der Höhe zu und wurden teilweise überdeckt, womit sie schwer zu erkennen sind. Eine Schneebrettauslösung ist in vielen Steilhängen sowie in befüllten Hohlformen bereits bei geringer Zusatzbelastung (einzelner Alpinist) möglich! Mit der Sonneneinstrahlung ist heute zudem vermehrt mit Selbstauslösungen oberflächlicher Lockerschnee- und Schneebrettlawinen aus steilem und felsigem Gelände zu rechnen. Unternehmungen im Gelände erfordern defensives Verhalten und Erfahrung bei der Einschätzung der lokalen Verhältnisse!

Vorarlberg: mit Neu- und Triebschnee in höheren Lagen verbreitet erhebliche Lawinengefahr.

Es besteht überwiegend erhebliche Lawinengefahr. Oberhalb etwa 1600 Meter geht die Hauptgefahr vom Neu- und vom störanfälligen Triebschnee aus. Gefahrenstellen finden sich an Triebschneehängen aller Expositionen sowie in Rinnen und Mulden. Überdeckte Triebschneepolster sind zum Teil schlecht bis gar nicht erkennbar. Schneebrettlawinen sind bereits durch einzelne Wintersportler leicht auszulösen. In der Folge können Lawine auch in tieferliegende Schwachschichten anbrechen und somit größere Ausmaße annehmen. Die Größe und Verbreitung der Gefahrenstellen nimmt mit der Höhe rasch zu. Die Auslösebereitschaft der Neu- und Triebschneeschicht wird heute durch die Sonneneinstrahlung begünstigt. Aktivitäten abseits gesicherter Pisten erfordern Ausbildung, viel Erfahrung in der Lawinenbeurteilung und defensives Verhalten. Aus sehr steilen, vor allem sonnseitigen Geländeabschnitten und eingewehten Hangzonen sind kleine bis mittlere spontane Schneebrett- und Lockerschneelawinen möglich.

Tirol: Weiterhin verbreitet heikle Lawinensituation für den Wintersportler

Die Lawinengefahr ist oberhalb der Waldgrenze allgemein erheblich, darunter mäßig. Die Hauptgefahr geht weiterhin von kürzlich gebildeten Triebschneepaketen oberhalb der Waldgrenze aus. Aufgrund des starken, während der vergangenen Tage mehrmals drehenden Windes muss man auf frische Triebschneepakete in allen Hangrichtungen achten. Mit etwas Erfahrung in der Lawinenbeurteilung lassen sich solche Gefahrenstellen allerdings recht gut erkennen. Schwieriger wird es mit der Einschätzung vom störanfälligen Altschnee. Problembereiche gibt es dabei zumindest in den Kitzbüheler Alpen schattseitig zwischen etwa 1600 Meter und 1900 Meter, in den Regionen südlich des Arlbergs, der Nordalpen und der Kitzbüheler Alpen schattseitig zwischen etwa 2000 Meter und 2600 Meter, sonnseitig oberhalb etwa 2300 Metern. Schneebrettlawinen lassen sich dort v.a. an schneearmen Stellen bzw. an Übergangsbereichen von wenig zu viel Schnee auslösen. Besondere Vorsicht auch im schattigen Waldgrenzbereich insbesondere in den Tuxer Alpen, Zillertaler Alpen sowie in Zentralosttirol, wo kürzlich vermehrt Schneebrettlawinen im Altschnee gebrochen sind.

Quelle: lawinen.at

Die europäischen Lawinenwarnstufen

1 (gering)

Eine Lawinenauslösung ist nur bei großer Zusatzbelastung an sehr wenigen, extremen Steilhängen möglich. Spontan sind keine Lawinen (sog. Rutsche) zu erwarten. Allgemein sichere Verhältnisse.

2 (mäßig)

Eine Lawinenauslösung ist bei großer Zusatzbelastung vor allem an den angegebenen Steilhängen wahrscheinlich. Größere Lawinen sind nicht zu erwarten. Die Schneedecke ist allgemein gut verfestigt, außer an einigen Steilhängen. Vorsichtige Routenwahl bei den angegebenen Steilhängen und Hangexpositionen.

3 (erheblich)

Eine Lawinenauslösung ist bereits bei geringer Zusatzbelastung vor allem an den angegebenen Steilhängen wahrscheinlich. Fallweise sind spontan einige mittlere, vereinzelt aber auch große Lawinen möglich. Die Schneedecke ist an vielen Steilhängen nur mäßig bis schwach verfestigt. Erfahrung in der Lawinenbeurteilung notwendig. Angegebene Steilhänge und Hangexpositionen möglichst meiden.

4 (groß)

Eine Lawinenauslösung ist bereits bei geringer Zusatzbelastung vor allem an den angegebenen Steilhängen wahrscheinlich. Fallweise sind spontan viele mittlere, mehrfach auch große Lawinen möglich. An vielen Steilhängen ist die Schneedecke nur schwach gefestigt. Bei der Routenwahl Beschränkung auf mässig steiles Gelände sowie Beachtung der Lawinenauslaufgebiete. Viel Erfahrung in der Lawinenbeurteilung notwendig.

5 (sehr groß)

Spontan sind zahlreiche große Lawinen, auch in mäßig steilem Gelände, zu erwarten. Bei dieser Warnstufe ist in Skigebieten somit kein sicherer Betrieb mehr möglich. Die Schneedecke ist allgemein schwach verfestigt und instabil. Verzicht auf Touren ist empfohlen.