In großen Teilen der österreichischen Alpen erhebliche Lawinengefahr

In großen Teilen der österreichischen Alpen erhebliche Lawinengefahr
© picture-alliance/ dpa, MaxPPP CHANDELIER

Lawinenwarnung für Österreich (30.01.)

Derzeit herrscht in großen Teilen der österreichischen Alpen erhebliche Lawinengefahr. Insbesondere in Tirol, dem gesamten Tauerngebiet, Teilen Oberösterreichs sowie der Steiermark, in Vorarlberg, großen Teilen Kärntens und Niederösterreichs wird vor frischen Triebschneeansammlungen gewarnt.

Kärnten: Erhebliche Lawinengefahr durch Neuschnee und Wind

Gefahrenbeurteilung - Mit einsetzendem Schneefall, der auch vom Wind aus südlicher Richtung begleitet wird, ist die Lawinengefahr vorerst nur leicht angestiegen, steigt aber im Tagesverlauf weiter an. Durch die im Tagesverlauf größer werdenden frischen, störanfälligen Triebschneeablagerungen, welche besonders in den südlichen Gebirgsgruppen, mit der dünnen und verharschten Altschneedecke eine schlechte Verbindung haben und durch eine geringe Zusatzbelastung losgelöst werden können, wird die Lawinengefahr allgemein mit ERHEBLICH (3) beurteilt.

Niederösterreich: Erhebliche Lawinengefahr durch Triebschnee – Zunahme der Gefahrenstellen im Tagesverlauf!

Gefahrenbeurteilung -Von den Ybbstaler Alpen bis zum im Rax-Schneeberg-Gebiet herrscht großteils erhebliche, in den übrigen Gebieten mäßige Lawinengefahr. Die Gefahrenstellen existieren in Form von meist sprödem Triebschnee, der sich in den vergangenen Tagen verbreitet bildete. Gestern sorgte der stürmische Südwestwind für frische Ablagerungen in den Nordostseiten. Mit der heutigen Winddrehung und dem stürmischen Nordwestwind bilden sich vornehmlich im südexponierten Gelände im Tagesverlauf frische Gefahrenstellen! Triebschnee ist somit in allen Expositionen bis in mittlere Lagen und Waldbereiche zu finden, er nimmt mit der Höhe zu. Die Auslösung von Schneebrettern durch geringe Zusatzbelastung (einzelner Tourengeher) ist an vielen Steilhängen möglich. Unternehmungen im freien Skiraum erfordern weiterhin defensives Verhalten und Erfahrung bei der Einschätzung der lokalen Verhältnisse!

Oberösterreich: Erhebliche Schneebrettgefahr durch umfangreichen störanfälligen Triebschnee!

Gefahrenbeurteilung - Die Schneebrettgefahr wird ab den mittleren Höhenlagen über rund 1200 m Höhe unverändert als erheblich eingestuft. Überwiegend gestern tagsüber starker, in der Nacht dann stürmischer Wind um Süd bis Südwest hat frische Verfrachtungen gebildet, die leicht zu stören sind. Daneben sind auch bis unter die Waldgrenze noch störanfällige ältere Triebschneeablagerungen vorhanden. Die Anzahl der Gefahrenstellen nimmt allgemein mit der Höhe zu. In verfüllten steilen Mulden und Rinnen fast aller Expositionen, in kammnahen eingefrachteten Steilhängen und bei Übergängen von wenig zu mehr Schnee ist eine Auslösung von Schneebrettlawinen bereits bei geringer Zusatzbelastung möglich. Für Skitouren ist Erfahrung in der Lawinenbeurteilung erforderlich. Aus verfüllten und schneereichen Steilhängen kann es zu einzelnen spontanen Abgängen von Lockerschnee- und Schneebrettlawinen kommen.

Salzburg: Aufgrund des Triebschnees ist weiterhin äußerste Vorsicht geboten!

Gefahrenbeurteilung - Die primäre Gefahr ist weiterhin der leicht zu störende Triebschnee, der speziell in den Expositionen Ost bis Süd anzutreffen ist. Die Anzahl der Gefahrenstellen nimmt dabei mit der Höhe rasch zu. Weiters sind frische, nordseitige Verwehungen durch den nächtlichen massiven Südföhn in den Hochlagen der Tauern sehr heikel! Günstigere Verhältnisse mit Pulver ohne Windeinfluss herrschen oft in tieferen, windgeschützten inneralpinen Lagen.

Steiermark: Etwas kalter Neuschnee - viel Wind! Triebschneesituation - erhebliche Lawinengefahr!

In den Niederen Tauern und in den Nordalpen wird die Lawinensituation mit erheblich, in den Gurk- und Seetaleralpen mit mäßig und sonst mit gering beurteilt. Mit Neuschnee und Wind wurden die Gefahrenstellen im Gelände mehr. Betroffen sind alle Expositionen in allen Höhenlagen. Auch im Waldbereich hat der Wind Triebschnee hinterlassen. Die Triebschneemächtigkeiten sollten nicht unterschätzt werden! Wummgeräusche sind als Gefahrenzeichen zu werten! Mit der Zunahme der Neuschneemächtigkeit steigt die Abgangsbereitschaft von spontanen Schneebrettern und Lockerschneelawinen an. Im Tourenbereich reicht.

Vorarlberg: mit Neu- und Triebschnee in höheren Lagen verbreitet erhebliche Lawinengefahr.

In der Steiermark gilt verbreitet die Gefahrenstufe 3 (erheblich). Kalter Neuschnee und Wind lassen die Gefahrenstellen im Gelände mehr werden. Der nächtliche starke Südwestwind hat in der Nacht die Schattseiten mit Triebschnee versorgt. Der heutige stürmische Nordwestwind verfrachtet den kalten Schnee in alle Expositionen. Wummgeräusche sind als Gefahrenzeichen zu werten! Mit der Zunahme der Neuschneemächtigkeit steigt die Abgangsbereitschaft von spontanen Schneebrettern und Lockerschneelawinen an. Große Lawinen werden jedoch nicht erwartet. Im Tourenbereich ist die Lawinensituation heikel. Eine Schneebrettauslösung ist in vielen Steilhängen bei geringer Zusatzbelastung möglich.

Tirol: Weiterhin verbreitet heikle Lawinensituation für den Wintersportler

Die Lawinengefahr muss weiterhin verbreitet mit einer kritischen Stufe 3 beurteilt werden. Etwas günstiger ist es nur in tieferen, windberuhigten Lagen unterhalb der Waldgrenze. Das Hauptproblem stellen derzeit frische und kürzlich gebildete Triebschneeansammlungen dar. Wegen der kalten Temperaturen und des kräftigen, gerade von S über W auf N drehenden Windes haben sich verbreitet sehr störanfällige Triebschneepakete gebildet, dies vermehrt vom Waldgrenzbereich aufwärts. Zusätzlich findet man bodennahe Schwachschichten innerhalb der Schneedecke v.a. südlich vom Arlberg, den Nordalpen und den Kitzbüheler Alpen. Diese können v.a. an schneearmen Stellen immer noch durch geringe Belastung gestört werden. Lawinen können dabei mittlere Größe erreichen. Zumindest in den Kitzbüheler Alpen heißt es schattseitig bereits oberhalb von 1600m vermehrt aufzupassen, weil wir dort ebenso eine störanfällige Schwachschicht im Altschnee gefunden haben. Je nach Wind und Schneefallintensität sind heute durchaus auch spontane Lawinenabgänge möglich. Außerhalb des gesicherten Geländes benötigt man derzeit unbedingt sehr gutes lawinenkundliches Wissen.

Vorarlberg: Mit Neu- und Triebschnee heikle Lawinensituation für Wintersportler

Es besteht überwiegend erhebliche Lawinengefahr. Oberhalb etwa 1600 m geht die Hauptgefahr vom Neu- und störanfälligem Triebschnee aus. Gefahrenstellen finden sich an Triebschneehängen aller Expositionen sowie in Rinnen und Mulden. Überdeckte Triebschneepolster sind zum Teil schlecht bis gar nicht erkennbar. Schneebrettlawinen sind bereits durch einzelne Wintersportler leicht auszulösen. In der Folge können Lawine auch in tieferliegende Schwachschichten anbrechen und somit größere Ausmaße annehmen. Die Größe und Verbreitung der Gefahrenstellen nimmt mit der Höhe rasch zu. Wegen der hohen Auslösebereitschaft von Schneebrettlawinen ist die Situation für Schneesportler sehr heikel. Aktivitäten abseits gesicherter Pisten erfordern Ausbildung, viel Erfahrung in der Lawinenbeurteilung und defensives Verhalten. Aus sehr steilen Geländeabschnitten und eingewehten Hangzonen sind kleine bis mittlere spontane Schneebrett- und Lockerschneelawinen möglich.

Quelle: lawinen.at

Die europäischen Lawinenwarnstufen

1 (gering)

Eine Lawinenauslösung ist nur bei großer Zusatzbelastung an sehr wenigen, extremen Steilhängen möglich. Spontan sind keine Lawinen (sog. Rutsche) zu erwarten. Allgemein sichere Verhältnisse.

2 (mäßig)

Eine Lawinenauslösung ist bei großer Zusatzbelastung vor allem an den angegebenen Steilhängen wahrscheinlich. Größere Lawinen sind nicht zu erwarten. Die Schneedecke ist allgemein gut verfestigt, außer an einigen Steilhängen. Vorsichtige Routenwahl bei den angegebenen Steilhängen und Hangexpositionen.

3 (erheblich)

Eine Lawinenauslösung ist bereits bei geringer Zusatzbelastung vor allem an den angegebenen Steilhängen wahrscheinlich. Fallweise sind spontan einige mittlere, vereinzelt aber auch große Lawinen möglich. Die Schneedecke ist an vielen Steilhängen nur mäßig bis schwach verfestigt. Erfahrung in der Lawinenbeurteilung notwendig. Angegebene Steilhänge und Hangexpositionen möglichst meiden.

4 (groß)

Eine Lawinenauslösung ist bereits bei geringer Zusatzbelastung vor allem an den angegebenen Steilhängen wahrscheinlich. Fallweise sind spontan viele mittlere, mehrfach auch große Lawinen möglich. An vielen Steilhängen ist die Schneedecke nur schwach gefestigt. Bei der Routenwahl Beschränkung auf mässig steiles Gelände sowie Beachtung der Lawinenauslaufgebiete. Viel Erfahrung in der Lawinenbeurteilung notwendig.

5 (sehr groß)

Spontan sind zahlreiche große Lawinen, auch in mäßig steilem Gelände, zu erwarten. Bei dieser Warnstufe ist in Skigebieten somit kein sicherer Betrieb mehr möglich. Die Schneedecke ist allgemein schwach verfestigt und instabil. Verzicht auf Touren ist empfohlen.